Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Preisschilder

Hadmut
30.4.2022 22:09

Hmpf.

War gerade im Supermarkt um die Ecke.

In der Obst- und Gemüseabteilung haben sie jetzt – wohl nur der Anfang oder vielleicht nur ein Test – die bisher mit dem Laserdrucker auf Papier gedruckten Preisschilder durch elektronische e-Paper ersetzt. Und zwar nicht nur die kleinen Schildchen am Regal, sondern auch die Großen, die oben über den Regalen hängen. Und das auch noch mit zweifarbigen e-Paper-Displays Schwarz/Rot. Die normalen Angebote in schwarzer Schrift auf weißem Grund. Die Sonderangebote in weißer Schrift mit schwarzem Schatten auf rotem Grund.

Die Dinger sind nicht billig. Selbst dann nicht, wenn man sie als große Marktkette in großen Stückzahlen kauft. Ich würde mal so grob schätzen, dass man mindestens 300 bis 500 Papierschilder damit ersetzen muss, bis sich das amortisiert, Defekte und Batteriewechsel nicht mit eingerechnet. Es kann allerdings günstiger werden, wenn man die Arbeitszeit berücksichtigt, weil es wohl schneller geht, mit dem Handgerät das Preisschild zu ändern als ein neues zu drucken, durch den Laden zu laufen, und den Zettel auszutauschen. Man müsste sich mal anschauen, wie die funktionieren, ob da zur Preisänderung einer hinlaufen und das – wenn auch mit Gerät und elektronisch – manuell tun muss (und nicht vergessen darf), oder ob die Dinger selbständig funktionieren und per Funk versorgt werden.

Die Stromversorgung ist nämlich so eine Sache. Man könnte überlegen, ob die gar keine eigene haben und per Induktion versorgt werden, wenn man mit dem Gerät was ändert, dann sind sie aber ohne das Gerät völlig tot.

Es gibt welche mit Knopfzelle, die muss man aber irgendwie aus der Nähe aktivieren.

Dauerhaft per WLAN geht zumindest nicht ohne weiteres, dafür reicht der Strom eigentlich nicht. Zumal die Dinger dafür ja WLAN aufbauen und anfragen müssten. Ich wollte mal vor einiger Zeit Besprechungsräume mit solchen Anzeigen mit ESP8266 oder ESP32 versehen, die automatisch anzeigen, welche Besprechungen stattfinden. Ich war damit nicht so weit, um abschätzen zu können, wie lange ein Akku hält, aber da muss man schon tricksen, etwa auf DHCP-Anfragen und DNS-Abfragen verzichten, den Dingern statische Adressen verpassen, und sie feste IP-Adressen pollen lassen, damit es schnell geht und möglichst wenig Energie „verfunkt“ wird. Und nachts darauf verzichten. Man müsste die dann spätestens alle paar Monate neu aufladen. Bei 5 Besprechungsräumen geht sowas, aber nicht bei einem Supermarkt voller Preisschilder. Da wird der Verwaltungsaufwand sehr groß.

Andere Techniken wären freilich denkbar. Zigbee oder sowas in der Art. Aber auch dann muss man immer noch einem Preisschild beibringen, ob es auf Schokolade- oder Schnitzelpreise hören soll.

Ich habe mal vor einiger Zeit in einem Elektronikmarkt hingeschaut. Die mussten da jedes Preisschild mit einem Handgerät einzeln aktualisieren.

Wie dem auch sei: Es ist erst mal nicht billig und nicht einfach.

Sowas lohnt sich nur dann, wenn man häufig die Preise ändern will. Das war ja der Grund, warum sie das in den Elektronikmärkten eingeführt haben. Damit die Preise abends anders als am Morgen sein können.

Und jetzt halt eben auch für Bananen und Spargel.

Genau das könnte aber auch von Vorteil für den Kunden sein. Denn oft setzen sie die Preise für empfindliches Obst und Gemüse oder auch für Backwaren abends runter, indem sie Sticker drauf machen. Und es ist bekannt, dass sie gerade versuchen, möglichst wenig Lebensmittel wegzuwerfen, um das Containern und politische Diskussionen zu verhindern. Es könnte also sein, dass man situationsbedingt die Preise stark senkt.

Ich war neulich mal in einem anderen Supermarkt, abends, und hatte gar nicht gemerkt, erst durch deren Hinweis, dass am nächsten Tag ein Feiertag ist und alles geschlossen. Ich war an der Backwarentheke und habe wohl blöde geguckt, weil da der Marktleiter auf der Leiter stand und wie ein Berserker Zeugs in Mülltüten warf. Ob ich was wollte, fragte er. Äh … ja … schon… Jo, sagte er, 50 Cent Pauschalpreis für soviel ich haben will. Tüten vollmachen, mitnehmen! Die hatten sich wohl mit dem Feiertag vertan, noch aufgebacken und den ganzen Kram dann da stehen und wollten Lebensmittelmüllberge vermeiden.

Es könnte also womöglich nicht (nur) der dynamischen Preiserhöhung dienen, sondern umgekehrt auch dafür, das Angebot so zu optimieren, dass nichts mehr übrig bleibt, indem gegen Abend die Preise gesenkt werden. Lieber unter Preis verkauft als gar nicht und weggeworfen.

Kann natürlich auch sein, dass man je nach Tageszeit unterschiedliche Preise für unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen macht.