Ansichten eines Informatikers

Wohnungsnot: Die Alten sollen raus aus ihren Wohnungen und Häusern

Hadmut
26.12.2022 1:10

Jetzt geht es ans Eingemachte.

Die WELT schreibt: Große Wohnung, günstige Miete – „Hat unglaublichen Effekt, wie sich Babyboomer verhalten“

Wenn Andreas Beck sich in seiner Siedlung im Münchner Süden umschaut, dann sieht er dort überall dasselbe Phänomen: Häuser, die halb leer stehen, weil Paare wie seine Frau und er nach dem Auszug der Kinder in dem zu groß gewordenen Familienhaus wohnen bleiben.

„In meiner Siedlung im Münchner Süden trifft das fast auf jedes Haus zu, weil es eine typische Einfamilienhaussiedlung ist. Das Phänomen ist prototypisch“, sagt der Gründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Index Capital am Ammersee.

Die Babyboomer seien ein Problem für die Gesellschaft, weil sie aus den Jobs ausscheiden, aber einfach so in ihren Wohnungen wohnen bleiben.

Mit ihrem Bevölkerungsanteil von rund 30 Prozent ist die Generation der vielen seit Jahren tonangebend in Wirtschaft, Politik, Kultur, Medien. Und mit ihrem langsamen Ausscheiden aus dem Arbeitsprozess wird sie allmählich zum Problem.

Nicht nur für die Rentenkassen, sondern auch für den Wohnungsmarkt – mit ihrem Hang zum Verbleib auf der Scholle. „Remanenzeffekt“ nennen Fachleute dieses Phänomen, das umgangssprachlich wohl am ehesten mit „Beharrungstendenz“ übersetzt werden kann.

„Beharrungstendenz“ nennt man das jetzt, wenn Leute nicht sofort gehen, wenn sie nutzlos werden.

Man wirft den Boomern also vor, dass sie nicht gehen, wenn sie in in Rente gehen und ihre Wohnungen freigeben für die, die in ihrem ganzen Leben nie arbeiten und von H4 leben. Weil angeblich die Kinder aus dem Haus sind. Während man ihnen gleichzeitig vorwirft, dass sie keine Kinder bekommen haben. Sie sollen also Wohnraum freigeben, weil Kinder, die sie nicht hatten, nicht mehr bei ihnen leben würden.

Viele große Wohnungen seien inzwischen von Mietern belegt, die nach dem Auszug der Kinder alleine darin zurückbleiben, heißt es in dem Beschluss mit dem Titel „Stille Wohnraumreserven nutzen“ sinngemäß.

Vor diesem Hintergrund werde der Bundesjustizminister um Prüfung von Regelungsmöglichkeiten gebeten, „die es für Mieterinnen und Mieter attraktiv machen, im Einvernehmen mit ihrem bisherigen Vermieter einen Umzug in eine kleinere Wohnung zu verwirklichen. Dabei sollte insbesondere ein Bestandsschutz bei der Miethöhe in Betracht gezogen werden.“

Früher hieß das mal

Artikel 13 Absatz 1 Grundgesetz

Die Wohnung ist unverletzlich.

Heute heißt das „Stille Wohnraumreserven nutzen“. Und die Propaganda sagt, dass die anderen die „Verfassungsfeinde“ seien.

„Fast zwei Drittel haben Warmmiete unter 750 Euro monatlich“

Man will sie also nun in kleinere Wohnungen verfrachten, zum selben Preis der alten Wohnung (ich nehme mal an, pro Quadratmeter und nicht insgesamt). Damit wird also der Wohnraum zu niedrigem Preis reduziert, und der Vermieter kann dann die größere, nunmehr freie Wohnung teuer vermieten. Also effektiv ein Programm um Wohnraum zu verteuern.

Doch ein Umzug in eine kleinere Wohnung in der Nachbarschaft ist nicht nur umständlich und nervenaufreibend. Er ist auch finanziell nicht sonderlich sinnvoll. Denn annähernd zwei Drittel der Babyboomer wohnt laut Deutschem Alterssurvey im selbst genutzten Wohneigentum. Und die übrigen haben häufig preiswerte langjährige Mietverträge. Sie würden bei einem Umzug in eine kleinere Wohnung im Zweifel sogar noch draufzahlen.

Der Effekt: Ein großer Teil des vorhandenen Wohnraums wird künftig von Senioren genutzt – während junge Familien vor allem in den Ballungsgebieten händeringend größere Wohnungen suchen. […]

Hinzu kommt, dass die Babyboomer-Haushalte, die zur Miete wohnen, in der Regel extrem günstig wohnen: „Fast zwei Drittel haben eine Warmmiete unter 750 Euro monatlich, ein Viertel sogar unter 500 Euro“, sagt Haist. […]

Andreas Beck verärgern solche Zahlen regelmäßig: Aus seiner Sicht ist die ineffiziente Nutzung von Wohnraum der wesentliche Treiber für die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt. „Bisher konnte man dieses Phänomen tolerieren. Jetzt aber trifft es auf die geburtenstarken Jahrgänge. Wenn der Remanenzeffekt auch bei ihnen gilt, haben wir gar keine Chance, ausreichend neuen Wohnraum zu bauen“, sagt Beck. […]

Um 43 Prozent solle der Primärenergieverbrauch im Gebäudesektor bis 2035 sinken. Angesichts des Fachkräftemangels sei das genauso unerreichbar wie das Ziel, jedes Jahr 400.000 neue Wohnungen zu bauen. An einer effizienteren Nutzung des vorhandenen Wohnraums führt aus Becks Sicht daher kein Weg vorbei – schon um künftigen Leerstand zu vermeiden.

Um künftigen Leerstand zu vermeiden?

Hä?

Naja, wie auch immer.

Man schafft es nicht, so viele Wohnungen zu bauen, wie man für die Migration braucht, und will nun den Alten ihre Wohnungen wegnehmen. Die sollen gefälligst ihren Krempel reduzieren und sich auf kleineren Wohnraum verschieben, am besten aus der Stadt raus. Neu ist die Idee freilich nicht, das gab es ja schon in Form der Forderungen, dass die Alten sich in Vorstadt-WGs mit Sammelklo einpferchen lassen sollen oder in „Tiny Houses“ ziehen sollen.

Warum aber sollen Boomer ihre Wohnung abgeben, mit der Begründung, dass sie nicht mehr arbeiten, wenn gleichzeitig die Wohnungen an Leute gehen sollen, von denen viele niemals arbeiten?