Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Empirische Anmerkung zum Mindesthaltbarkeitsdatum von Semmelknödeln

Hadmut
2.12.2021 18:36

Wir Hausfrauen müssen zusammenhalten.

Ich hatte ja mal beim Aufräumen in der Küche in den Notfall- und Reservebeständen eine Packung Spaghetti mit Zubehör, so ähnlich wie Micaroli, nur die Billigversion vom Discounter, mit lange abgelaufenem Datum gefunden und experimentell zubereitet. Ergebnis war: Die Nudeln halten es aus, aber alles andere war nicht mehr gut.

Nun hatte ich in meinem Anfang 2020 auf die Schnelle zusammengekauften Krisenbeständen – ich bin damals davon ausgegangen, dass man sich auf drei, vier Wochen Quarantäne, in denen man nicht einkaufen kann, oder geschlossene Supermärkte einstellen muss – auch einen Beutel (so luftdicht verschweißt) fertige kleine Semmelknödel gekauft, die man nur ins heiße Wasser schmeißen soll. Und irgendwie ganz hinten vergessen, zumal das Mindesthaltbarkeitsdatum auch schwer zu entdecken war. Ich hatte eigentlich gedacht, dass das so völlig trockene, pulvrige Dinger sind, die sich wirklich lange halten, waren sie aber nicht. Die waren eher so teigig, Mindesthaltbarkeitsdatum 06/2020. Ungekühlt gelagert.

Eigentlich hatte ich sie schon weggeworfen, aber weil ich eben vom Abendessen noch etwas heiße Gemüsebrühe im Topf übrig hatte, dachte ich mir, das will ich jetzt wissen, und habe die Tüte wieder aus dem Küchenmüll geholt, aufgeschnitten und ein paar der Dinger gekocht.

Beim Öffnen eigentlich erst mal nicht der erwartete Zustand, dass die Dinger zerfallen sind. Die sahen eigentlich in Ordnung aus. Leider hatte ich solche noch nie innerhalb des MHD gemacht, wusste also nicht, wie die sein und riechen sollten. Denn ein seltsamer, leichter, aber unangenehmer Geruch kam schon raus. Aber das gibt es ja manchmal, dass Lebensmittel vor dem Kochen nicht so gut riechen, erst danach.

5 Minuten in der Brühe gekocht.

Ich hätte eigentlich erwartet, dass die Dinger zerfallen und aufgelöst in der Brühe schwimmen, aber nein, die blieben Bällchen, und verblüffenderweise war die Konsistenz völlig in Ordnung. An der hätte ich am ehesten gezweifelt. (Deshalb gibt’s auch nichts zu fotografieren, sie haben ganz normal ausgesehen.)

Nur: Dieser nicht so angenehme Geruch, der aus der Packung kam, der steckte dann auch im Geschmack.

Nur irgendein Detail hatte sich an diesen Dingern zum Negativen verändert (ich müsste sie nochmal neu kaufen, um den Vergleich zu haben, wie sie eignetlich schmecken, wenn noch im MHD), ansonsten waren die eigentlich in Ordnung. Nur sagte mir diese Geschmacksnote eben: Will ich nicht essen.

Ich hatte aber nicht den Eindruck, dass die Dinger giftig oder nennenswert gesundheitsschädlich geworden sind, nur dass sie eben nicht mehr gut schmeckten. Eher so zum Verzehr unter Kriegsbedingungen.

Auch dieses Experiment hat ergeben, dass es mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum – entgegen anderslautender Gerüchte – zumindest tendenziell und in Maßstäben von Jahren doch etwas auf sich hat.

Vorbehaltlich natürlich des Umstandes, dass eine Koinzidenz keine Kausalität ist und ich nicht weiß, ob die im frischen Zustand eigentlich besser geschmeckt haben. Und das ja auch keine Blindverkostung war. Man müsste also den Leuten schon beides, abgelaufene und neue, hinstellen, ohne zu sagen, was welche sind.

Stellt sich die Frage: Wie macht man das? Denn dann würden ja auch wieder fast zwei Jahre zwischen der Produktion liegen, und sich vielleicht die Rezeptur oder der Abschmecker oder die Rohstoffe geändert haben.

Ins Labor hätte man sie freilich mal geben können, ob die rausfinden, was da komisch riecht. Ist aber nicht meine Aufgabe.

Was mir dazu allerdings einfällt: Ich habe verschimmelte Festplatten. Sogar Festplatten im externen USB-Gehäuse, die ich neu gekauft und nur angefasst hatte, um sie einmal am Rechner anzuschließen und zu bespielen und in eine feuerfeste, luftdichte Box gepackt hatte, waren nach einiger Zeit, ein bis mehrere Jahre, darin verschimmelt. Hätte ich nicht für möglich gehalten, dass etwas in völliger Dunkelheit, unter Luftabschluss und scheinbar ohne jegliche verdauliche Stoffe schimmeln kann. War auch nicht er normale Haushaltsschimmel, sondern ein sehr seltsamer, ungewöhnlicher Schimmel, den ich so nicht kannte, der so eine samtige Struktur gebildet hatte.

Aber: Sogar die Fingerabdrücke, die ich auf dem Plastik hinterlassen hatte, waren geschimmelt. Beim Einpacken noch unsichtbar, nun anhand der Schimmelspuren auf schwarzem Plastik deutlich erkennbar. Ich hatte solche Klebenotizen auf die Gehäuse gepappt, und diese Notizen und ihre Kleber waren geschimmelt. Eine der Platten war in einer weichen Schutzhülle aus irgendeinem schwarzen, elastischen Schaumgummimaterial geliefert worden, so entfernte Ähnlichkeit mit Neopren, aber viel billiger. Auch die ist geschimmelt. Nur die harten Plastikteile der Gehäuse selbst nicht. Es gibt also offenbar mindestens eine Schimmelvariante, die sich im normalen Haushalt nicht durchsetzen kann, aber unter Extrembedingungen noch mit den geringsten Spuren organischen Material etwas hinbekommt, wenn auch sehr, sehr langsam. (Oder gerade deshalb.)

Wäre also denkbar, dass sich im Beutel trotz aller Hygiene irgendwas eingenistet und ein bisschen was verändert hat.

Vielleicht haben sich aber auch einfach nur irgendwelche Gewürze zersetzt, was erklären würde, dass die wesentliche Substanz noch in Ordnung war, nur irgendein Detail nicht in Ordnung.