Ansichten eines Informatikers

Bindungsängste

Hadmut
8.2.2026 22:20

Leser fragen – Danisch weiß es auch nicht.

Ein Leser fragt an:

Lindsey Vonns Bindung

Hallo Hadmut,

ich habe mir jetzt x-mal den Sturz von Lindsey Vonn bei der Abfahrt angesehen.

Die wirbelt rum und die Ski knallen auf die Piste, alles ist verdreht und die Bindung geht nicht auf. Wozu gibt es die Bindung, wenn sie bei so einem Sturz nicht aufgeht? Da kann ich mir gleich die Bretter an die Füße schrauben. Das hält ja kein Knochen aus.

Es gibt bei der Abfahrt wohl starke Schläge und da darf die Bindung nicht aufgehen, aber ich glaube die haben die Bindung in diesem Fall viel zu fest eingestellt.

Servus

Weiß ich nicht.

Kann ich nicht beurteilen.

Ich war zwar ein insofern „erfolgreicher“ Skifahrer, dass ich mich dabei nie verletzt habe. Nicht gut, nicht schön, nicht spektakulär, aber ich bin so ziemlich jede Piste, auch die schwarzen, einigermaßen flott und unfallfrei runtergekommen, weil ich nicht nur fahren, sondern auch bremsen konnte und es hinbekam, die Geschwindigkeiten so zu begrenzen, dass ich sie kontrollieren konnte.

Ich war aber nie ein guter Skifahrer, nur so Gelegenheitsfuzzi, und habe das Skifahren schon vor über 20 Jahren aufgegeben und meinen Skikram verkauft.

Nicht nur, weil ich beschlossen habe, dass ich das bleiben lasse, weil ich an beiden Knien Meniskusprobleme und nicht die nötige Kontrolle und nicht mehr die nötige Kraft in den Beinen habe.

Nicht nur, weil ich es für viel zu gefährlich halte, nur so hin und wieder mal zu fahren, so alle drei Jahre mal den Hang runterzurutschen.

Nicht nur, weil ich dreieinhalb Jahre in München beruflich tätig war und in der Zeit nahezu jeden Kollegen mit schweren Skiverletzungen bis zu gebrochenen Haxen erlebt habe.

Nicht nur, weil ich in meiner „Ski-Karriere“ dreimal selbst mit Ski („X“) Unfallstellen absperren und die Akias heranwinken musste (einmal davon erfolglos, weil ich oberhalb der Unfallstelle auf den Akia wartete und lange nicht merkte, dass die mit der Trage auf der großen Schaufel des Pistenmuli von unten kamen und die die Verunfallte dann auf der Pistenmuli-Schaufel zum Lift und dann freihängend unter dem Sessellift ins Tal brachten, und die später im Krankenhaus sagte, dass diese beiden Fahrten schlimmer als der Beinbruch selbst waren.

Sondern auch, weil ich festgestellt habe, dass mir das Skifahren in der Summe, alles in allem überhaupt keinen Spaß macht.

Skifahren an sich macht schon Spaß. Mir jetzt nicht auch so wahnsinnig viel. Aber der ganze Scheiß außenherum, sich mit den ganzen Idioten herumzuschlagen, die sich auf den Pisten herumtreiben und andere gefährden, randalieren, durchdrehen, dieser ganze Schicki-Micki-Scheiß, das Saufen, dieses ganze Angeben, das ist mir so unfassbar auf die Nerven gegangen, dass es mir in der Summe keinen positiven Spaß machte.

Ich bin lieber am Meer.

Obendrein stellte sich dann schon heraus, auch wenn eine Korrelation noch lange keine Kausalität ist, dass Skifahren seltsam auffällig mit der Anwesenheit von Bergen korreliert. Sorry, aber ich kann mit Bergen nichts anfangen. Ich habe auch keinen.

Und das ist mir alles auch viel zu teuer. Nicht, dass ich es mir nicht leisten könnte, aber wenn ich für dasselbe Geld dreimal so lang am Meer oder in Japan oder sowas sein kann, mache ich das.

Ich bin zwar nicht verfroren, aber: Ich mag’s auch nicht kalt.

Und ich kann mich erinnern, dass ich mal einen ganz schrecklichen Tag beim Skifahren erlebt habe, weil es niedrig flächendeckend bewölkt war und es keinen klaren Sonnenstrahl gab, und das Licht so diffus und der Schnee so frisch und reinweiß war, dass man nichts mehr sah. Man konnte überhaupt keine Bodenkonturen mehr erkennen und sah gar nicht mehr, ob es vor einem rauf oder runter ging, konnte nur noch nach Gefühl und Gehör fahren, und das war richtig saugefährlich. Da hatte ich große Mühe, sicher wieder ans Ziel zu kommen. weil man einfach ohne irgendwas zu sehen ins Weiße rutschte und sich kaum orientieren konnte.

Einkehrschwung: Ich hasse diese Proletenmeiler.

Deshalb habe ich noch nie sehr gut und schon lange auch gar nichts mehr mit Skibindungen zu tun.

Ich kann mich erinnern, dass ich auch mal eine zu weich eingestellte Bindung hatte, und ich deshalb beim Skifahren immer wieder einen Ski verloren habe, bis die mir beim Skiverleih – obwohl ich meine eigenen Ski hatte – geholfen und die besser eingestellt haben. Ich weiß, dass die für Anfänger eher weich eingestellt werden und umso härter, je besser und sportlicher jemand fährt.

Und deshalb vermute ich, weiß es aber nicht, dass die bei den Abfahrtsfahrten, wo es ja knüppelhart zugeht und die Höchstgeschwindigkeiten fahren und Sprünge machen müssen, die Bindung stramm einstellen, damit sich die Ski nicht lösen.

Und dass die die da besonders hart einstellen, um volles Risiko zu fahren.

Aber langer Rede kurzer Sinn:

Ich weiß es nicht.

Ich bin der falsche Mann für diese Frage.

Ich war nie so gut im Skifahren, dass ich behaupten würde, ich kenne mich damit aus. Ich hatte nur das Glück, mich dabei nie zu verletzen (allerdings habe ich mir zwei Schnallen an Skistiefeln abgerissen, weil ich am Stacheldraht eines eingeschneiten Kuhweidezauns hängen blieb, der ein wenig aus dem Schnee herausragte, ohne mich selbst aber zu verletzen), aber käme nicht auf die Idee, mich damit auskennen zu wollen.

Meine Kenntnisse vom Skifahren gehen so weit, dass ich am Berg halbwegs zuverlässig feststellen kann, in welcher Richtung es nach unten geht. Ich kann sowohl mathematisch-analytisch den Gradienten bestimmen, als auch physikalisch-empirisch herausfinden, wohin es rutscht. Und ich kann Ski von Skistöcken unterscheiden. Mehr weiß ich nicht.

Fragt Leute wie Felix Neureuther. Der weiß sowas. Ich nicht.