Ansichten eines Informatikers

Vom Sicherheitsgefühl: Wo geht man hin?

Hadmut
14.9.2023 12:53

Was Aktuelles.

Die WELTWOCHE: Ein Gefühl von Sicherheit: Wo auf dieser Welt haben die Menschen am wenigsten Angst, überfallen oder ausgeraubt zu werden?

Welches sind die sichersten Länder, um Ferien zu verbringen?

Für die Schweiz, die im Tourismusmarkt täglich um die Gunst der Kundschaft kämpft, eine zentrale Frage. Und die Antwort fällt günstig aus. Die in Schutz- und Sicherheitstechnik tätige Firma ADT hat erhoben, in welchen Ländern sich Menschen am sichersten fühlen.

Spitze ist Dänemark, wo 13 Prozent der Befragten die Befürchtung nennen, sie könnten überfallen oder ausgeraubt werden. Auf Platz zwei liegen Japan und die Schweiz, wo je 19 Prozent Bedenken äussern.

Gleich dahinter folgt Zypern, das seinen Sicherheitsgrad unter anderem mit hohem Polizeiaufwand erreicht. Es ist das Land mit der höchsten Polizistenzahl (609) pro Million Einwohner in der Rangliste. Japan, Dänemark und die Schweiz erreichen hingegen ihr Sicherheitsklima anderswie, mit einem Drittel so viel Sicherheitskräften.

Zypern auf Platz 4 hinter Dänemark, Japan und der Schweiz.

Irgendwann galt Zypern mal als das sicherste Land der Welt. Dänemark überrascht mich etwas.

Aber ja. In Zypern habe ich ein Bedrohungsgefühl von praktisch Null.

Neulich war ich einkaufen und merkte im Supermarkt, dass ich mein Handy offen auf dem Beifahrersitz hatte liegen lassen. Ich wollte sofort rausrennen, das Handy holen, weil sie einem in Berlin sehr schnell die Scheibe einschlagen würden. Aber es war Zypern. Da kann das Handy auch mal im Auto liegen bleiben.

Ich hatte mal so ein Schlüsselerlebnis, als ich mal bei IKEA in Nikosia ein paar Sachen einkaufen war. Der sieht genauso aus wie in Deutschland, ist nicht ganz so groß und alles griechisch beschriftet, aber ansonsten völlig gleich.

Erst beim Rauskkommen bemerkte ich einen wesentlichen Unterschied: Ich wollte, wie in Deutschland, mit dem Einkaufswagen zum Auto fahren, um das Zeug einzuladen, ging aber nicht. Sie haben dort am Ausgang von IKEA Poller, die verhindern, dass man mit dem Einkaufswagen auf den Parkplatz fahren kann. Weiß nicht, warum. Vielleicht, um sie nicht einsammeln zu müssen. Vielleicht um Beulen in den Autos zu vermeiden. Ist halt so. Da stand so ein Aufpasser rum und ich fragte etwas orientierungslos, wie ich denn mein Zeugs in das Auto bekäme, wenn ich da nicht mit dem Einkaufswagen hinkäme.

Antwort: Das sei doch ganz einfach. Hier direkt vor den Pollern gibt es Parkplätze mit durchgekreuzter Markierung, die nur zum Einladen verwendet werden dürfen. Ich könnte jetzt einfach zu meinem Auto gehen, es herholen, auf so einen Parkplatz stellen, am besten rückwärts mit der Heckklappe zu den Pollern, und bequem einladen.

Ich: Ja, aber wenn ich jetzt den Einkaufswagen hier stehen lasse, und das Auto hole, fehlt doch die Hälfte, bis ich wieder da bin.

Er: Hä!?

Ich: Also bei IKEA in Berlin wäre das so.

Er: Das ist nicht Berlin. Das ist Zypern.

Auf Zypern kann man seinen Einkaufswagen voll Zeugs einfach so vor dem Laden stehen lassen und in Ruhe das Auto holen.

Ganz so ist es nicht mehr. Inzwischen bekomme ich Hinweise, dass es auch auf Zypern (seit der Migration) zu Wohnungseinbrüchen käme, die es früher schlicht und einfach nicht gab. Inzwischen meldet auch die Zeitung, dass ab und zu mal irgendwas gestohlen wird. Und zumindest an den Touristenhotspots soll es Gerüchten zufolge auch schon mal Taschendiebstähle gegeben haben. Das ist wohl so eine generelle Weltentwicklung. Und die Sache neulich in Limassol mit der Demo-Randale war für zypriotische Verhältnisse wohl ein gänzlich außerordentlicher Akt.

Erstaunlich finde ich, dass man von einer so hohen Polizeidichte auf Zypern schreibt. Davon merkt man nämlich nichts. Man sieht Polizei eher selten, und wenn, dann entspannt. Zyprioten sagten mir, es müsse schon Erhebliches passieren, damit die Polizei die Kaffeetasse aus der Hand stelle. Allerdings auch, dass sie schon können, wenn sie wollen. Ein Polizeistaat ist es definitiv nicht. An der Strandpromenade von Paphos gibt es zwar ein Polizeihütte, aber da passt nur genau einer rein, und es sitzt auch nur selten einer drin. Der sitzt dann da und fährt abends mit dem Fahrrad heim.

Vielleicht ist es auch einfach nur ein Rechenfehler.

Denn Zypern hat ja insgesamt nur etwa eine Million Einwohner. Und sie brauchen schon einige allein für die Flughäfen, Häfen und Grenzkontrollen zu Nordzypern. Vor dem Flughafen stehen immer welche mit der Maschinenpistole und gucken cool. Und drinnen sind auch immer welche unterwegs. Bezogen auf die kleine Einwohnerzahl hebt das die „Polizisten pro Einwohner“ natürlich enorm.