Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Feinstaub, Panik, Prozentrechnung

Hadmut
31.12.2021 12:26

Der WDR mal wieder…

Ich habe mir das Böllern zwar auch schon lange völlig abgewöhnt, aber nicht das Aufdecken von öffentlich-rechtlich verbreiteter Desinformation.

Das Ding liest sich plakativ, vor allem die 2.050 Tonnen. Abgesetzt davon steht kleiner, dass die Silvesternacht nur 75% davon freisetzt, also eigentlich „nur“ 1.500 Tonnen. Das ist auch nicht wenig, aber weil sich das Böllerverkaufsverbot ja im wesentlich auf die privat abgefeuerten Silvesterfeuerwerke bezieht, ist es eigentlich schon eine Falschangabe.

Noch weiter unten steht, dass es sich um ein Prozent der in Deutschland freigesetzten Feinstaubmenge handele.

Da aber nur 75% dieser Feinstaubmenge von Silvester stammen, müsste man da schon sagen, dass eben auch „nur“ 0,75% und nicht 1% der jährlich freigesetzten Feinstaubmenge auf die Silvesterfeuerwerke entfallen.

Ist das überhaupt viel?

Das Jahr hat 365 Tage. Verteilt man es gleichmäßig, entfallen auf jeden Tag eben 1/365, also schon 0,27% der jährlichen Feinstaubbelastung. Selbst wenn man nur das sieht, hat man also nur soviel Feinstaub, wie an drei gewöhnlichen Arbeitstagen anfällt.

Dazu kommt weiter: Silvesterraketen machen zwar sehr viel Dreck und Staub, aber der fällt rasch zu Boden. Zumal die Wetterlagen nicht wie im Sommer durch die Thermik den Staub hochwirbeln, sondern eher runterwaschen. Und für gewöhnlich sind die Leute in den Stunden nach dem Feuerwerk drinnen und nicht draußen. Ich habe schon oft die Rauchschwaden nach dem Feuerwerk gesehen, könnte mich aber nicht erinnern, sie am Neujahrsmorgen noch gesehen zu haben, wenn nicht gerade noch jemand Restbestände verböllert. Ich bin Laie, aber auf mich wirken Feuerwerksstäube jetzt nicht so, als blieben die lange als Aerosole erhalten. Im Gegenteil sieht man ja bei frischem Schnee oft den ganzen Dreck, der eben runterfällt. Als Laie würde ich jetzt sagen, dass die Belastung natürlich ab Mitternacht sehr hoch ist, aber nicht lange anhält, nur ein paar Stunden des Jahres betrifft.

Schauen wir mal in die dazu passende Pressemitteilung des Umweltbundesamtes:

Jährlich werden rund 2.050 Tonnen Feinstaub (PM10) durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern freigesetzt, der größte Teil davon in der Silvesternacht. Diese Menge entspricht in etwa einem Prozent der gesamt freigesetzten Feinstaubmenge in Deutschland. Die Broschüre zeigt anhand aktueller Auswertungen von Luftdaten, dass am ersten Tag des neuen Jahres die Luftbelastung mit gesundheitsgefährdendem Feinstaub vielerorts so hoch ist, wie sonst im ganzen Jahr nicht. Zudem fasst sie alle relevanten Wirkungen des Feuerwerks auf Mensch und Umwelt zusammen.

PM10-Tagesmittelwerte am Neujahrstag

Einhergehend mit den durch das Silvesterfeuerwerk freigesetzten Emissionen ist die PM10-Belastung in der Silvesternacht hoch. Besonders an den Stunden nach Mitternacht treten Messwerte von bis zu mehreren 1000 Mikrogramm pro m³ im Stundenmittel auf. Diese hohen Stundenwerte beeinflussen auch den PM10-Tagesmittelwert, mit dem der Schutz der menschlichen Gesundheit beurteilt wird. Tagesmittelwerte größer 50 µg/m³ gelten demnach bereits als einer von 35 zulässigen Überschreitungstagen.

Heißt:

Die Feinstaubbelastung durch Feuerwerk ist zwar tatsächlich sehr hoch, aber nur für wenige Stunden. Das Zeug fällt herunter. Und zwar dann, wenn die Leute alle drinnen feiern oder im Bett liegen und schlafen. Eine Feinstaubbelastung ab dem Morgen des Neujahrstag geht damit nicht einher, wird aber suggeriert, weil man nicht Stundenwerte, sondern Tagesmittelwerte angibt, und diese kurzen Spitzen eben den Mittelwert für den ganzen Tag versauen, obwohl praktisch niemand auf der Straße draußen ist, der die Feinstäube noch abbekommen könnte. Die Feinstaubbelastung durch Tischfeuerwerk oder Zigarettenrauch in Räumen dürfte höher ausfallen.

Ich halte das deshalb für Desinformation.