Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Wie die ARD Eure Meinung – nicht so genau – wissen will

Hadmut
10.6.2021 10:40

Pfffr.

Ein Leser macht mich auf diesen Artikel in der WELT aufmerksam: „Wir möchten wissen, was die Menschen von uns halten“

Die ARD will mit den Beitragszahlern ins Gespräch kommen. Bisher habe man den Zuschauern das öffentlich-rechtliche System zu wenig vermittelt, heißt es. Nun soll ein „Zukunftsdialog“ starten – bei dem auch kritische Stimmen willkommen seien.

Kritische Stimmen? Ist ja ganz was neues. Bisher hat man immer und überall jeden abgedreht, der irgendwas sagen wollte, was nicht passt.

Der erste Haken: Der Artikel ist vom 22.4. und die Sache sollte am 8.5. starten. Hätte irgendwer irgendwas davon mitbekommen, dass die ARD mit ihm in Dialog kommen will? Also, ich nicht.

Wo denn überhaupt? Sie verlinken im Artikel nur die FAQ (klar, wenn der Artikel vor der Eröffnung geschrieben wurde), da steht aber auch nur (bei der Frage nach Barrierefreiheit) indirekt drin, wo das eigentlich stattfindet. Lässt sich aber auch googeln, wenn man erst mal weiß, wonach man suchen müsste: https://www.ard-zukunftsdialog.de/ .

Nun versucht mal, da Kritik zu äußern.

Es gibt da drei Live-Diskussionen (eine schon vorbei), da haben sie sich wohl schon voll verausgabt. Wie lange die dauern, steht nicht dabei, aber auch wenn sie zwei oder drei Stunden gehen: Dividiert das mal durch die Zahl der geschätzten Zuschauer, und überlegt Euch, wieviel Zeit Ihr da bekämt, um was zu sagen. (Gut, mancher wird jetzt sagen, dass er da auf vermutet auf 15-20 Minuten käme, das wäre doch schon was… aber ich glaube nicht dran, dass die einen da mehr reden lassen als sonst – nämlich gar nicht.)

Dann haben sie solche „Themenräume“ – die aber auch fast nur dazu da sind, ihnen neue Programmideen und Wünsche zu liefern. Was alles nicht darauf hinausläuft, an der ARD irgendwas zu ändern, sondern nur deren Programmformate und vielleicht ein paar Themen.

Die einzige Gelegenheit, die ich jetzt gesehen habe, an der auf den ersten Blick etwas an Kritik äußern könnte wäre der „Themenraum“ „Menschen und Meinungen“. Da heißt es

Kontrovers, divers, vielfältig: Wie bildet die ARD unsere Gesellschaft ab? Wie stellst Du Dir Vielfalt von Meinungen und Menschen innerhalb der ARD vor?

Da könnte man auf den Gedanken kommen, dass man da den Wunsch äußern könnte, dass da nicht alles immer nur von linksaußen kommt. Aber wenn ich mir die Formulierung so anschaue, ist sie eher Teil des Problems als der Lösung: Das liest sich wie der Fake-Einwurfkasten für „Mehr Frauen, mehr Schwarze, mehr Muslime“, damit sie dann hinterher sagen können, der Zuschauer habe das so gewünscht. Aus dem Text auf der Seite:

Kontrovers diskutieren, unterschiedliche Stimmen zu Wort kommen lassen, diverse Lebensentwürfe vorstellen: Anspruch der ARD ist es, die Gesellschaft in ihrer Vielfalt abzubilden – in Talkshows, in Unterhaltungssendungen, in der täglichen Berichterstattung. Das Feedback der Bürgerinnen und Bürger aus der Auftaktkonferenz des ARD-Zukunftsdialogs: Da ist noch Luft nach oben!

Wie können unterschiedliche Meinungen sicht- und hörbar gemacht werden? Welche Meinungen sind Dir wichtig? Wo sind für Dich die Grenzen? Wie stellst Du Dir Vielfalt innerhalb der ARD vor?

Kein Mensch von außen kann hinterher nachprüfen, ob die Antworten echt sind, oder man sich da (wie ich das bei Hate Speech immer vermute) das selbst geschrieben hat, oder vor allem eben in deren politischen Propagandakreisen publiziert wird, dass es das gibt, und die dann eifrig schreiben. Man weiß ja, dass alles, was mit Web 2.0 zu tun hat, von Medienangenturen mit Fake-IDs beklöppelt wird.

Der Knackpunkt ist nämlich: Hinter kommt irgendwas raus, und kein Mensch kann mehr nachprüfen, wer das eingegeben hat, ob das echt ist, ob es die Person gibt, ob sie das selbst eingegeben hat. Die Grünen reden ja gerne von ihrer Internetfeuerwehr. Die geben ja sogar offen zu, dass sie ganze Kompanien von Leuten zur Beeinflussung über Internet haben. Und hinterher heißt es dann: 93% der Zuschauer wollen eine einbeinige schwarze übergewichtige muslimische Nachrichtensprechern mit Diskriminierungserfahrung und überstandener Appendizitis und Marx-Studium. Nur deshalb habe man sie eingestellt, der Beitragszahler wünsche es eben so.

Und dann wird gesiebt:

Ausgewählte Ideen

Moschgan Ebrahimi (SR) und Roman Roell (BR) wählen zweimal in der Woche Ideen aus, die ihnen besonders aufgefallen sind. Bei der Auswahl der Ideen orientieren sie sich an folgenden Kriterien: Möglichst alle Kategorien sollten erfasst werden. Weitere wichtige Aspekte sind: Kreativität, Kritik und Aktualität.

Und zu Ebrahimi

“Vielfalt, Toleranz und Respekt gehören für mich zu einem guten Miteinander, einer Demokratie und gutem Programm.”

Moschgan Ebrahimi, SR

Da ist von vornherein klar, was da ausgewählt wird und durchkommt.

Was ich da übrigens nicht gefunden habe: Dass man sich mal an der Rundfunkordnung oder der Rechtsprechung des BVerfG zur Beitragspflicht orientiert, welche inhaltlichen Anforderungen eigentlich zu erfüllen sind. Aussagen wie „Vielfalt, Toleranz und Respekt gehören für mich zu einem guten Miteinander, einer Demokratie und gutem Programm.“ lesen sich für mich wie „Ich pfeife auf die Aufgaben und Pflichten, ich kriege das Geld auch so, zahlen müsst Ihr sowieso, also ziehe ich hier mein eigenes politisches Ding durch“.

Im Klartext: Ihr habt gefälligst zu tolerieren und respektieren, was die ARD-Mafia Euch sendet.

Und zu zahlen.