Die Farbfotos der DDR
Das gab Zuschriften …
Hallo,
zwei Infos.
1. Ich hab als ich 12 war selbst mit Farbentwicklung angefangen. Ab der 6. Klasse hatten wir eine AG in der Schule und zu Weihnachten bekam ich dann einen eigenen Vergrößerungsapparat.
Entgegen aller Warnung in Erwachsenen hab ich dann im März 1986, also in der 6. Klasse noch, Farbfilmen (NC21) entwickelt. Farbbilder zu vergrößern war schwieriger. Denn dazu braucht man einen Farbmischkopf (der war zu teuer, der kostete noch so viel wie der Vergrößerer Axomat 4a alleine (ca. 300 Mark) oder einen Filtersatz. Der war schlecht zu bekommen. Auf Klassenfahrt (wo immer alle Modellbahn- und Photoläden abgeklappert wurden) bekam ich ihn dann:
Es kann also sein, dass ich die ersten Bilder erst mit 13 gemacht habe.Es gab in der DDR sehr geile Reihe von dünnen Photobüchern (hier z.B. https://www.ebay.de/itm/287129961255, das Buch hab ich auch) für Hobby-Photographen.
Die waren billig und gut. Gibt bestimmt 30 oder mehr. Immer über ein Thema. Auch über Farbentwickeln.
Farbe entwickelt zu lassen war teuer. Selbst machen ging. Aber 100 Blatt 9×12 SW-Papier kostete 4 Mark. 100 Blatt Farbe ca. 40 Mark. (ich glaub 14×10 A6 45 Mark).
Und bei Farbe hat man mehr Ausschuss, weil man ja nicht nur Belichtung, sondern auch Filterung checken muss.Farbematerialien zu bekommen, war manchmal schwierig, aber hier kommt eine Eigenheit der Planwirtschaft zum tragen.
Staatliche HO-Läden wurden einfach beliefert nach irgendwelchen Quoten. So kam es dass manche HO Dorf- oder Kleinstadt Drogerie mit Photoabteilung, Farbpapier und Farbchemie hatte.
Hat keiner gekauft, nur ein 13-14 jähriger Junge …
Der damit auch Softpornos vergrößert hatte. Denn ich war weit und breit der einzige Photoamateur, der Farbe entwickelt. Irgendwie muss man ja das Hobby finanzieren …Im Gegensatz zu der Aussage war der Negativfilm der DDR, ORWO NC21 – es gab nur den, scheisse! Nicht konsistent. Man musste immer die selbe Herstellungs-Charge kaufen, wenn man Farbkonstanz wollte.
Und es gab gute und schlechte Chargen. Zweitens hatte der nur 21 DIN, also 100 ASA. Wollte man mehr bliebt nur push-Entwicklung.In der DDR Farbe zu entwickeln war einfacher als im Westen mit C41 etc. Die alte Agfa-Chemie arbeitete bei ca. 20-25°C. Da waren Temperatur und Zeiten viel besser einhaltbar. Die Farben haben sich auch kaum verändert.
(und beim Film eh egal, da nicht konstant) so, dass man die aktuelle Temperatur messen konnte (23°C z.B.) und dann einen entsprechenden Zwischenwert nahm. Ich hab damals linear interpoliert. Aber es ist nicht viel anders.2. Diese Sache mit s/w versus Farbe hat man propagandistisch tatsächlich ausgenutzt.
Schulfernsehen Russisch war immer in Farbe. Schulfernsehen Englisch in schwarzweiss. Auch wenn in Klassenräumen fast eh nur Schwarz-Weiss-Fernseher standen, durfen Englisch nicht in Farbe gedreht werden. Die haben auf 16mm schwarz-weiss gedreht.
Auch die Englisch-Schulbücher waren schwarzweiss, während die Russischen in Farbe waren!Und auch bei der Nazizeit waren bis in den 1990ern die Bilder nur schwarz-weiss. Das hat auch mit den Fähigkeiten zur Restauration zu tun! War aber Propaganda auch im Westen.
Sowas zu vermuten ist also nicht so weit hergeholt.
