Die Ursachen weiblicher Katzenliebe
Eine Leserin schreibt …
Toxoplasma gondii und Katzen”mütter”
Servus Hadmut,
Toxoplasma gondii kann möglicherweise eine Ursache dafür sein, dass manche Frauen auf Katzen stehen.
Ab und an sieht man Berichte über Katzenmütter, die 30 oder 40 Katzen in einer total zugepissten Wohnung halten. Sie stört der Geruch überhaupt nicht, sondern sie finden ihn „normal“ bis
angenehm.Und es sind immer Frauen. Von Männern hat man das noch nie gehört.
Wikipedia nennt ein paar interessante Quellen.
Kann ich so jetzt nicht beurteilen.
Allerdings fällt mir dazu eine Begebenheit ein. Als ich das letzte Mal nach Zypern geflogen bin, und vor dem Flughafen auf einer Bank saß, um auf den Bus zu warten, fiel mir eine Frau auf, die sich nicht zurückhalten konnte, unbedingt die Katzen dort zu streicheln und mit ihnen zu schmusen. Ich wusste, dass die Frau Deutsche ist, denn die hatte ich schon im Flieger aus Berlin gesehen und sie hatte mich beim Einsteigen auf Deutsch etwas gefragt, die war mit demselben Flieger gekommen.
Also sagte ich ihr, dass das wilde Katzen (nicht ganz korrekt, es sind keine wilden Katzen, sondern verwilderte Hauskatzen, deshalb sehen die nach Schmusetier aus, Zypern ist voll davon) und die voller Parasiten seien, dass man sich da infizieren kann. (Sagte ich nicht, aber vor allem, wenn man die Katzen mit dem Gesicht beschmust.) Das interessierte und störte die überhaupt nicht. Ich habe es dann mit dem Ratschlag versucht, sich wenigstens die Hände danach gründlich mit Seife zu waschen, das hat sie aber auch überhaupt nicht interessiert. Katzenliebe ging vor.
Man sollte das allerdings nicht überbewerten, denn auf dem Flughafen kommen täglich Tausende Frauen an, und das war die bisher einzige, die mir da so aufgefallen ist.
Ich kann aber überhaupt nicht beurteilen, was die Ursache ist. Ob da vielleicht eher so ein Mutterinstinkt ausgelöst wird.
Es heißt ja, dass Hunde sich an den Menschen angepasst haben, um mit ihm zusammenleben zu können. Im Prinzip könnte man Hunde ursprünglich als eine Art Parasit des Menschen ansehen, aus dem ein Symbiont geworden ist. Hunde sind aber eher so ein Männer-Ding.
Ich hatte schon einmal überlegt, ob eine Strategie des Hundes, sich dem Menschen evolutionär anzupassen und von ihm akzeptiert zu werden, darin liegen könnte, das Vater-Sohn-Verhältnis zu imitieren, also dem Mann so etwas wie Kumpel und Sohn zu sein, entsprechende Muster im Hirn (Amygdala) triggert, um sozial als Familienmitglied angesehen zu werden. Viele Leute betrachten den Hund ja als Familienmitglied, im Gegensatz etwa zu einer Kuh oder Ziege. Der Gedanke war, ob der evolutionäre Erfolg des Hundes darin lag, dem Manne so eine Art Kumpel- und Sohnprothese zu liefern, Jagdgefährte zu sein, vor allem für die Sorte „Einzelgänger“.
Wenn ich diese Zuschrift nun so lese und an diese Flughafenerlebnis denke, leuchtet bei mir spontan die Frage im Hirn auf, ob Katzen – von denen sich ja vornehmlich Frauen angesprochen fühlen – erfolgreich die Methode Babyersatz spielen, ob deren Symbiose- oder Parasitenerfolg vielleicht darauf beruht, dass sie im Kopf irgendwelche Baby-Trigger und damit Brutpflege- und Erziehungsreflexe auslösen.
Ein anderer Punkt könnte natürlich sein, dass Frauen haptisch orientiert sind (schon oft beschrieben), und Katzen über ihr Fell und ihre Bewegung haptisch angenehm sind und deshalb besonders Frauen ansprechen – die Frau am Flughafen musste die ja geradezu zwanghaft streicheln.
Ob Toxoplasma gondii eine besondere Katzenliebe hervorruft, oder ob Katzen einfach nur natürliche Trigger und Reflexe ansprechen, die bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern sind, während es bei Hunden umgekehrt ist, wäre zu untersuchen.
Einerseits sollte man Toxoplasma gondii keinesfalls unterschätzen oder ausschließen.
Andererseits muss man aufpassen, dass man nicht darin verfällt, einfach alles, was komisch ist, damit erklären zu wollen, weil es so ein schön wissenschaftlich klingendes Fremdwort ist. Manchmal habe ich den Eindruck, dass Leute allein deshalb Toxoplasma gondii verantwortlich machen, weil die Bezeichnung so schlau klingt.