Eine Insel aus Klopapier
Nur mal so gefragt.
Die WELT berichtet, dass in London gerade eine Themse-Insel abgetragen werden muss, die sich aus Kacke und Klopapier, vor allem den Feuchttüchern, gebildet hat, und deshalb „Wet Wipe Island“ heißt.
So schwer wie 15 Doppeldeckerbusse und groß wie mehrere Tennisplätze: Wegen der veralteten Kanalisation landet viel Toilettenmüll in der Themse. Inzwischen hat sich dort eine Insel gebildet, die Umweltschützer seit Jahren beklagen.
Mit schwerem Gerät wird zurzeit im Westen von London eine eklige Sehenswürdigkeit abgerissen: „Wet Wipe Island“, zu Deutsch: die „Feuchttuch-Insel“. Dabei handelt es sich um einen etwa 250 Meter langen Abschnitt am Themseufer, der hauptsächlich aus dem besteht, was die Toilette heruntergespült wird, wie unter anderem die britische Zeitung „The Herold“ und die BBC berichten. Wegen des veralteten Kanalisationssystems in vielen Städten landet bei starken Regenfällen vieles davon im Fluss – und hat sich dort abgesetzt. So wurde „Wet Wipe Island“ zum Sinnbild für eines der größten Umweltprobleme Londons.
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Denn die Müll-Insel hatte mittlerweile sogar schon den Verlauf der Themse verändert und sich auf eine Fläche von zwei Tennisplätzen ausgedehnt. An einigen Stellen war der Morast bis zu einem Meter hoch.
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Parallel hat die britische Regierung angekündigt, Feuchttücher mit Kunststoffanteil ab 2026 zu verbieten. Zuvor hatten sich 95 Prozent der Befragten in einer Umfrage dafür ausgesprochen. Pro Jahr werden in Großbritannien rund elf Milliarden Feuchttücher verbraucht, wovon etwa 2,5 Milliarden über Toiletten entsorgt werden. Die Beseitigung kostet Wasserbetriebe laut Branchenangaben landesweit jährlich mehr als 100 Millionen Pfund.
Mal blöd gefragt:
Warum haben die Japaner Toiletten mit eingebautem Bidet, bei denen man Papier nur noch zum abschließenden Trockentupfen braucht, und auch das nur, wenn man keine Toilette mit Gebläse erwischt hat (die sind aber selten). Die allermeisten japanischen Toiletten (ich habe keine andere erlebt, aber wird es in privaten Bädern schon geben) entsprechen technisch fast den Autowaschanlagen in Deutschland, und normalerweise findet man an der Toilettenwand ein Bedienpanel mit vielen Tasten, nicht wie bei uns nur eine schnöde Spülung. Für gewöhnlich kann man Druck und Temperatur der Spülung wählen, hat noch die Wahl zwischen der „für alle“-Spülung (=hinten) und der Damen-Spülung (=vorne), natürlich meist (leider nicht immer) mit vorgewärmter Klobrille, manchmal auch deren Temperatur frei wählbar, und natürlich noch Wasserfallgeräusche mit wählbarer Lautstärke zum Überdecken peinlicher Geräuschlichkeiten.
Angeblich kostet so ein Wunderklo umgerechnet einige tausend Euro, was aber nicht so schlimm ist, weil die Japaner die nicht kaputt machen. In Deutschland würde die sofort zerstört, geklaut oder manipuliert (Brillentemperatur auf 80°C).
Und auch sonst wird man umsorgt. Ich war mal an einem Tag verdauungstechnisch etwas indisponiert, und hatte mir deshalb, weil den ganzen Tag unterwegs, in einem Kaufhaus eine abgelegene einsame Toilette gesucht, und es mir da bequem gemacht, denn auf japanischen Toiletten (nicht flach wie unsere, sondern wie eine Mulde geformt) sitzt man nicht nur gewärmt, sondern auch viel bequemer als auf deutschen, und dabei noch mit dem Handy im Websurfen versunken. An der Wand der Kabine hing ein Bildschirm, auf dem Werbung zu sehen war. Als ich da aber zu lange saß, löste ich einen Timeout aus, der glücklicherweise nicht zu einem Alarm oder einer Öffnung der Tür führte, sondern – womit ich nicht gerechnet hatte – die Werbeanzeige war mit der Klobrille gekoppelt, Wunder der IT. Statt Werbung kamen Hinweise, dass man um meine Gesundheit zutiefst besorgt sei und es problematisch sei, so lange auf dem Klo zu sitzen. Man zeigte mir in Manga-Zeichentechnik eine Tabelle verschiedern Stuhl-Aggregatzustände (weich, breiig, dünn, flüssig, hart, würstchenförmig,…) und Angaben, welche davon unbedenklich sind und welche einen umgehenden Arztbesuch erforderlich machten, samt der Aufforderung, ich möge mich sofort vom Zustand meines Stuhls überzeugen und den anhand der Tabelle kategorisieren. Nachdem inzwischen doch Besucher zu hören waren, war auch festzustellen, dass diese stutzten und sich sehr wunderten, warum auf dem Klo plötzlich einer lacht.
Die Toilette in meinem Hotelzimmer hatte sogar eine Fernbedienung (die ich anfangs für die Fernbedienung der Klimaanlage gehalten habe), obwohl die Nasszelle so winzig war, dass man gar nicht weit genug vom Klo weg kam, um Verwendung für eine Fernbedienung zu haben – was gäbe es außerdem fernzubedienen, wenn man bei der Bidet-Funktion sachdienlich auf dem Klo sitzen muss, sonst geht’s ja nicht.
Warum also haben wir in Europa nicht die japanischen Toiletten?
Oder wenigstens die arabischen mit der Handdusche?
Es wäre doch mal ein Punkt, die Menge an Klopapier zu reduzieren. Oder wird dann das Wasser knapp?