Ansichten eines Informatikers

Viertel-Fake-News

Hadmut
12.2.2022 15:03

Ich hatte die Tage von der Story erzählt,

wonach eine Pilotin bei ihrem ersten Flug eine F-35 zu tief gelandet und gegen einen Flugzeugträger gecrasht habe, und der dann brennend über die Landebahn gerutscht und hinten runtergefallen sei. Und dass es heißt, die Story sei Fake.

Viele Leser schrieben, das sei offensichtlicher Fake, die Frau sei doch längst keine Kampfpilotin mehr. Andere schrieben, das sei wahr, kam doch in allen Nachrichten.

Die Sache ist interessant, denn sie ist weder ganz falsch, noch ganz wahr. Ich habe es mal zusammengesammelt:

  • Den Crash gab es wirklich, auch zeitlich stimmt es, das war kürzlich.
  • Auch das Video ist echt und inzwischen bestätigt. Auch ein Foto, auf dem das Ding noch im Wasser treibt.
  • Die Sache ist überaus pikant und kritisch, weil den USA gar nicht mal um die 100 Millionen geht, die das Ding kostet, sondern weil das Ding hochgeheim ist und im südchinesischen Meer liegt, und irgendwo stand, das sei auch chinesisches Hoheitsgebiet, und das Wrack wohl sehr tief gesunken ist, und die USA fürchten, dass die Chinesen – die über passende U-Boote verfügen – sich das Ding schnappen und ausspionieren. China hatte sich zwar geäußert, dass sie kein Interesse an dem Ding hätten und die USA es wegräumen und sich lieber um Frieden in der Region als um Muskelspiele kümmern sollten. Seither gibt es da ein Wettrennen, wer zuerst geeignete Bergeschiffe am Ort hat. Gestern habe ich aber irgendwo auf Twitter einen Hinweis mit Foto gesehen, wonach ein amerikanisches Bergeschiff das Ding tatsächlich gehoben habe, mit Bild, wo das Wrack gerade an einem Kran hängt, es habe aber Anzeichen, dass da schon jemand an dem Ding rumgepokt habe, die Chinesen also schon versucht hätten, an dem Ding rumzufummeln.
  • Es heißt auch, dass die F-35 längst als Fehlkonstruktion gelte, weil viel zu teuer, kompliziert, wartungsbedürftig, fehleranfällig, und so weiter.
  • Es stimmt auch, dass die US-Streitkräfte die Anforderungen für Frauen gesenkt haben, um den Frauenanteil zu erhöhen. Frauen müssen tatsächlich weniger können.
  • Nur die Sache mit der Pilotin, die den Crash geliefert habe, ist wohl Fake News, denn es gibt mehrere Hinweise, dass die zwar tatsächlich Kampfpilotin und in Afghanistan im Einsatz war, das Militär aber längst verlassen und in die Privatindustrie gegangen sei (irgendwo hieß es sogar, zu einem Hersteller von Kampfflugzeugen, wo sie die Dinger immer noch fliegt, aber für Tests und sowas). [Nachtrag: Bei Lockheed Martin] Zivilisten dürften aber auf Flugzeugträgern gar nicht landen.
  • Ich habe auch noch einen Hinweis, dass es das gar nicht (mehr) gäbe, dass ein Pilot seine erste Flugzeugträgerlandung auf einem Flugzeugträger durchführe. Wo denn sonst, will man fragen. Die USA hätten aber die Landebahnen ihrer Flugzeugträger an Land nachgebaut, und man würde gar nicht erst zur Landung auf einen Flugzeugträger gelassen, wenn man das nicht vorher an der Attrappe beherrsche.

Also wohl dieser spezielle Typ von Fake News, bei dem einem echten und nachprüfbaren Vorfall, der auch durch die Nachrichten geht, ein Fake-Detail huckepack aufgepappt wird.

Man sollte sich also hüten, eine Nachricht völlig für wahr zu halten, weil sie im Wesentlichen bestätigt ist.

Und man sollte sich hüten, eine Nachricht für falsch zu halten, weil man irgendwas daran als widersprüchlich, unwahr, widerlegt erkannt hat.

So einfach ist es nicht mehr, dass Nachrichten nur entweder ganz richtig oder ganz falsch sind.