Ansichten eines Informatikers

Stell Dir vor, es ist Flugzeug, und keiner kommt raus

Hadmut
24.2.2026 15:17

Zustand Deutschland.

Einige Leser fragen, warum ich noch nichts dazu geschrieben habe, dass am Flughafen München die Passagiere eines abgesagten Fluges im Flugzeug übernachten mussten – keine Decken, enge Sitzreihen einer Regionalmaschine, nicht genug Lebensmittel – weil der Flughafen abends schon geschlossen und keiner meiner da war, der ihnen eine Treppe bringen oder sie hätte abholen können, der Flughafen war geschlossen.

Seht Ihr, das ist der Vorteil von Ryan Air. Raus kommt man immer. Weil die Maschinen von Ryanair – und nur die – am vorderen Ausgang ihre eigene, ausfahrbare Alu-Treppe haben. Aus purem Geiz, weil die damit die Flughafengebühren für die vordere Treppe sparen, die dann nicht rangefahren werden muss. Die hätten also ihre eigene Treppe zum Aussteigen gehabt. Zwar ist das nicht erlaubt, dass Passagiere auf dem Vorfeld herumlaufen, aber das wäre mir in der Situation dann auch egal gewesen, wenn sie sowieso keinen mehr da haben, der es mir hätte verbieten können. In Berlin musste ich mal wegen eines Triebwerksproblems vor dem Abflug von einem Flugzeug in ein anderes umsteigen. Und obwohl das direkt daneben stand, gerade mal 20 Meter weg, und die Crew selbst da einfach selbst rüber ging, mussten die Passagiere auf den Bus warten um sich rüberfahren zu lassen. Vorschrift. Eigentlich hätte es gereicht, einen von den langen Bussen quer zu stellen und einfach vorne und hinten aufzumachen, damit man dann durch den Bus rübergehen kann.

Ich dachte, solche Probleme gibt es nur in Berlin. Ich habe es schon erlebt, dass ein Flug in Berlin pünktlich gelandet ist und sich dann doch noch schwere Verspätung eingehandelt hat, weil es so lange dauerte, bis da jemand die Treppe und den Bus brachte und das Gepäck auslud.

Eigentlich würde mir dazu auch nicht viel einfallen. Deutschland halt. Nichts geht mehr.

Außer vielleicht das:

Bei einem letzten Flug von Berlin nach Zypern habe ich am Flughafen Paphos – ich habe leider nicht auf die Uhr geguckt, ich hätte die Stopuhr laufen lassen sollen – gefühlte 2-3 Minuten vom Flugzeugsitz bis zum Verlassen des Flughafengebäudes gebraucht – einschließlich Pinkeln gehen.. Gut, ist nicht ganz fair, weil das am spätend Abend war und am Flughafen gerade sonst gar nichts los war und ich nur einen kleinen Rucksack und kein eingechecktes Gepäck hatte.

Aber: Da gibt es wohl andere Vorschriften. Da gibt es keine Busse, die Flugzeuge stehen vor dem Terminal und man geht einfach zu Fuß vom Flugzeug zu Flughafen, und da stehen so ungefähr 20 Passkontrollautomaten, bei denen ich an dem Abend auch nicht anstehen musste. Drangehalten, Foto gemacht, Zettel ausgedruckt, Zettel bei der Passkontrolle abgegeben, Ehrenrunde durch die Herrentoilette – fertig. 20 Meter zum Ausgang. Nochmal 15 Meter bis zur Bushaltestelle.

Und wisst Ihr was? Der Flughafen Paphos macht auch nicht dicht. Obwohl da nachts gar nichts los ist, ist immer jemand da. Ich war mal bei einem der ganz frühen Flüge (Ryanair stellt seine Flieger gern über Nacht hier ab, wohl weil das hier auch billiger ist, und startet dann ganz früh hier) morgens um halb vier da. Zu früh, aber ging nicht anders. Und wirklich der einzige Passagier an der Sicherheitskontrolle. Vier Leute vom Sicherheitsdienst haben sich darum gekümmert, nur mich zu kontrollieren. Aus Langeweile, weil sonst niemand da war. Aber: Die sind da. Die sind einsatzbereit. Die Restaurants und Läden haben zu, aber der Flughafen hat auf.

Es ist unklar, ob der vom selben Flugzeug oder nur von einem in ähnlicher misslicher Lage in München schreibt:

I was on a grounded Lufthansa flight in Munich.

A blizzard had closed the airport. We were parked on the tarmac for six hours.

The American tourist next to me finally lost his mind.

“This is a kidnapping!” he yelled. “Why can’t they just get a bus? Or open the doors and let us walk to the terminal?!”

Ganzen Tweet lesen.

Ach, übrigens:

Wenn man in Berlin Ryanair (=Terminal 2) fliegt, geht man in den meisten Fällen auch zu Fuß vom Terminal über das Vorfeld zum Flugzeug oder zurück. Die haben da einen Zebrastreifen auf den Boden gemalt und spannen Seile, dass man davon nicht abweicht. Aber immerhin: Es geht. Man darf durchaus selbst gehen.

Wobei mich ja schon wundert, dass nicht einfach einer das Handy gezückt und die Feuerwehr gerufen hat. Wird ja auch kalt in so einem abgeschalteten Flieger.

Da würde mich eine Aufarbeitung schon interessieren.