Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Von kasachischer Zeitrechnung und einem Pas de deux

Hadmut
26.12.2021 21:56

Ähm … ja.

Nein, es war nicht einfach, in den Expo-Pavillon von Kasachstan zu kommen.


Sie hatten zwar vor dem Pavillon einige kasachische Schönheiten ausgestellt, aber die Warteschlange war da immer sehr lang. Keine Ahnung, warum so viele Leute nach Kasachstan wollen, aber die waren sehr beliebt.

Sie hatten sogar öfters, nur gerade nicht, wenn ich da anstand, richtig gute Musik für die Leute in der Warteschlange, die Band spielte in diesem offenen Vorraum vor dem Pavillon oder in dieser kleinen offenen Halbkugel.

Als ich das erste und das zweite Mal dort rein wollte, war mir die Schlange viel zu lang.

Beim dritten Mal sah es besser aus, die Schlange war deutlich kürzer. Ich fragte, und der kasachische Mitarbeiter am Eingang sagte zu mir und auch den Leuten vor und nachmit „fifteen Minutes“.

Das erschien vertretbar.

Ich habe mich mit den Leuten vor und hinter mir unterhalten, und so nach 20, 30 Minuten kamen wir überein, dass es langsam an der Zeit wäre, dass die 15 Minuten um wären, wir aber noch einige Leute vor uns hatten. Wir fragten den an der Eingangstür, wie lange es noch dauerte. Er schätzte die Zahl der Leute in der Schlange ab, guckte da irgendwas nach und meinte, ab da, wo wir stehen noch 18 Minuten.

Was dann die Frage aufwarf, ob die Zeit da rückwärts laufe, wenn wir doch so lange gewartet hätten und die Wartezeit dabei von 15 auf 18 Minuten angestiegen sei. Denn alle Leute, die vor mir, die hinter mir, alle aus unterschiedlichen Ländern, auch englischsprachigen, sagten übereinstimmend, der habe „fifteen minutes“ gesagt. Nein, das sei ausgeschlossen, meinte der an der Eingangstür. Das könne der nicht gesagt haben.

Die Rückfrage ergab, dass er sprachlich gewisse artikulative Probleme hatte, zwischen fifteen und fifty zu unterscheiden und 50 Minuten gemeint hatte.

Nach 30 Minuten anstehen, 2 Minuten Diskussion, und weiteren exakt 18 Minuten kamen wir also da rein. Was ihnen an sprachlicher Exaktheit fehlt, machen sie an mathematischer Genauigkeit wieder gut.

Verblüffend war dann der Inhalt des Pavillons. Ich hatte da mehr von diesen tanzenden kasachischen Schönheiten erwartet (sowas kam dann auch, aber ganz anders), stand aber dann in einem Pavillon, der auf High Tech und Wissenschaft machte.

Sie haben Platinen ausgestellt. Irgendwas mit Energiesteuerung.

Und einen Wissenschaftszentrum, das auch irgendwas mit Energie zu tun hatte, das mich aber beeindruckte, weil mich eine ausnehmend hübsche Messehostess ansprach und darin anleitete, auf dem Tisch vor mir eine Taste zu drücken (wenn sie so hübsch ist, lasse ich mir auch erklären, wie man eine Taste drückt), um dann zuzusehen, wie in der Mitte des Tisches ein Kran eine kleine farbige Kugel – Kugel gab es viele, aber an der Farbe war erkennbar, welche die meinige wäre – eine kleine Kugelbahn herunterrollte und im Tisch verschwand.


Schön.

Zum Abschluss kam man in einen großen dunklen Raum, wieder mal mit Projektionen an der Wand, in dem eine futuristisch gekleidete Tänzerin oder Akrobatin auftrat,


Von der Decke herab entfaltete sich ein weiß lackierter Industrieroboter (Marke Kuka), an den eine große Hand montiert war.

Und um die Verschmelzung von Mensch und Technik zu symbolisieren, führten der Roboter mit der großen Hand und die Akrobatin einen Pas de deux auf, in dem die Roboterhand sie bisweilen behutsam hob, sie aber auch herumwirbelte. Begleitet von futuristischen Hintergrundmustern, die die Beamer an die Wand warfen.








Und kaum war die Show vorbei, ging gleich die Tür auf, alle raus, und sie stand einsam auf der Bühne, bis die nächsten reinkamen. Ich bin als letzter gegangen und habe vor dem Rausgehen nochmal schnell auf den Auslöser gedrückt:

Kasachstan hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt.