Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Klimaneutral reisen

Hadmut
16.10.2021 19:19

Ein Leser gibt mir einen guten Tipp, wie ich klimaneutral reisen kann. [Update: Gibt’s schon, nur andersrum]

Man kann eine Reise nach Dubai klimatechnisch kompensieren, indem man hinterher noch 97 Tage in Ägypten Urlaub macht:

Hallo,

wenn Sie dem Klima etwas gutes tun wollen, dann sollten Sie Ihren Dubai Urlaub so verändern, dass Sie hinterher noch etwa 14 Wochen lang im schönen Scharm El-Scheich in Ägypten verbringen.

Ich komme darauf, weil jemand im Forum bei TP einen sehr sympathischen und vielleicht sogar funktionierenden CO2-Einsparvorschlag in den Ring warf, diesen da: https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Atomkraft-Ausbau-in-Frankreich-Ohne-zivile-Kernenergie-keine-militaerische-Nuklearmacht/Im-Sueden-ueberwintern-koennte-was-sein/posting-39792017/show/

> “Italien und Spanien haben einen Energieverbrauch von 2.500 kg Öleinheiten pro Kopf und mit 2.100kg liegt Portugal noch einmal darunter. Deutschland dagegen stagniert bei 3.800kg. Hin- und Rückflug wären 2x 1.500km, was bei einem Kerosinverbrauch von 5l auf 100 Passagierkilometer auf ca 200kg herauslaufen würde. Rechnerisch würde das Überwintern netto hinauslaufen auf: 0,4*3,8t + 0,6*2,5t + 0,2t = 3,22t”

Das Problem für Sie als CO2-bewusster Dubai Reisender besteht darin, dass Dubai als Teil der Emirate pro Kopf 7648,39kg Öläquivalente verursacht (siehe Google; ich finde v.a. auch die Nachkommastellen faszinierend). Die Lösung für dieses Bewusstseinsproblem ist Ägypten, wo nur 827,5kg anfallen. Da Deutschland mit exakt 3.817,55kg recht mittig liegt, ist es möglich, mit einem Zwischenstopp in Ägypten die persönliche CO2-Bilanz wieder in die Balance zu bringen.

Hier die Rechnung, wie sich 14 Tage Urlaub in Dubai mit Hilfe eines weiteren Aufenthalts in Ägypten klimatisch ausgleichen ließen:

CO2-Emissionen pro Tag in Deutschland: 10,45kg
CO2-Emissionen pro Tag in Dubai: 20,94kg
CO2-Emissionen in 14 Tagen Dubai: 293,16kg
Flug Berlin-Dubai: 4630,19km
Flug Dubai-Sinai: 2100km
Flug Sinai-Berlin: 3220,50km
CO2-Emissionen aller Flüge: 497,53kg
CO2-Emissionen des Urlaubs ohne Ägypten insgesamt: 790,69kg
Differenz CO2-Emissionen pro Tag Deutschland vs Ägypten: 8,19kg

Aus diesen Werten lässt sich nun errechnen, dass Sie vor oder nach dem Aufenthalt in Dubai noch 97 Tage in Ägypten verbringen müssen. Dann wäre der gesamte Urlaub CO2-neutral.

Wahnsinn, nicht wahr?

Der Wahnsinn.

Ich war noch nie in Ägypten. Sonne, Meer, Essen und Internet, sollte eigentlich schon reichen. Ich denk’ mal drüber nach.

Ich wundere mich ja schon lange über die Migrationsfreude hier und darüber, dass noch niemand ausgerechnet hat, wieviel klimaschädlicher einer hier als im warmen Irak oder Afrika lebt.

Wenn man liest, dass wir hier 60% der Energie zum Leben zwischen November und Februar verbrauchen, sollte man mal drüber nachdenken, ob nicht auch Teilzeitflüchtlinge ein Weg zur Klimarettung wären. Oktober bis März in Afrika oder Nahost, Sommer dann hier.

Update:

Ein Leser schreibt, Teilzeitflüchtlinge gäbe es schon, aber andersrum, die kommen im Winter:

KÖLN. Die Stadt Köln hat mit dem Ansturm von Tausenden „Winter-Flüchtlingen“ aus dem Balkan zu kämpfen. Wie der Express berichtet, seien in den vergangen Wochen fast 3.000 Albaner, Mazedonier und Serben in die Rheinmetropole gekommen – meist 100 am Tag. Mit 11.000 Flüchtlingen und Einwanderern seien auch die Notunterkünfte derzeit ausgelastet.

Die Stadt Köln ist demnach verpflichtet, die Südosteuropäer aufzunehmen, damit sie nicht in Obdachlosigkeit geraten, da Obdachlosigkeit „eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung“ darstelle, sagte ein Verantwortlicher der Stadt dem Blatt. Es spiele keine Rolle, ob die Betroffenen durch illegale Einreise ins Land gekommen seien oder ihrer Ausreisepflicht nicht nachkämen.

Allerdings beantragten diese Personen auch kein Asyl, sondern reisten im Frühjahr wieder in ihre Heimatländer zurück. „Die Leute freuen sich, daß sie im Gegensatz zu ihrer Heimat über die Wintermonate ein warmes, sauberes Heim, gute Verpflegung und medizinische Versorgung haben. Für sie ist das quasi wie ein traumhafter Urlaub. Deswegen kommen viele jedes Jahr mit ihrer Familie nach Köln. Sie mögen es hier“, zitiert die Zeitung einen Mitarbeiter in der Flüchtlingshilfe.