Ansichten eines Informatikers

Wohnungsarithmetik

Hadmut
10.4.2023 17:04

Wie Linke sich die Welt vorstellen. [Update]

Ich bin gerne bereit zu glauben und einzusehen, dass Wohnungsspekulanten die Kauf- und direkt und indirekt die Mietpreise in die Höhe jubeln. Habe ich ja selbst beschrieben, wie mir das 2013 bei der Wohnungssuche in Berlin auch Makler sagten, dass genau das Geld, das linke EU-Politik über Südeuropa ausgegossen hat, in private Taschen gewandert ist und von da in Betongold in Deutschland umgewandelt wurde. Das ist bekannt, dass da Spekulationen und das viele flüssige Geld (linke Modern Monetary Theory) eben diese Preisspirale erzeugt haben.

Nur: Die Preisspekulation führt nicht zu einem Mangel an Wohnungen, sondern im Gegenteil, zu einer höheren Bauaktivität. Denn wenn die Bau- und Mietpreise hoch sind und sich das Investieren lohnt, werden ja mehr und nicht weniger Häuser gebaut.

Insofern kann man Spekulationen durchaus für die hohen Preise verantwortlich machen, aber nur zu einem sehr geringen Teil für den Wohnungsmangel. Es gibt durchaus Wohnungen, die nur als Spekulationsobjekt gekauft wurden und leer stehen. Ich kann mich noch erinnern, zu Wohneinheiten umgebaute ehemalige Kasernengebäude in einer aufgegebenen Kaserne irgendwo im Süden von Berlin besichtigt zu haben, und ich die Wohnung nicht genommen habe, weil fünfter Stock ohne Fahrstuhl und Knie kaputt. Ich hatte beim Besichtigen damals gefragt, was mit dem Nachbargebäude ist, das um einiges schöner aussah. Damals sagte man mir, die seien verkauft, aber unvermietbar, die blieben leer. Die seien sehr luxuriös gemacht, aber so teuer, dass keine Miete den Kaufpreis amortiesieren könnte, und würden deshalb nur von Leuten gekauft, die es nicht nötig haben, zu vermieten, und das nur mit Spielgeld als Anlage kaufen und irgendwann wieder verkaufen. Sowas gibt es tatsächlich. Ich glaube aber nicht, dass das eine signifikante Auswirkung auf den Berliner Wohnungsmarkt hat. Im Gegenteil glaube ich, dass durch die Kaufwut solcher Leute (Makler sagten mir damals, dass ihnen die Wohnungen ohne feilschen und sogar ohne jede Besichtigung blind aus dem Ausland einfach so abgekauft werden) der Wohnungsbau eher angekurbelt wurde. Denn Nachfrage erzeugt Angebot. Und wer so teuer kauft, kauft auch Neubau. Als ich hier eingezogen bin, war ringsum Brache, nur ein gammeliger Autohändler und ein Supermarkt. Inzwischen ist rundum alles zugebaut. Und die Wohnungen sind bewohnt, da brennt abends das Licht.

Das ist für mich deshalb nicht verständlich, dass die Wohnungsnot durch Spekulanten verursacht sein soll, denn in Berlin sind die Wohnungen ja nicht einfach nur zu teuer. Es sind zu wenige. Berlin ist voll. Selbst Leute mit sehr viel Geld finden nichts mehr.

Eine seit Jahrzehnten falsche Politik?

Komisch. Bis zur Migrationswelle 2015 hieß es noch, wir haben zuviele Wohnungen, weil die Deutschen weniger würden, Deutschland schrumpfe. In den 2000er-Jahren waren Wohnungen in Berlin noch spottbillig und in den Online-Wohnungsmärkten noch tausende leere Wohnungen zu finden. Ich kann mich noch an Anzeigen erinnern, die einem die ersten 3 Monate Miete erließen oder einen Großbildfernseher versprachen, oder beides, um Mieter zu finden. Ein Taxifahrer sagte mir damals, in Berlin bekäme man ordentliche 3-Zimmerwohnungen für 75.000 Euro.

