Oh, was’n scheiß Flughafen …
Wäre dieser Tag ein Auto, hätte der TÜV es an Ort und Stelle erschossen. Und das zu Recht.
Eigentlich … also so eigentlich, sollte ich jetzt gerade in einem Flugzeug auf dem Weg nach Zypern sitzen. (Jetzt = als ich anfing, den Blogartikel zu schreiben, inzwischen ist es ein gestern, weil mein jetzt schon ein morgen ist).
Oder, weil es etwas länger dauerte, diesen Artikel zu schreiben und die Bilder vom Handy zu kratzen und reinzupappen, sollte inzwischen schon auf Zypern zuhause sein und im Bett liegen.
Gebucht auf Ryanair FR353 von Berlin Brandenburg nach Paphos, Abflug 18.20. Ankunft am Flughafen dort so gegen 23:00 plus ein paar Zerquetschte für Aussteigen und Formalitäten. Ich mag das. Dann kann ich nämlich noch mit dem letzten Bus vom Flughafen in die Stadt fahren. Auf Zypern gibt es nämlich ein Taxi-Kartell, die da wüst abkassieren, weil es zwar eine Taxameter-Pflicht gibt, die angeblich aber nicht für Flughafen-Strecken und nicht für gerufene Taxis gelte. Freies Aushandeln. Tagsüber, wenn auch Busse fahren, kann man günstigstenfalls auf 30 Euro handeln, ganz selten kommen sie an die Bushaltestelle und bieten bis 25 Euro. Aber wenn der Flieger zu spät landet und der letzte Bus schon weg ist, haben sie keine Konkurrenz mehr (außer man hat einen Mietwagen gebucht), und dann nehmen sie, je nach Zeit, 40 bis 55 Euro. Es kommt nicht selten vor, dass ich für 20 Minuten Taxi mehr, mitunter doppelt so viel zahle, wie für 3,5 Stunden Flug von Berlin nach Zypern. Zwar bekomme ich dann auch keinen Anschlussbus mehr, aber wenn ich erst einmal in der Stadt bin, kann ich den Rest der Strecke auch laufen, was im nachts völlig menschenleeren Paphos kurios ist, und mich an einer der Bäckereien mit 24/7-Öffnungszeiten vorbeibringt. Nachts um zwei plötzlich Notfall-Bedarf an Nusshörnchen, Berlinern oder zypriotischen Backspezialitäten? Kein Problem, wenn man weiß, wo. Ich weiß nicht nur, wo, ich komme auch direkt dran vorbei. Mache ich gerne so. Macht Spaß, in den zypriotischen Riesen-Bäckereien vom Supermarkt-Format nachts völlig alleine einkaufen zu gehen, während die, die die Nacht über an der Kasse sitzt, versucht, wach zu bleiben.
Der Tag fing damit an, dass Ryanair auf seiner App noch versicherte, alles pünktlich, alles gut. Das versicherten sie gestern abend schon, und ich frage mich, woher sie das am Tag vorher schon wissen wollen, aber nachdem heute morgen im Radio kam, dass es morgens Probleme am Flughafen BER wegen Eis durch gefrierenden Regen gab, es aber hieß, bis Mittag sollten die Probleme behoben sein, hatte ich schon bedenken. Denn wenn morgens was schief geht, geht auch abends was schief, weil die Flieger ja den ganzen Tag unterwegs sind. Wenn die sich morgens eine Verspätung einhandeln, ist die oft nicht mehr aufzuholen.
Aber: Die Ryanair-App sagte: Alles prima, alles pünktlich.
Also habe ich, wie üblich, wie nach Plan, die Wohnung in den Winterschlaf versetzt. Strom aus, Wasser aus, verderbliche Lebensmittel raus. Das hat mir heute weh getan, denn ich hatte mich mit den Lebensmitteln verschätzt. Ich hatte viel zu viel. Ich war die letzten 8 bis 10 Tage krank, aber ich weiß nicht was. Nicht flachgelegen, ich neige dazu, irgendwelche grippalen Infekte oder Corona-Treffer mit mir herumzuschleppen und mich zu fühlen wie halb verdaut und wieder ausgekotzt, aber auch nicht so richtig Bett-krank zu sein. Deshalb habe ich mich die letzten Tage nicht (raus)bewegt und viel weniger gegessen, als normal. Einen zwei-drittel-gefüllten Kühlschrank – nein, natürlich nicht den Kühlschrank, sondern den Inhalt – in den Müll geworfen. Tut mir weh, aber war nicht anders zu machen. Das Obst nehme ich immer mit und esse es am Flughafen beim Warten am Gate, oder nehme es einfach mit in die andere Wohnung. Deshalb habe ich normalweise immer deutsche Äpfel auf Zypern und zypriotische Äpfel in Berlin. Genau gleich, hier und dort gekauft bei LIDL.
Im Radio kam, die Verkehrsmittel hätten auch Probleme, würden ausfallen. Dazu kommt, dass sie neulich die Regionalbahnstrecken zum BER umorganisiert haben. Mist, hatte ich erst gedacht, ich hatte so eine gute Anbindung an den BER, und jetzt isse futsch, jetzt fahren die über Hauptbahnhof. Die Routing-App zeigte aber, dass ich auch mit den neuen Streckenführungen nicht nur gut klarkomme – sondern eigentlich sogar etwas besser. Ich fahre dann halt nicht mehr mit der S-Bahn über Ostkreuz und dort umsteigen, oder mit dem Bus vor der Haustür zum Ostbahnhof, sondern mit der U2 zum Potsdamer Platz und steige dort um. Das ist zwar gar nicht gut mit Gepäck, aber ohne Gepäck recht gut.
Ich stehe also in der U-Bahn-Haltestelle der U2 und will zum Potsdamer Platz. Anzeige und Durchsage: Tut uns leid, U2 is’ heute nich’ so richtig. Das Wetter macht der U2 zu schaffen. Es fallen etliche aus und sie können auch nicht durchgängig fahren. Ich habe keine Ahnung, warum, aber es kam dann nach Anzeige und Frontbeschriftung eine U1 auf dem Gleis der U2. Eigentlich fährt die U1 ganz woanders. Irgendwo haben sie Bauarbeiten, weshalb die gerade anders fahren als normal. Ist mir egal, ob da U1 oder U2 drauf steht, sie fährt zum Potsdamer Platz, und da will ich hin. Dort umgestiegen in den Flughafen-Express FEX und ich war verblüffend schnell und einfach am Flughafen. Und es hat gegenüber meiner sonstigen Strecke über Ostkreuz und Jannowitzbrücke den Vorteil, dass es da nicht, wie an der Jannowitzbrücke so entsetzlich, nach Pisse stinkt.
Ich war also pünktlich, um 16:15 am Flughafen. Habe bei Rewe noch schnell etwas Backwaren eingekauft, denn es sind ja immerhin 2.500 km zur nächsten Bäckerei. Und ich hatte ja schon mal über 3 Stunden Verspätung im Flieger, weil wegen Triebwerksproblem der Start abgebrochen worden war, und da hatte das Essen an Bord nicht gereicht, habe ich nichts zu essen bekommen und Hunger gelitten.
Aber, ach.
Irgendwie hatte ich die ganze Zeit schon das Gefühl, dass der Tag bisher irgendwie zu problemlos, zu einfach gelaufen ist. Es gibt so Tage, an denen es gut läuft, obwohl es eigentlich nicht gut laufen dürfte, an denen man genau weiß, da kommt noch irgendein dickes Ende. Irgendein Problem. Das sind so Tage, an denen man mit dem Flugzeug abstürzt.
Die Sicherheitskontrolle und mein Känguru
In der Schlange an der Sicherheitskontrolle dauerte es lange, weil sie nur zwei der Kontrollgänge offen hatten.
Blick auf die App, ob noch alles pünktlich ist – Nein ist es nicht. Die App meldet erstmals eine Verspätung. Statt 18:20 nun 20:15. „vorläufig“. Ich habe auch eine Mail bekommen, um 16:38. Mist, denke ich. Das bedeutet Taxi-Kartell statt Nacht-Bäckerei.
Wie ich so in der Warteschlange der Sicherheitskontrolle stehe, dachte ich noch, ich hätte Glück, denn als ich genau vor einem geschlossenen Tor stand, machten die gerade auf. Juhu, ein Sicherheitskontrollgang (oder sagt man -straße? wie heißt das eigentlich?) macht auf und ich bin der erste in der Schlange. Das hätte mir schon verdächtig vorkommen müssen, wenn ich Glück habe.
Nachdem ich also meinen Kram, wie immer, in zwei dieser Schüsseln gepackt hatte und (meines Gürtels entledigt) hosenhaltend (ich trage beim Fliegen immer zu weite Hosen, damit die bequem sind, die halten dann ohne Gürtel nicht) Richtung Mikrowellenscanner schritt, fiel mir auf, dass der Sicherheitsmitarbeiter vor dem Röntgengerät alles, was ich da in die Schüsseln gegeben hatte, einmal komplett umgrub. Alles irgendwie einmal durchmischte, einen Haufen daraus machte und meine Backwarentüte obendraufsetzte. Irgendwie dachte ich schon, das geht doch schief.
Kam dann durch den Mikrowellenscanner und wartete am Ausgang des Röntgengeräts – und nichts kam.
Es dauerte und dauerte und dauerte. An der anderen Schlange wäre ich längst durch gewesen. Ich höre sie sagen, dass man den Röntgenscanner auch nicht einfach so einschalten könne, der müsse erst „hochfahren“.
Irgendwann kam dann tatsächlich die erste meiner beiden Schüsseln (oder Wannen oder Schalen oder Boxen, wie nennt man das eigentlich?) – ohne Backwaren obendrauf.
Die Tüte kam dann einzeln, wurde von meiner zweiten Schüssel mit dem Rucksack vor sich her geschoben.
Das brachte mir einen Rüffel ein. Ich wurde belehrt, dass ich das Zeug so in die Box packen solle, dass nichts rausfallen könne. Ich müsste das lernen, damit es weiß, wenn ich mal wieder flöge. Als wäre ich Anfänger. Ich sagte, dass ich das Zeug richtig reingepackt hatte, ihr Kollege es aber war, der das Zeug umgegraben und die Tüte so obendrauf gesetzt hat, dass sie zwangsläufig an den Fransen hängen bleiben musste. Wollten sie mir nicht glauben. Auf Video aufnehmen zum Beweis darf man es aber auch nicht.
Mein Rucksack dagegen wurde aussortiert. Weil ich ja Klamotten und so weiter längst alles auf Zypern habe und deshalb nicht mit dem üblichen Reisekram reise, den andere Leute in den Taschen haben, sondern immer Elektronik-, Computer-, Fotokram dabei habe, den es in Deutschland schneller, einfacher, billiger gibt als auf Zypern, oder was ich halt so mit mir rumtrage, weil ich es nicht doppelt kaufen will. Heute hatte ich unter anderem ein kleines Notebook, ein Videomischpult und ganz viel elektronischen Kleinkram, Kleinteile im Rucksack. Sowas macht denen immer den Bildschirm voll Lametta und bringt mir zuverlässig immer eine Sonderrunde bei der Taschenkontrolle und am Sprengstoffsensor. Vor drei Jahren bekam ich mal eine Standpauke, weil ich einen Bluray-Player im Rucksack hatte. Den habe ihr Scanner nicht erkennen können, weil kein Mensch bei Verstand mit einem Bluray-Player im Rucksack fliege. Warum ich den nicht im eingecheckten Gepäck hätte. Weil ich kein eingechecktes Gepäck habe. Wie, Sie reisen nur mit Bluray-Player? Ja. Warum? Weil ich dringend einen auf Zypern brauche. Warum kaufen Sie den nicht auf Zypern? Weil die dort nicht mehr gibt. Wieso nicht? Kein Mensch bei Verstand guckt Filme noch auf Bluray. Und Sie? Ja, ich schon. Ich bin der, der auf Zypern Filme auf Bluray guckt. So in der Art läuft das. Ich erinnere an meine Abenteuer mit der Powerbank an derselben Sicherheitskontrolle.
Heute hatten sie ein besonderes Problem mit meinem Rucksack. Sie sagten aber nicht, was.
Als ich noch die Diskussion um die Backwarentüte hatte und sie mir bitte nicht vorhalten sollten, dass ihr Kollege die umgegraben habe, war mein Rucksach plötzlich weg.
Jenes spezielle »weg« im Sinne von »nicht mehr da«.
Wo mein Rucksack sei, frage ich.
Den müssten sie untersuchen.
Aber wo ist er? Zum Untersuchen müssten sie ihn ja haben.
