Ansichten eines Informatikers

Gekommen um zu bleiben

Hadmut
25.10.2021 23:12

Ich hatte heute ein aufschlussreiches Gespräch mit einem Saudi.

Ich sage jetzt mal aus Quellenschutz nicht so genau, in welchem Pavillon, irgendwas mit einem arabischen Thema. Ein Offizieller aus Saudi-Arabien hatte mich so im Rahmen des üblichen Messegeschäfts und weil ich als Europäer halt exotisch aussehe, angesprochen, wie mir ihr Pavillon denn so gefalle, ob alles gut und verständlich wäre, ob ich Fragen hätte und so weiter.

Bin so mit dem ins Gespräch gekommen.

Weil es da auch um Sprachen und Arabisch ging, habe ich den etwas gefragt, obwohl ich die Antwort so ungefähr eigentlich schon mal von einer ägyptischen Kollegin gehört hatte, ich mir aber nicht sicher war, ob die Antwort sachlich war oder sie ihre sprachlichen Fähigkeiten betonen wollte. Ich hatte (nicht ganz ohne Hintergedanken) gefragt, wie sehr sich das Arabisch der einzelnen Länder unterscheide (im Kopf immer, wie sehr sich die Dialekte im Deutschen etwa von Schweiz bis platt unterscheiden, ich habe schon Leute aus abgelegenen Gegenden irgendwo in Baden-Württemberg gehört, die fast nicht zu verstehen waren.) Ob er Probleme hätte, etwa einen Syrer oder Iraker zu verstehen. Nein, meint er, das sei gar kein Problem, es sei dieselbe Sprache. Freilich würde man an Aussprache und Betonung schon hören, wo jemand herkommt, aber der Verständigung täte das keinen Abbruch. Die Sprachen seien nicht ähnlich, sondern dieselbe.

Ob ich ihn auch etwas politisch heikles fragen könne. „Klar, schieß los…“

Warum die Flüchtlinge aus Syrien, Irak usw. alle nach Europa, besonders nach Deutschland kämen, Deutsch sei eine schwer zu erlernende Sprach, kulturell alles ganz anders, die Leute sehr unterschiedlich, das Wetter kalt, alles fremd und anders, warum man dann nicht in arabische Länder gehe, in denen Frieden herrscht, wo man sich sofort verständigen kann und in einer kulturell gleichen oder kompatiblen Umgebung sei, der Islam Standard, überall Moscheen, statt sich in die völlige Fremde zu begeben und dann alles dranzusetzen, es sich erst so zu machen, wie man sich heimisch fühlt.

Naja, ganz so sei es ja nicht, meint er, sie hätten ja auch X [ ich kann mich jetzt nicht mehr genau an die Zahl erinnern, die er sagte – mir ist so, als hätte er 2 Millionen gesagt, aber nagelt mich nicht drauf fest] Flüchtlinge aufgenommen, sie wären ja schon mit dabei.

Oh, sage ich, das war mir nicht ganz klar. Umso mehr wundert mich, dass so viele nach Deutschland wollen, wenn es doch möglich ist, auch nach Saudi-Arabien zu gehen.

Da guckte der mich mit so einem das-ist-doch-offensichtlich-Blick an und erkärte mir, dass das einen ganz einfachen Grund habe. Wer wieder zurück in sein Land will, der geht nach Saudi-Arabien. Wer nicht mehr zurück in sein Land will, der geht nach Deutschland. In Saudi-Arabien nämlich bekomme man keine Staatsbürgerschaft, sie könnten da nicht Staatsbürger werden. Sei bekämen nur Asyl, und wenn der Asylgrund weggefallen ist, müssen sie wieder gehen. Manchen passe das, manchen nicht.

In Deutschland dagegen bekommt gleich jeder eine Staatsbürgerschaft und einen Pass in die Hand gedrückt und darf bleiben.

Wer also nicht mehr zurück in sein Land, sondern woanders bleiben will, der gehe logischerweise nach Deutschland. So einfach sei das.