Als ich noch in Dresden gewohnt und gearbeitet habe (2003-2007) standen da noch reichlich Wohnungen leer. Also ich damals nach einer billigen kleinen brauchbaren Wohnung gesucht habe, habe ich volle 30 Minuten gebraucht um eine zu finden und zu bekommen. Ein Bekannter von mir, Informatiker, damals stinkreich mit guter Geschäftsidee, von mir sehr beneidet, hat sich damals in die Privatinsolvenz ruiniert, weil er unbesehen in Wohnungen in Dresden investiert hatte, die rapide an Wert verloren. Der verstorbene Datenschutz-Professore Pfitzmann, der auch von Karlsruhe nach Dresden gegangen ist, beklagte mal, dass der Zeitwert seines Hauses bei der Hälfte der Restschulden seines Hauskredites läge, den er schon seit Jahren abzahle. Während meiner Zeit in Dresden wurden irgendwelche riesigen Plattenbauten im Umland von Dresden gesprengt. Nicht, weil sie unsanierbar gewesen wären. Der Zustand war nicht gut, aber auch nicht so schlecht, dass man sie hätte abreißen müssen. Aber man war der Meinung, dass man viel zu viele Wohnungen habe, weil die Deutschen weniger werden und noch die Ostflucht dazu käme, und niemals wieder irgendwer in diese Plattenbauten einziehen werde. Also könnten sie weg, schon um die laufenden Kosten leerstehender Häuser zu sparen.

Bis 2015 lautete die offizielle Lesart, dass die Deutschen immer weniger werden, und wir deshalb zu viele Wohnungen haben, und eigentlich fast gar keine mehr zu bauen brauchen, sondern es nur noch darum ginge, das abzureißen, was wir nicht mehr brauchen.

Dabei ist es ein ganz einfaches Rechenbeispiel: In Berlin ist rund – man eweiß es nicht so genau und es ist immer eine Frage der Definition – ein Viertel bis ein Drittel der Bewohner migrantisch. Das Amt für Statistik sagt:

Der Ausländeranteil lag am 31.12.2022 in Berlin bei 24,3 Prozent – mit großen Unterschieden zwischen den Bezirken. Der höchste Ausländeranteil fand sich im Bezirk Mitte mit 36,7 Prozent, während er in Treptow-Köpenick mit 14,8 Prozent knapp halb so hoch war. Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei den Einwohnerinnen und Einwohnern mit Migrationshintergrund (Ausländer und Deutsche mit Migrationshintergrund) ab: Für Berlin insgesamt lag er 2022 bei 38,6 Prozent. Im Bezirk Mitte hatte mehr als die Hälfte (56,8 Prozent) der Einwohnerinnen und Einwohner einen Migrationshintergrund, in Treptow-Köpenick lag ihr Anteil bei 22,3 Prozent.

Die beiden größten Gruppen von Ausländerinnen und Ausländern im Berliner Einwohnermelderegister stellten Staatsangehörige aus der Türkei mit 101 325 Personen (+2 371) und seit 2022 aus der Ukraine mit 57 495 Personen. Auf Platz 3 folgte Polen mit 54 068 Personen (–382).

Nochmal: Im Bezirk Mitte hatte mehr als die Hälfte (56,8 Prozent) der Einwohnerinnen und Einwohner einen Migrationshintergrund.

Und nun überlegt Euch mal, wie der Wohnungsmarkt in Berlin aussehen würde, wenn die alle nicht da wären.

Es gibt Aussagen aus der Wirtschaft und vom Wohnungsmarkt, dass ein gesunder, stabiler Wohnungsmarkt etwa 3 bis 4 Prozent Leerstand aufweise, was Renovierungen, Umzüge, und ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage ermöglichen würde. Deutsche Städte seien aber deutlich unter 1 Prozent gerutscht. Insofern ist es bescheuert, auf Spekulanten zu schimpfen, weil die Migration ja überhaupt erst die Spekulationsmöglichkeiten eröffnet hat. Vorher gab es ja gar nichts zu spekulieren. Dabei wird die große Migration ja von Linken selbst betrieben und befeuert.

Und nun kommt die Linke daher und behauptet, die Wohnungsnot beruhe auf Spekulantion und jahrzehntelanger falscher Politik.

Das sind die Idioten, die uns auf Grundlage der Schriften eines stinkfaulen und nichtsnutzigen parasitären Spinners von vor über 170 Jahren erklären wollen, wie Wirtschaft funktioniert.

Update:

Ach, gar. Erst ist sie dabei, Flüchtlingslager zu evakuieren und nach Berlin zu holen, und dann beschimpft sie jeden, der sagt, die Wohnungsnot könnte was mit Zuzug zu tun haben.