Es gäbe ein Problem. Der Rucksack habe falschherum in der Schüssel gelegen. Sie müssten ihn nochmal richtig herum röntgen. Da stimme was nicht an meinem Rucksack.
Es dauert. Endlich kommt er zum zweiten Mal aus dem Röntgengerät. Andersherum geröntgt.
Nein, das ginge so nicht. Mit diesem Rucksack hätten sie ein Problem, den könnten sie nicht durchlassen.
Einer fing an, in großer Ruhe und mit größter Ungeschicklichkeit meinen Rucksack zu zerlegen, ohne aber so genau zu wissen, was und wonach er sucht.
Mein Rucksack hat ein aufgesetztes flaches Frontfach, wie das so viele Taschen und Rucksäcke haben. Dort habe ich einige Dinge drin, die ich für die Reise selbst und nicht als Nutzfracht mit mir trage, und die sorgfältig so sortiert sind, dass die nebeneinander genau dort reinpassen. Ganz obendrauf eine billige kleine Gimbal-Kamera (Rollei Steady Butler Pocket). Ich habe auch eine teure, weit bessere von DJI (mit der ich die Aufnahmen aus Japan gemacht habe), aber so als immer-dabei, die angerempelt wird, runterfallen kann und so weiter lieber so eine billige. Man will ja immer Youtube-bereit sein, falls das Flugzeug entführt wird, abstürzt oder sowas. Er versteht nicht, was das ist, und popelt unbehofen daran herum. Das Ding hat eine Gummi-Hülle zur Aufbewahrung, und um die zu schließen, eine Gummilasche. Damit die Kamera in der Hülle bleibt. Die Lasche ist auf der linken Seite festgeklebt, währen man sie auf der rechten Seiten an einem Haken einhängt um sie zu schließen. Er versucht, das Ding aufzubekommen und reißt mit Gewalt an der linken Seite, auf der die Lasche an der Hülle festgeklebt ist. Ich rufe laut, dass er aufhören möge, meine Kamera kaputt zu machen, und dass man sie auf der rechten Seite öffnet. Er öffnet sie rechts, hält dabei die Öffnung nach unten und die Kamera fällt ihm runter. Ach, dachte ich, gut dass das die billige war und er noch nicht die teure im Hauptfrachtfach entdeckt hat.
Ihm ist peinlich, dass ihm etwas heruntergefallen ist, von dem er nicht versteht, was es ist, und will alles wieder ins Frontfach packen. Er packt es aber nicht nebeneinander, damit es flach bleibt, sondern türmt alles auf einen Haufen und will den Reißverschluss wieder schließen. Das geht nicht. Denn wenn man alles einfach zu einem Haufen auftürmt, als es nebeneinander zu legen, dass es genau passt, dann passt es nicht, weil es nur so passt. Er versucht, wieder mit Gewalt, den Reißverschluss wieder zu schließen, was nicht geht, weil Haufen und so.
Ich, betont höflich, um nicht festgenommen zu werden, aber trotzdem laut „ICH BITTE SIE NUN ZUM ZWEITEN MAL, MEINE SACHEN NICHT KAPUTT ZU MACHEN!“
Der Supervisor kommt herbeigelaufen. Wer hier was kaputt mache. Ich erkläre es. Er geht wieder. Interessiert ihn nicht.
Währenddessen hat der, der meinen Rucksack fleddert, das Hauptfrachtfach geöffnet und die Tasche mit der teuren Gimbalkamera (DJI) entdeckt. Wieder weiß er nicht, was es ist, aber hält da die Öffnung wenigstens nach oben. Ich bitte die, die nicht auch noch fallen zu lassen. Das sei die teure.
An die große Schachtel mit dem Videomischpult traut er sich nicht, aber an meine Stoffbeutel mit dem kleinkram. Popelt alles raus, auch die Klebepads, und das wird alles staubig und dreckig, weil es alles in der Wanne herumwirft und die eben dreckig ist.
Ach, dachte ich, er versucht die israelische Methode. Es geht gar nicht darum, was ich im Rucksack habe, sondern darum, zu prüfen, ob ich nervös werde. Mir geht durch den Kopf, dass ich sowieso Zeit habe, weil mein Flug zwei Stunden Verspätung hat. Ich schaue grimmig, missbilligend, aber mit stoischer Ruhe und Verachtung. Er sucht da in meinen Kleinteilebeuteln rum, wundert sich, was ich da für wundersame seltsame Dinge drin habe, keine Zahnbürste oder sowas, und kommt nicht zum Ziel.
Der Stau wird immer länger. Die Kollegen mahnen, er solle mal zu Potte kommen.
Er sagt nun, dass sein Problem mit diesem Rucksack sei, dass er ein ganz bestimmtes Teil suche, und nicht finde.
Was denn?
Er dreht den Bildschirm zu mir und zeigt mir das Röntgenbild, das aussieht wie Lametta-Spaghetti. Da ist etwas von dem, der am Röntgengerät sitzt, mit einem roten Rechteck markiert worden.
Sie wüssten nicht, was das ist.
Der am Röntgengerät habe das als gefährlich und verdächtig markiert, und deshalb müssten sie das jetzt klären. Er könne das in meinem Rucksack aber nicht finden.
Ich schaue mir das genau an. Und denke mir „Oh nein, das gibt es doch nicht.“ Es hilft beim Erkennen, dass direkt daneben Schlüssel zu sehen sind.
Ich sage zu ihm „Es ist mein Känguru!“
Was!?
In der Innentasche. Das finden Sie da, wo Sie suchen, nie. Hier drinnen ist es – ich will in meinen Rucksack greifen und das Känguru herausholen. Er Panik. Das gehe gar nicht, dass ich während der Sicherheitskontrolle in meinen eigenen Rucksack greife. Das dürfe nur er. Ich also: Holen Sie den Schlüssel aus dieser Innentasche. Ihm schwant die Blamage: „Ein Schlüsselanhänger…?“
Er findet endlich mein Känguru:

Ein Schlüsselanhänger aus Aluminium, dessen Buckel die Umrisse von Australien zeigt und dessen Beine ein Kapselheber sind.
Das Röntgenbild hat genau das Känguru gezeigt und sie haben es für eine Waffe oder Höllenmaschine gehalten. Schlagring oder so etwas.
Den Schlüsselbund habe ich seit Jahren auf Flugreisen dabei. Noch nie hat sich jemand an dem gestört. Bisher hatte ich Ärger mit Bluray-Playern, Powerbanks, und erste Versionen intelligenter Röntgengeräte mit Mustererkennung sind vor 15 oder 20 Jahren schon am E-Book-Reader und einem Stapel Kamera-Filtern ausgerastet, weil die das nicht erkennen konnten, aber Ärger wegen des Kängurus war neu.
Verspätung – gerammelt voll
Nun war es also so, weiß nicht mehr, zwanzig nach fünf, kurz vor halb sechs, und das Handy zeigte noch immer Verspätung von 20:15 statt 18:20 (den Screenshot hatte ich an der Sicherheitskontrolle gemacht).

Der Flughafen, Terminal 2, gestopft voller Leute. Ich habe da noch nie so viele Leute gesehen.
Vor allem: Viel mehr Leute als Sitzplätze. Die Leute saßen auf dem Boden.
Mit viel Glück hatte ich einen Sitzplatz ergattert, indem ich innerhalb von 2 Sekunden, nachdem jemand aufgestanden war, den Sitzplatz okkupiert hatte. Als ich ihn lange Zeit später aufgab, war innerhalb von 2 Sekunden der nächste drauf.
Also dachte ich, dass ich hier jetzt – noch vor der Passkontrolle – jetzt sitzen bleibe, weil ich ja defekte Knie habe und nicht so lange stehen oder auf dem eiskalten Steinboden sitzen will. Halt ein bisschen Handy-Surfen.

Diese Sicherheitskontrolle ist zwar brutal unterdimensioniert, da sitzen oft nur ein oder zwei Beamte, in seltenen Fällen bis zu vier, und keinerlei automatische Kontrolle, aber oft reicht das. In der Regel ist die „Schlange“ dort zwei oder drei Leute lang und das Passieren ein Sache von zwei oder drei Minuten.
Also dachte ich mir, zwanzig, dreißig Minuten vorher hinzugehen müsste reichen. Denn ist man erst einmal hinter der Passkontrolle, kommt man nicht mehr zurück, weil man dazu erst wieder „einreisen“ muss, es dort aber nicht genug Sitzplätze und nichts zu essen gibt.
