Ansichten eines Informatikers

Vom Papierpreis in Dubai

Hadmut
13.12.2021 21:53

Nachdem gerade der soundsovielte schreibt…

Hallo Herr Danisch,
zu den Papierblättern in Dubai mal nachgerechnet ?
Zum Text “336 Mio Papierblätter erbringen eine Einsparung von 310 Mio EUR”. Bedeutet jedes Blatt Papier kostet in Dubai 0,92 EUR.
Das ist etwa der zehnfache Preis pro Blatt Papier, verglichen mit Deutschland.
Das macht stutzig.

Papier transportiert, bedruckt und entsorgt sich aber nicht von selbst.

Man muss immer berücksichtigen, dass das Zeug eingekauft, gelagert, transportiert werden muss, dass man Drucker, Toner und so weiter kaufen, Toner verteilen, den ganzen Kram warten und entsorgen muss, die Drucker Strom verbrauchen, auch im Standby, man wieder Aktenordner, Aktenvernichter, Aktenregale, Locher und sowas kaufen muss, Netzwerkkabel, Software, Reparaturen und und und.

Ihr dürft nicht einfach davon ausgehen, was ein Blatt Papier kostet.

Überlegt mal, was ein Drucker mit Strom im Monat kostet.

Und jetzt überlegt mal, was das dann pro Seite kostet, wenn der Beamte nur 5 oder 10 Seiten pro Woche druckt. Oder pro Monat. Dann habt ihr kleine Kosten dividiert durch eine sehr kleine Zahl von Seiten. Das läppert sich.

Überlegt mal, dass eine Fotokopie bei der Akteneinsicht in deutschen Behörden je nach Zahl der Seiten auch zwischen 10 Cent und 1 Euro, mitunter sogar mehr kostet, und das ist nur eine Fotokopie, ohne den Netzwerkkram.

Wenn jemand rein elektronisch arbeitet, muss man dem erst gar keinen Drucker mehr hinstellen, keinen Aktenvernichter, das Zeug nicht mehr entsorgen, nicht lagern, spart Strom, Wartung und so weiter. Es ist ja nicht so, dass der dann einfach nur weniger Papier verbraucht.

Zumal die ja oft auch nicht einfaches Papier aus dem Supermarkt-Sondergangebot nehmen, sondern Behördenpapier mit Briefkopf.

Plus noch die Arbeitszeit, die mit dem Drucker zu verbringen ist.

Überlegt mal, was so ein Oma-Drucker kostet.

Man bekommt ja hier so ganz billige Mini-Laserdrucker, die scheinbar spottbillig sind, aber pro Seite schon an Verbrauchsmaterial sehr teuer. Dividiert mal den Preis des „Billig“-Druckers dann noch durch die Zahl der Seiten, wenn Oma 5 Mal im Jahr was ausdruckt.

Dazu kommen noch solche Kosten wie Kuverts und Briefporto. Die werfen da ja nicht mit Papierfliegern.

Und selbst dann, wenn man gar nicht selbst druckt, sondern – wie auch hier in Deutschland üblich – der ganze Service über einen Dienstleister läuft. Viele Behördenschreiben, die Ihr bekommt, kommen ja schon lange nicht mehr aus der Behörde, sondern vom Druckdienstleister, der automatisch druckt, faltet, kuvertiert, frankiert.

Der Dienstleister will auch Geld haben. Der muss das Material kaufen und vorhalten, das Personal bezahlen. Solche Massensendungen werden auch nicht auf geschnitten A4-Papier gedruckt, sondern das Papier auf großen Rollen – Durchmesser so 1 Meter oder 1,50 Meter, als spezielles Briefpapier eingesetzt, und dann für jeden Auftraggeber mit jedem eigenem Briefpapier ein eigener Hochleistungsdrucker hingestellt.

Ihr stellt Euch das zu einfach vor. Das ist nicht so wie zuhause, wo der 10 Jahre alte USB-Drucker in der Ecke steht und ne Packung Papier von Aldi nebendran liegt.

Und einen Punkt habt Ihr noch vergessen:

Dubai ist ein Wüstenstaat, die haben keine oder kaum Wälder. Die müssen jeden einzelnen Baum, jede Palme mühsam gießen. Die haben da nicht so viel Forstwirtschaft und damit vermutlich auch kaum eigene Papierindustrie. Die müssen das wohl alles importieren.