Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

„Wir zerstören die IT. Schönen Sonntag noch; Ende.“

Hadmut
1.12.2021 22:51

Dilettantentheater.

Leider nicht öffentlich, nur hinter Paywall. WELT hat einen bitteren Artikel darüber, wie führungs- und planlos die Deutschen aus Afghanistan geflohen sind.

Als das dort so richtig heiß wurde, und die da nicht mehr Wochen oder Tage, sondern nur noch Minuten hatten, um weg zu kommen, schickten die eine Frage an das deutsche Krisenzentrum in Berlin

„Wir machen uns abmarschbereit! HABEN WIR GRÜNES LICHT?! BG JhvT“

Antwort aus Berlin:

„Haben Sie! Mit freundlichen Grüßen Informationsmanager/-in“

Und wech. Antwort aus Afghanistan:

„Danke! Wir sind dann erst mal nur noch per Telefon erreichbar. Wir zerstören die IT. Schönen Sonntag noch; Ende. BG JHvT.“

Pffffrrr.

Ja, das kommt mir so entfernt bekannt vor. War ja im Grundwehrdienst vor 35 Jahren mal Truppenfernmelder. Da hieß es dann auch, dass wir im Fall der Flucht mit dem Beil vom Fahrzeug die Platinen zerhacken und mit einem bisschen Benzin Feuerchen draus machen sollten.

Komplette Führungslosigkeit aus Berlin.

Und Maas stellte das dann so dar:

Realität laut WELT:

Die Deutschen verlassen die Botschaft auf abenteuerliche Art. Sie wollen nicht mehr auf Berlin warten, sie handeln auf eigene Faust. Um 12.25 Uhr schon fällt ihr Entschluss, abzuziehen. Um 13 Uhr ordnet Elitepolizist „Fisch“ die Evakuierung an. Der Konvoi steht bereit. Nun erst schreibt van Thiel seine Mails und den finalen Sonntagsgruß nach Berlin. Kabul handelt, Berlin ruft bloß sein Okay hinterher.

Um 17 Uhr tagt in Berlin der Krisenstab. Die Evakuierungsmission der Bundeswehr erhält das offizielle Go zu dem Start, den Kramp-Karrenbauer schon am Morgen ausgelöst hat, ohne länger zu warten. Am Montag erklärt der Bundesaußenminister: „Wir alle, die Bundesregierung, die Nachrichtendienste, die internationale Gemeinschaft, wir haben die Lage falsch eingeschätzt.“

Das ganze Ding Afghanistan war von vorne bis hinten wohl nichts als eine riesige Illusion.

Der Machttausch geschieht vielerorts geräuschlos.

Und er lief längst: Nach jedem Ausbildungsschub des Westens sollen bis zu 30 Prozent der trainierten afghanischen Soldaten zu den Taliban übergelaufen sein, schätzen Sicherheitskreise. Die Moral habe gefehlt, die Identifikation mit dem neuen, leider auch korrupteren Staat. Dazu Tausende toter Soldaten.

Ah, toll.

Ein großer Teil der afghanischen Armee existierte gar nicht, war nur ein Abrechnungsbetrug. Um vom Rest sind 30 Prozent nach der Ausbildung zu den Taliban übergelaufen. Was dann auch erklärt, warum die Taliban so verblüffend gut mit allem umgehen können, was sie erbeuten – Waffen, Fahrzeuge, Hubschrauber, ganz egal. Die können mit allem sofort umgehen. Klar, gelernt ist gelernt.

Eine immerhin zeigt sich erschüttert. Kramp-Karrenbauer spricht nach dem Fall Kabuls im Verteidigungsausschuss von „Entsetzen, Unglaube und Schock über den Zusammenbruch und die Geschwindigkeit“. Man habe nicht damit gerechnet, dass Kabul an jenem Sonntag falle, in Berlin nicht, in London und Washington nicht. Man müsse feststellen, dass man das Land politisch nicht dauerhaft verändert habe. Man habe keine Vorzeigedemokratie aus Afghanistan gemacht.

Man hatte sich das so vorgestellt, aus Afghanistan eine Präzedenzumwandlung von der islamischen Diktatur zur modernen Demokratie zu machen.

Deutschland

Dieselben Leute stehen hinter dem Plan, aus Syrern hier ein modernes Deutschland 2.0 zu bauen.

Gibt nur einen Unterschied.

Aus Afghanistan konnten die Deutschen dann noch nach Deutschland fliehen, als der Plan, der nie funktionierte, gegen die Wand fuhr.

Aber wohin könnte man fliehen, wenn derselbe Plan auch in Deutschland gegen die Wand fährt?