Nochwas zum DDR-Revival
Den Linken war es doch bekanntermaßen ein Dorn im Auge, daß die DDR zusammenbrach. Deshalb wird sie ja bis heute von Denen verklärt. Bloß gut, daß die nicht auch noch die Autobahnen erfanden… Jedenfalls jetzt, wo alles den Bach runtergeht, werden ihre Methoden als Heilsbringer verkauft. Paßt doch, oder nicht?
DDR Farbe
hallo herr danisch,
ich hatte viele nicht deutsche kollegen. eine junge frau, ich weiß nicht mehr, aus welchem ehemaligen ostblockstaat sie kam – rumänien?, die mauer war schon länger gefallen, die habe ich mal gefragt, welcher unterschied ihr besonders aufgefallen sei. antwort nach kurzem überlegen: die farbe. so viel farbe im leben wie im westen, habe sie nicht gekannt.
ich frage mich auch, ob die wessis, die in ostblockländern gewesen sind, spezielle brillen hätten aufsetzen müssen, um nicht von tristes und grau zu berichten.
Warum sah die DDR grau aus?
Lieber Herr Danisch;
das ist eine interessante Frage und sollten Sie mal bei ihrer Hirnforschung mit aufnehmen.
Wenn man in den Mitt-Achtzigern von West- nach Ostberlin wechselte, war der Zerfall in den Grenzregionen beider Mauerseiten identisch. Beispiel Harzer Straße. Putz von den Wänden, türkische Kinder westlich, zugemauerte Fenster und Grenzstreifen östlich.
Der Schwefeldioxid-Nebel hing genauso über Westberlin wie über dem Osten, gab es doch westlich auch massig Ofenheizungen (mit Ost- Briketts). Die Landschaft östlich der Mauer sah von der Rudower Höhe betrachtet exakt aus wie auf der Westseite.
Verglich man dagegen den Kurfürstendamm oder andere Einkaufsecken (Wilmersdorfer, Hermannplatz, Alt-Tegel) mit dem Alexanderplatz/Unter den Linden, so fiel im Osten irgendein Mangel auf, ohne daß man genau sagen hätte können, was da fehlte/anders war. Waren es die Leuchtreklamen, die Geschäftsauslagen, die Westautos, die Menschenmassen? Jeans, Kleidung generell?
Oder doch die Punks, Penner und Drogensüchtigen? Der Dreck, die Graffiti?
Ich vermute, daß DDR-Linken nichts am Hirn fehlt. Sie fühlen sich in dem westlinken Dreck einfach nicht wohl. Und da sind wir bei den Drogen und den Verschwörungsmythen der Impfgegner, den Gegnern “revitaminierter” Nahrungsmittel, generell der Anti-Amerikaner.
Wurde vielleicht im Westen doch etwas verabreicht, daß wir den ganzen Unrat als normal ansehen? Wir leben zwar in modernen Städten, aber wir leben das Leben afrikanischer Kinder, die auf Müllhalden spielen und Verwertbares suchen.
PS: Ich bin übrigens gespannt, wann die Karlsruher U-Bahnhöfe so versottet und beschmiert sind wie im Westen üblich.
Farbfotos und DDR
Lieber Herr Danisch,
habe gerade Ihren Eintrag “Die Farbfotografie in der DDR” gelesen.
Ich selbst habe ich dazu keine Meinung, aber zufällig habe ich mich vor ein paar Tagen mit dem Thema am Rande befasst.Vor kurzem ist ein Buch des Fotografen Thomas Hoepker erschienen: “DDR – East Germany: Colour Works 1972-1990”.
Hoepker kam aus Westdeutschland, war aber beruflich als Journalist länger in der DDR unterwegs und hat von dort als einer der ersten offiziell akkreditierten westdeutschen Journalisten berichtet bzw. dort fotografiert. Seine DDR-Bilder gerieten in Vergessenheit, doch unlängst wurde diese Sammlung zufällig entdeckt und daraus ein Buch kompiliert – so habe ich es der Zeitschrift “Fotomagazin” 03/2026 entnommen. Wie der Name des Buchs verrät, sind es ausschließlich Farbfotografien. Da er Journalist war, dürften seine Fotos so auch in der westdeutschen Presse veröffentlicht worden sein, und zwar im “Stern”, für den Hoepker damals arbeitete.
In dem Artikel wird zudem behauptet, dass in der DDR der SED-Staat das Monopol auf Farbfotografie gehabt habe. Ich weiß nicht, ob das mit dem Monopol wörtlich zu nehmen ist und wenn ja, wie das genau gemeint war. Der von Ihnen auch zitierte bekannte Song von Nina Hagen lässt vermuten, dass es grundsätzlich auch für Hobby-Fotografen möglich war, in Farbe zu fotografieren (und zu entwickeln). Vermutlich waren Farbfilme und Papierabzüge für Normalbürger ohne Westgeld schwer zu bekommen. Vielleicht ist Hagens Liedzeile darauf eine ironische Anspielung, die jeder DDR-Bürger sofort verstand, die uns heute aber nicht mehr geläufig ist (ich bin übrigens Jahrgang 1968 und im Westen aufgewachsen).
Ich habe interessehalber bei Amazon nach Hoepkers Buch geschaut.
Es gibt eine handvoll Rezensionen zum Buch, die meisten davon mit Bestnote. Aber der Rezensent “Snoopy” vergibt nur einen Stern und schreibt dazu:
“Leider musste ich beim Lesen und Anschauen des Bildbandes feststellen, dass Thomas Hoepkers Fotos nicht authentisch sind, sondern dass er mutwillig besonders hässliche Fotos gemacht hat. Obwohl ich kein Fan der DDR bin, finde ich das Essay von Wolf Biermann sehr passend zum Buch, seiner Auffassung nach kann man an der DDR kein gutes Haar lassen, sondern ist sonst ein ‘Verklarer, Verklügler und Verklärer’. Das ist mir persönlich dann doch nicht nur zu einseitig, sondern schon primitiv.”Vielleicht rundet diese Rezension bzw. der Bezug auf den Essay von Wolf Biermann das Bild ab. Aber wie gesagt: Ich habe dazu mangels Hintergrundwissen eigentlich keine Meinung. Ob Hoepkers Fotos “besonders hässlich” sind, wie Rezensent Snoopy behauptet, dürfte Geschmackssache sein.
Wie die anderen Zuschriften erklären, gab es in der DDR durchaus Farbfilmmaterial für Privatpersonen, sowohl zur Entwicklung und für Abzüge im Labor bzw. beim professionellen Fotografen, als auch zum selbstentwickeln.
Was sie aber auch erklären: Es war teuer und qualitativ schlechtes Material.
Und was eben durchscheint: Man hat das propagandistisch benutzt. Wir/Russen=gut, farbig. Westen=Schwarzweiß.
Und was auch einige bestätigt haben: Man hat Filme selbst entwickelt, um nicht der Stasi-Kontrolle zu unterliegen.
Fotografische Anmerkung
Dass die DDR Bildmotive lieferte (ich habe sie nur bei einem eintägigen Besuch in Ost-Berlin, kurz nach der Wende bei einer Besuch in der Gegend um Erfurt, länger nach der Wende bei mehreren Dienstfahrten und schließlich bei meiner Tätigkeit in Dresden erlebt), die nach Schwarzweiß schreien, ist ein anderer Punkt.
Es ist typisch Laie, zu schreien, dass Farbe=gut und Schwarzweiß=böswilliges Schlechtmachen sei.
Viele Gebäude waren eben alt, ausgeblichen, aus grauem Material, und Schwarzweißfotografie das Mittel der Wahl, um das alles darzustellen. Wenn man Gebäude fotografiert. Etwas anderes ist es freilich, wenn man Menschen fotografiert. Bunte Kleidung. Kostüme.
Man kann das durchaus als grobe Regel nehmen, dass man Lebendes oft besser in Farbe fotografiert, Totes durchaus gut in Schwarzweiß. Mit Ausnahmen, natürlich.
Was aber eben auch ein Leser nannte, und das ist ein guter Punkt: In der DDR haben viele Profis fotografiert. Und die wiederum haben in der Regel für Zeitungen und Bücher fotografiert. Und die wurden meist in Schwarzweiß gedruckt. Warum also hätten sie für teureres Geld und mehr Aufwand in Farbe fotografieren sollen?
Jedenfalls erregt das Thema die Gemüter, und es fällt auf, dass gerade viele versuchen, die DDR zu verklären.
Einer hat mich beschimpft, was mir einfiele, über die DDR zu schreiben.