Ansichten eines Informatikers

Zum desolaten Innenzustand der Bundeswehr: Vom Sondervermögen zum Existenzkrampf

Hadmut
17.7.2023 14:19

Marode wäre wohl auch untertrieben.

Aus angeblich, selbstbehauptend gut unterrichteten Kreisen kam die Kunde zu mir (für die Jüngeren unter den Lesern: „Die Kunde“ ist nicht das Gender-Femininum von „Der Kunde“), ergänzt durch den Hinweis auf Desillusion und Frustriertheit, von mir zwecks Anonymisierung einiger Details beraubt, aber im Kontext einer Liegenschaft der Bundeswehr:

[…] dass uns sämtliche Gelder eingeschränkt wurden (seit 01.06.23) und wir angehalten wurden, dass peinlich genau darauf zu achten ist, nur noch für sehr wichtige Dinge Geld auszugeben. Scheinbar hat das 100mrd Sondervermögen weitaus größere Auswirkungen als gedacht. Wir sind mit der Mail und damit verbundenen Einschränkungen faktisch handlungsunfähig im Bereich Infrastruktur geworden. Man munkelt, dass es ein Haushaltsloch bei der BW von 3Mrd € gibt.

Um zu verdeutlichen, was dies für uns, insbesondere für die Soldaten bedeutet hier ein kleines Beispiel:

Hierzu kurz ein Zitat aus dem Wehrbeauftragtenbericht 2018 (S.52). [Redaktionelle Anmerkung: Hier zu finden. Es geht wohl um mehrere Kasernen, das ist ein publiziertes Beispiel, auf das auch im Bundestag nicht effektiv reagiert wurde.] “Bei einem Besuch des Bataillons Elektronische Kampfführung 932 in Frankenberg/Eder wurde der Wehrbeauftragte eines besseren belehrt: Ein Zug des Bataillons unterstützt das Kommando Spezialkräfte. Deshalb sind die Soldaten in Teilen mit der vom KSK benötigten Zusatzausrüstung ausgestattet. Platz ist für diese Ausrüstung in den Stuben der Unterkunftsgebäude allerdings nicht vorhanden. Die zur Verfügung gestellten Zusatzspinde stehen auf den Fluren.” Vorab, die Situation ist immer noch gleich.

Wir haben in Eigeninitiative begonnen, die Stuben in einen halbwegs vernünftigen Zustand zu versetzen (Ausgehend vom 70er Jahre Charm, 4 Steckdosen im Raum und eine Neonröhre als Beleuchtung, hin zu abgehangener Decke (schafft zusätzlichen Installationsraum) mit ordentlicher LED Beleuchtung, ausreichend Steckdosen, vernünftig verputze Wände mit annehmbarer Farbgestaltung und einem vernünftigen Fußboden. An die Fenster werden Hitzeschutzfolien angebracht (direkte Sonneneinstrahlung wird abgemindert, da es keine Verschattung gibt) und Plissees als Sichtschutz. Dies ändert zwar nichts an dem Platzmangel, macht jedoch die Umstände in denen die Soldaten derzeit weitgehend hausen, erträglicher.

Nun ist es uns durch diese Haushaltssperren nicht möglich auch nur eine Fensterfolie anzubringen. […] Zum Glück funktioniert zumindest bei uns in der Liegenschaft die Zusammenarbeit mit der Truppe glänzend und man hilft sich gegenseitig. Im benannten Block führt der angesprochene Platzmangel zu erheblichen Brandschutzmängeln sowie versperrten Fluchtwegen.

Es fallen einfachste Dinge, wie z.B. die Nachinstallation einer Steckdose oder eine zusätzliche Leuchte (solang man nicht die Karte Arbeitsschutz bzw. Gefahr für Leib und Leben zieht) aus. Nun könnte man argumentieren, dass ja das zuständige Bauamt in die Bresche springen kann. Hier bestehen u.a. folgende Probleme:

1. Betreffender Finanztitel leer
2. Eine völlige Unterbesetzung und dadurch keine Kapazität um einfachste Dinge auszuführen
3. Bauverschleppung (absichtlich herbei geführte Bauverzögerungen Aufgrund persönlicher Animositäten, durch eine Frau (Stützt ihre Aussagen bzgl. des weiblichen Geschlechts durchaus))
4. Bundeswehr erst zweite/dritte/vierte Priorität

Mir fällt beim schreiben auf, dass es mittlerweile so viele Mißstände gibt, dass man nicht weiß wo man anfangen oder aufhören soll, bzw. welche die höchste Priorität haben. Man hat stets das Gefühl, dass hier bei undichtem Dach erst der Keller renoviert wird und zum Schluß erst das Dach.

[paar Details weggelassen, nur soviel: Gebäudeschäden]

[…] in einer Grauzone um die Infrastruktur innerhalb unserer Liegenschaft zu erneuern bzw. zu renovieren. Nicht nur, dass dies eigentlich nicht unsere Aufgabe ist kommt hinzu, dass wir für unsere eigentlichen Aufgaben keine oder nur sehr wenig Zeit finden. Mittlerweile ist es so, dass die meisten Aufgaben sehr gern bis in den Meisterbereich weitergereicht werden und wir nicht mehr wissen, wo uns der Kopf steht. […] Es ist mehr als frustrierend festzustellen, das das viele der verbeamteten Mitarbeiter nur das persönliche Vorankommen im Sinn haben, als wirklich ihre Arbeit zu erledigen.

[…]

Soldaten:

Es kommt mir vor, das die meisten eher Verteidigungsmitarbeiter statt Soldaten sind. Einerseits durch die Grundlagen wie z.B. das der gemeine Soldat demnächst das europäische Arbeitszeitmodell bekommen (An- und Abstempeln an einer “Stechuhr”), welches Zufolge haben wird, dass diese quasi ein halbes Jahr vor Ort und ein halbes Jahr zu Hause sind. Dies wird ebenso durch den unsäglichen Trend zum Homeoffice gefördert. Andererseits ist die Bundeswehr gezwungen quasi jeden zu nehmen, da Nachwuchs an allen Ecken und Enden fehlt und man dadurch fast nur Fachkräfte bekommt (*ironie off). Hier wird sich mehr Gedanken um die Ausstattung des Büros gemacht, als an den eigentlichen Auftrag gedacht. Und wehe, einer neben dran hat was besseres… Zum Glück gibt es noch die “Altgedienten” die die Bundeswehr noch aufrecht erhalten, aber was kommt danach?! Man sieht es ja bereits in der Zivilgesellschaft. Wie hat noch jemand gesagt: “Die Bundeswehr ist ein Spiegel der Gesellschaft”.

Wir sind verloren….

Hach, da wird mir ganz warm ums Herz. Exakt so, wie die da die Stuben beschreiben, sahen die in meiner Wehrdienstzeit auch aus. Das war 1985. Es erinnert mich immer an die Karlsruher Polizei. Da war ich mal, um Anzeige zu erstatten, als mir ein Fahrrad geklaut wurde. Die fluchten damals da, dass ihre Möbel so alt seien, dass sie die zum Saubermachen nicht mehr vorziehen können, weil die auf der Rückseite noch mit Reichsadler und Hakenkreuz gestempelt seien. Aber so eine gute alte Leuchtstoffröhre, die hat ja auch was für sich. So wohnlich.

Hatte nicht Ursula von der Leyen ausgerufen, die Bundeswehr zur FKK-Armee aufzurüsten? Fernseher, Kühlschrank, Kita?

Seit Jahren erreichen mich Zuschriften, dass die seit von der Leyen durchgesetzte Frauenquote in der Bundeswehr keineswegs in der kämpfenden Truppe stattfinde, da gäbe es nur einige wenige Alibi-Frauen für Fotos und so etwas. Die Quote werde erreicht, indem man den Verwaltungsbereich mit Frauen vollgepumpt habe, die nur am Schreibtisch säßen, mit der Arbeitseffizienz aber unter Null lägen, weil sie durch die zusätzlichen Verwaltungsstufen, die man eingebaut hat, um da genug Frauen unterzubringen, mehr aufhalten, hemmen, verzögern, als sie mit ihrer ohnehin geringen Arbeitsleistung nutzen. Die Stimmung sei deshalb miserabel. Schnauze mehr voll als nach 300 Meter Rödeln in der tiefsten Gangart.

