Die Farbfotografie in der DDR
Ach guck, die SED-Propagandisten kommen wieder aus den Löchern.
Ich hatte ja mal erzählt, dass ich als Student im Studentenwohnheim (Karlsruhe, HaDiKo) im Fotolabor Schwarzweißfilme entwickelt und Abzüge gemacht habe.
Aus mehreren Gründen.
Farbe war mir zu teuer und zu kompliziert, weil man da irgendwie genau auf die Temperaturen und Zeiten achten musste, damit man keinen Farbstich bekommt. Das HaDiKo hatte zwei Fotolabore. Eins im K3 (oder K4? weiß nicht mehr genau), das aber sehr hoch frequentiert und mit Farbkram ausgestattet war, und in dem die Leute von der AG Foto das Sagen hatten.
Und ein vergessenes, verlassenes und leider auch etwas vermülltes, seit Jahren nicht mehr benutzes Fotolabor im K1 (in dem ich wohnte), von dem kaum jemand wusste, das aber gut ausgestattet war – aber nur für Schwarz-Weiß. Das habe ich sauber gemacht und entrümpelt, und hatte dann quasi mein eigenes, „privates“ Fotolabor, weil kaum jemand davon wusste, und die, die wussten, nicht wollten.
Es hat nämlich etwas für sich, wenn man seine Fotos selbst entwickelt und abzieht, und dann niemand sieht und kontrolliert, was man da so macht.
Und genau das hatten mir – ich habe ja mal in Dresden gearbeitet – die Ossis auch erzählt, dass in der DDR ziemlich viele Leute ihre Filme selbst entwickelt und abgezogen haben, weil man bei zur Entwicklung abgegebenen Filmen nicht wusste, wer das kontrolliert und durchsieht, gab ja überall IM und Stasi-Petzen. Deshalb – und aus Kosten- und Verfügbarkeitsgründen war wohl auch die Schwarzweiß-Fotografie in der DDR deutlich stärker vertreten als im Westen, wo das mit Ende der 60er Jahre und dem Aufkommen von Agfa und Kodak und Ritsch-Ratsch-Klick alles auf Farbe getrimmt war.
Wer kennt nicht das Lied von Nina Hagen „Du hast den Farbfilm vergessen, mein Michael“
Wobei es ja Leute gibt, die sagen, dass Michael den Farbfilm nicht vergessen hat, sondern er ihm einfach zu teuer war.
Nun fand ich auf Twitter/X einen seltsamen Tweet, in dem jemand die DDR so hoch lobte und meinte, das sei ja alles West-Propaganda, die sich von der DDR gezielt die Schwarz-Weiß-Fotografien raussuchten, um die schöne DDR absichtlich trist aussehen zu lassen. Lest mal:

Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie der darauf kommt, dass ich, ausgerechnet ich, ein Verfechter eines Polizei- und Überwachungsstaates sei. Offenbar hat die Aufklärungsqualität der Stasi auch stark nachgelassen.
Ich finde es aber beachtlich, wie da plötzlich wieder die DDR verherrlicht und in Umlauf gesetzt wird, dass es West-Propaganda sei, dass die DDR so trist und grau ausgesehen habe.
Beachtlicherweise antworten ihm auch einige Ossis mit Farbaufnahmen der DDR, auf denen der Farbfilm auch nichts nutzt, wenn eben doch alles grau aussah.
Aber sehr erstaunlich, dass da plötzlich wieder DDR-Apologeten aus den Löchern kommen.