Ansichten eines Informatikers

Von der Elektroinstallation in Zypern

Hadmut
30.12.2022 11:21

Wieder was gelernt.

Ja, ich weiß, einige warten auf schöne Berichte, aber noch bin ich gerade mit Fristsachen und dem Einzug, Einräumen usw. beschäftigt, obwohl nun fast fertig.

Für heute hatte ich einen Elektriker bestellt, weil mir zwei Schalter Sorge bereiteten. Auf der Außenseite des Badezimmers gibt es zwei Schalter mit Kontrollleuchte und einer kleinen Sicherungsschublade. Der eine ist für die Wasserpumpe, die man im Prinzip ständig braucht, und der andere ist für den Boiler, der das Wasser zusätzlich zur Solarheizung aufheizt, wenn die Sonne nicht reicht oder es nachts zu kalt wird. Wenn man nämlich früh morgens duscht, nutzt man dabei das Warmwasser aus dem Tank, das am Vortag aufgeheizt wurde, deshalb merkt man das unter der Dusche, wenn am Tag vorher schlechtes Wetter war.

Eigentlich bräuchte ich diesen Zusatzboiler gar nicht, weil mir die lauwarme Temperatur, die die Sonne zu dieser Jahreszeit bei mäßigem Wetter hinterlässt, an sich völlig reichen würde, und ich für das Spülen in der Küche eine – hier ungewöhnliche – Spülmaschine habe. Eigentlich brauche ich kein richtig heißes Wasser. Und Anfang Dezember hat die Sonne noch für richtig heißes Wasser gereicht. Ich bin aber gewarnt worden, dass sich da Legionellen in den Wasserleitungen bilden können, wenn das nicht heiß genug ist. Deshalb sollte man in den kältesten ein, zwei Monaten elektrisch zuheizen. Man solle eine halbe Stunde, bevor man das heiße Wasser braucht, den Boiler zuschalten, und danach wieder aus, während man die Pumpe dauerhaft anlässt (die hat eine Steuerungseinheit), damit der Druck aufrechterhalten wird und die Pumpe immer wieder mal bewegt wird und nicht festbackt. Die Steuerungseinheit war neulich durchgebrannt, unklar warum, der Installateur vermutete, dass die Klospülung, die nach ein paar Monaten Nichtbenutzung etwas Kalk angesetzt hatte und vorrübergehend nicht ganz dicht schloss, dafür gesorgt habe, dass der Druck nicht hoch bleibe, und deshalb das Ding zu oft ein- und ausschaltete, was mich mir aber nicht vorstellen konnte, weil die Klospülung am Kaltwasser hängt. Meine Vermutung war, dass das Ding einfach alt war und end of life erreicht hatte. Ersatzteil und Handwerker zum Austausch waren nicht teuer, das ist hier sehr moderat. 140 Euro für zwei Handwerker samt Ersatzteil, die dafür auf das Dach steigen und dort die Steuerung und bei der Gelegenheit noch ein Ventil ausgetauscht haben. Der Elektriker, der heute da war, sagte mir dazu, dass das ein typisches Verhalten sei, weil die Dinger auf dem Dach stehen und der Witterung ausgesetzt sind, und irgendwann einfach undicht werden und dann Wasser in die Elektrik eindringt, und dann genau das passiert. Tatsächlich end of life, so alle paar Jahre tauscht man die eben aus, und fertig.

So weit, so gut.

Aber, ach.

Mir war an den zwei Schaltern etwas aufgefallen. So typisch englische Dinger, anders als in Deutschland, die oben eine Kontrollampe haben und unten eine kleine Schublade für eine Schmelzsicherung. In Zypern ist alles englisch, und die Engländer trauen ihrer Elektrik nicht (was seinen Grund hat, der würde ich auch nicht trauen), weshalb sie überall Sicherungen einbauen. Wer schon mal englische Stecker gesehen hat: Jeder Stecker hat auch nochmal eine Sicherung eingebaut. Das ist auch besser so, weil diese Stecker nicht sonderlich gut halten, leicht rausrutschen und nur von den elektrischen Kontakten selbst gehalten werden. Die deutschen Schuko-Stecker und auch die flachen Euro-Stücker sind da einfach viel besser, weil sie durch die Schiene links und rechts und zusätzlich durch die Erdungsklemme gehalten werden, also viel stabiler und zuverlässiger in der Steckdose sitzen, und zumindest nicht die ganze mechanische Belastung direkt auf die eletrische Verbindung wirkt. Deshalb sichern sie nicht nur jeden Stecker ab, sondern bauen gerne auch in Schalter, die etwas direkt schalten ohne noch einen Stecker dazwischen zu haben, kleine Sicherungsschubladen ein, in denen so eine kleine Feinsicherung steckt.