Das ganze Ding Bundeswehr ist komplett kaputtfeminisiert.

Wenn ich da an meine Zeit zurückdenke, dann war das zwar ein ziemlich wüster Haufen, und die meisten Ausrüstungsteile noch auf Wehrmachtsniveau (kein Witz, jede Menge unserer Ausrüstungsgegenstände waren noch mit der Wehrmacht identisch wie die Fernsprecher, das MG, die Pistole, oder für die Wehrmacht entwickelt, wie das G3; der VW-Kübel beruhte wie der KdF-Kübel auf dem jeweiligen Käfer-Modell), aber wenigstens war es ein zusammenhängender Haufen. Damals war auch vieles schlimm, aber zumindest so im Grunde hatte es funktioniert, und es musste ja auch, weil kalter Krieg, Bedrohung und so. Da musste man zumindest eine gewisse Einsatzbereitschaft zeigen. Es gab nicht diesen elenden Frust-Faktor. Und wenigstens die Kasernengebäude wurden damals so weit renoviert, dass sie in einem (für die damalige Zeit und Technik) halbwegs aktuellen, gepflegten Zustand erschienen.

Aber dieses Verzweifeln an sich selbst, das ich immer häufiger höre, und das nahezu immer in Zusammenhang mit einer dysfunktionalen, durchfeminisierten Verwaltung steht, das ist eben kein Einzelfall mehr.

Es gab mal einen Riesen-Skandal. Als der SPIEGEL 1962 mit dem Artikel „Bedingt abwehrbereit“ gegen den damaligen Verteidigungsminister Strauß schoss, woraus die berühmte SPIEGEL-Affäre erwuchs und das Gerücht entstand, der SPIEGEL sei regierungskritisch und Presse.

Das Nato-Oberkommando qualifiziert die alliierten Streitkräfte in vier Stufen:

▷ zum Angriff voll geeignet,

▷ zum Angriff bedingt geeignet,

▷ zur Abwehr voll geeignet und

▷ zur Abwehr bedingt geeignet.

Die Bundeswehr hat heute – nach fast sieben Jahren deutscher Wiederbewaffnung und nach sechs Jahren Amtsführung ihres Oberbefehlshabers Strauß – noch immer die niedrigste Nato-Note: zur Abwehr bedingt geeignet.

Und heute?

Sind wir heute wenigstens noch „bedingt abwehrbereit“?

Oder gar nichts mehr außer divers und genderoffen?

Nichts funktioniert mehr, Munition haben wir nicht, die Leute demoralisiert, und dazu noch das ständige Geschrei der Politik, die Bundeswehr sei ja so „rechts“.

Mich würde interessieren, wie man sich das eigentlich so vorstellt. Wie das da sein soll.

Noch vor 2 Jahren wollte man die Bundeswehr abschaffen, weil alles Mörder, und wir doch „von Freunden umzingelt“ seien. Dieselben, die vor der Bundestagswahl noch auf Pazifisten machten, sind jetzt die größten Kriegstreiber und Waffenlieferanten.

Fehlt eigentlich nur noch ein Vertrag mit den Russen, dass sie dann, wenn sie uns angreifen, nur maximal 20 Stunden pro Woche angreifen, weil mehr mit der Work-Life-Balance nicht vereinbar ist.

Außerdem haben wir dann Stechuhren an den Panzern, wegen der Arbeitszeit. Kennt Ihr Asterix bei den Briten? Da verlieren die Briten eine Schlacht gegen irgendwelche Barbaren, weil sie Punkt 5 zum Teetrinken gingen. [Korrektur: Es waren die Römer. Schon zu lange her, das ich das gelesen habe.]

Dieses Land ist einfach am Ende. Da ist auch nichts mehr draus zu machen.

Und das Schlimmste steht uns erst noch bevor. Was machen wir, wenn die Bundesregierung erfährt, dass Panzer mit Diesel fahren und nicht mit Fahrradpedalen angetrieben werden?