Websurfen. Sitzen und Websurfen auf dem Handy. Auf der Webseite des Flughafens irgendwo gelesen, was das Problem ist: Die Enteisung der Flugzeuge. Sie brauchen bis zu einer Stunde, um ein (!) Flugzeug zu enteisen und zu „versiegeln“. Und das reicht halt nicht für einen Flughafen wie Berlin.
Liebe Güte.
Bis zu einer Stunde, um ein Flugzeug zu enteisen. Handfön am Windrad mit Warten auf Wind?
Oder hat ihnen ein Gericht die Enteisungsflüssigkeit verboten wie dem Bürger das Salzstreuen?
RBB24 berichtet auf Youtube, sie könnten es in 6 Minuten:
Faktor 10 zwischen Rundfunk und Realität.
Passkontrolle
Kurz vor sieben denke ich, „jetzt noch eine Stunde“, wir könnten jetzt mal langsam durch die Passkontrolle in den Gate-Bereich gehen. Mehr als üppig Zeit, weil sie doch sagen, es sei Personalnot, es dauere etwas länger.
Ich habe mir also noch zwei Flaschen Wasser für den Flug gekauft, wollte dann zur Passkontrolle – und glaub’ mich trifft der Schlag.
Ich hatte eine Schlange von 20 Leuten erwartet.
Die Schlange sieht aber nach 120 Metern aus. Bild gemacht um 19:03

Seht ihr das kleine hellblaue Rechteck am Ende der Schlange?
Das ist der Bildschirm an der Passkontrolle.
Und es geht nicht voran.
Personalmangel. Auf Zypern haben sie da auch nur ein oder zwei Beamte sitzen, aber es geht ruck-zuck, weil die da auch 20 Automaten haben, die die Kontrolle mit Kamera und Biometrie machen, einen Zettel ausdrucken und man dann nur noch den Zettel abgibt, und der nur noch kurz guckt. Und wenn die Schlange doch mal zu lange wird, kommt einer aus dem Büro und lässt in der Schlange alle, die so einen Zettel haben, direkt durch. Nicht in Deutschland. Personalnot und kein dran vorbei.
Alle schauen auf ihre Handys, aber nichts bewegt sich.
Ich denke: „Scheiße!“
Ich habe es tatsächlich fertig gebracht, einen Flug zu verpassen, der 2 Stunden Verspätung hat. Denn die Schlange bewegt sich langsamer als 1 Minute pro Meter. Wenn der Abflug 20:15 sein soll, schließt das Gate ca. 19:45. Ich hatte mit höchstens 10 bis 20 Minuten gerechnet. Aber das schaffe ich nie.
Hätte ich mich doch nur früher zum Gate begeben, statt rumzusitzen und im Web zu surfen. Zum ersten Mal im Leben verpasse ich einen Flug.
Doch plötzlich: Obwohl sich die Schlange etwas bewegt, bleiben Leute vor mir starr stehen und blicken entgeistert auf ihr Handy.
Und geben zu erkennen, dass sie nicht mehr anstehen.
Juchhee, 10 Meter nach vorne.
Und nochmal 10 Meter, weil weiter vorne Leute aus der Schlange gehen.
Wieder Leute vor mir, die stehen bleiben und nicht mehr voran gehen. Ich frage „Stehen Sie an?“ – „Nein, nicht mehr, unser Flug wurde gerade gecancelt.“
Ich denke noch „schön für mich, vielleicht schaffe ich es doch noch“, denn innerhalb weniger Minuten war ich plötzlich gute 50 Meter weiter vorne.
Bis ich auf den Gedanken komme, dass die vielleicht auf denselben Flug gebucht waren – schaue auf mein Handy und (Screenshot später im Zug gemacht, deshalb stimmt die Uhrzeit nicht)

Sehr ärgerlich.
Aber irgendwo verständlich. Denn auf dem Heimweg war es so glatt, dass es mich drei, vier Mal fast auf die Schnauze gehauen hätte. Wenn die Startbahn genauso vereist ist wie der Fußweg von der U-Bahn nach Hause, bei dem es stellenweise gar nicht mehr ging, auf dem Gehweg zu gehen und man stattdessen über die schneebedeckte Wiese gehen musste, ist das auch bei Flugzeugen ein Problem. Ich denke mal, dass es einem Flugzeug, das über Triebwerke beschleunigt, noch halbwegs egal it, ob es glatt ist, aber Bremsen und Taxi sind ein Problem.