Beim Pumpenschalter war mir neulich in Zusammenhang mit dem besagten Defekt aufgefallen, dass die Sicherung total locker sitzt, als ich diese geprüft habe. Das ist nicht gut, wenn eine Sicherung so locker sitzt.

Beim Boilerschalter fiel mir nun, da ich den Boiler ein paar Tage benutzt hatte, auf, dass der dann, wenn der Boiler mal eine Weile lief, warm wurde. Der Schalter, nicht nur der Boiler. Und Schalter, die im Betrieb warm werden, gefallen mir nicht, das passt mir gar nicht in den Kram.

Also habe ich einen Elektriker beauftragt, beide Schalter auszutauschen und mir bei der Gelegenheit in den Sicherungskasten einen Fehlerstromschutzschalter einzubauen. War gerade da, hat alles zusammen mit Arbeitszeit und Bauteilen unter 120 Euro gekostet, also auch nicht schlimm. Und einen Fehlerstromschutzschalter sollte man schon haben. Der war auch sehr kompetent, hatte in England gelernt und gearbeitet, arbeitete nach den englischen Standards, und hatte auch Arbeitserfahrung in Deutschland, kannte sich sehr genau mit der deutschen Elektrik aus.

Der Grund für die Erwärmung des Schalters, sagte er mir, sei, dass die Sicherung im Schalter am Limit sei. Die Sicherungen seien 13-Ampere-Sicherungen, und die Boiler zögen 12,5 Ampere. Deshalb würden solche Sicherungen heiß. Gefährlich sei das nicht so sehr, weil die dann, wenn sie wärmer werden, nicht brennen, sondern nur durchbrennen, also unterbrechen. Dafür seien sie ja gebaut. Aber gut sei es natürlich auch nicht, wenn der Schalter so warm wird, zumal die Sicherung selbst ja auch richtig heiß war und das wohl auch nicht sehr lange mitmacht. Deshalb hat er mir wunschgemäß beide Schalter gegen neue ausgetauscht, zu meiner Verwunderung aber für den Boiler einen Schalter ohne Sicherung verwendet, damit da nichts mehr warm werden kann. Ich dachte nämlich, der Schalter sei irgendwie hochohmig, schlechte Kontakte, und nicht, dass die Sicherung am Limit war. Weil, so erläuterte er mir, er sich sorgfältig davon überzeugt habe, dass der Boiler eine eigene Sicherung im Sicherungskasten habe und die auf 16 Ampere laute. Normalerweise seien da 20-Ampere-Sicherungen verbaut, und dann hätte er keinen Schalter ohne Sicherung einbauen dürfen, oder eben die 20-Ampere-Sicherung durch eine 16er ersetzen müssen, aber so gehe das direkt. Wenn der Boiler 12,5 Ampere zieht, sei eine 13-Ampere-Feinsicherung zu knapp, und eine 20-Ampere-Sicherung im Sicherungskasten zu stark, aber eine 16-Ampere-Sicherung sei genau richtig und als Absicherung ausreichend. Würde er wieder einen Schalter mit Sicherung einbauen, dann würde die Sicherung – die gibt es nur bis 13 Ampere – wieder heiß, also keine Verbesserung erzielt.

Und den für die Pumpe hat er durch einen mit Sicherung ersetzt, also so wie vorher, nur eben einen neuen.

Was mich aber etwas irritierte:

Er gab mir den Ratschlag, den Boiler vor und nicht nach dem Duschen wieder auszuschalten. Er halte es nicht für ratsam, sich unter eine Dusche zu stellen, deren Boiler Strom hat. Entweder Strom, oder Drunterstellen, aber nicht beides zusammen. Die könnten nämlich auch dann und wann mal aus Altersgründen bersten oder explodieren, was nicht unmittelbar gefährlich sei, aber zum Kontakt von Wasser und Elektrik führen könne. Gerade gegen solche Fälle habe ich mir ja gerade den Fehlerstromschutzschalter einbauen lassen, aber man weiß schließlich nie.

So langsam bekomme ich ein Gefühl dafür, warum die Engländer überall Sicherungen einbauen.