Ich habe aber auch irgendwie den Eindruck, dass sich bei der Planung des BER niemand Gedanken über eine solche Situation gemacht hat.
Nicht genug Sitzplätze.
Nicht genug Passkontrollen.
Nicht mal genug Toiletten.
Genau genommen reicht nicht mal der blanke Platz.
Und warum fällt ihnen das erst so spät ein?
Warum behauptet der RBB24, dass das Enteisen normalerweise unter 6 Minuten dauert, und jetzt dauert es bis zu einer Stunde?
Hat niemand mehr damit gerechnet, dass es im Winter Eis geben könnte? Alles auf Klimaerwärmung eingestellt?
Die U-Bahnen haben ja auch Probleme. Die Rückfahrt war auch schon „problembehaftet“.
Wie machen das eigentlich andere Flughäfen? Erfahrene Flughäfen?
Umbuchung Ryanair
Nächster Ärger.
Ich saß also im Zug zurück. Der Zug gestopft voll mit Leuten, die sauer waren, die mit irgendwelchen Leuten telefonierten, um zusagen, dass der Flug storniert wurde. Die versuchten, ihre quengelnden Kinder zu beruhigen. Eine Familie, die nun irgendwie nach Basel muss, rätselt, wie sie das mit der Übernachtung hinbekommen könnten.
Ryanair lässt wissen, dass ich nun die Wahl habe, den Preis zurückzufordern oder *kostenlos* umzubuchen (die Preisdifferenz muss man schon zahlen, aber keine Umbuchungsgebühr).
Also hatte ich noch im Flughafen versucht, einen anderen Flug zu buchen, bevor andere Leute das tun. Wobei das bei Ryanair so ist, dass Flüge nur billig sind, wenn man sie mindestens vier Wochen vorher bucht. (Den heutigen hatte ich im Dezember gebucht.) Je kürzer desto Mondpreis.






Verflixt noch eins.
Ich schaffe es nicht, mit der Handy-App von Ryanair auf einen anderen Flug umzubuchen. Eine Fehlermeldung nach der anderen. Nichts geht.
Das mit dem Fliegen bekommen sie hin. Aber ihre IT ist eine Katastrophe, schon immer.
Womöglich sind gerade mehrere Leute auf die Idee gekommen, umzubuchen, wenn da mehrere Flüge gleichzeitig annulliert wurden. Aber bitteschön, die Webserver einer Fluglinie müssten doch damit klarkommen, dass nach einer Flugannulierung nicht nur ein Passagier, sondern alle, die für den Flug gebucht waren, umbuchen wollen.
Ich habe es endlich nach Hause geschafft.
Strom wieder ein, Rechner wieder an.
Versucht, über die Webseite einen Ersatzflug zu finden.
Die nächsten zwei: Ausgebucht.
Danach vier: Mondpreise.
Danach was gefunden. Gebucht. Bezahlt.
Problem: Keine Bestätigung bekommen.
Und: Kann mich nicht mehr auf der Webseite einloggen. Geht nicht mehr. Das Einloggen tut gerade nicht. Auch das ist abgestürzt.
Ich war dann erst einmal im Supermarkt, weil der Kühlschrank leer ist. Um genau die Lebensmittel neu zu kaufen, die ich heute mittag in den Müll geworfen habe. Fairerweise muss ich sagen, dass ich das auch getan hätte, wenn der Flug stattgefunden hätte. Nur eben morgen in Paphos statt heute in Berlin.
Ich sehe, dass es eine Bestätigungsmail gab. Die Ersatzbuchung des Fluges hat funktioniert. Nicht als Umbuchung, sondern als neue Buchung. Morgen muss ich schauen, wie ich das Geld erstattet bekomme.
Wäre es zuviel verlangt, wenn im Falle einer Annulierung wenigstens die Umbuchung ordentlich funktioniert? Wenigstens die Webseite stabil hinzubekommen? Bei der größten Fluggesellschaft Europas?
Ich hatte gleich das Gefühl, dass sich der Tag zu leicht, zu problemlos anfühlte, das alles zu einfach ging.
Ich werde das Känguru ersetzen müssen.