Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Baerbocks Wort und das Energiegeld

Hadmut
5.6.2021 12:40

Es stinkt.

Es stinkt einfach, wenn eine, die ihren Lebenslauf fast wöchentlich und im Nachlauf zu aufgedeckten Unrichtigkeiten mit „Ich stehe zu meinem Wort“ eröffnet:

Mal ganz abgesehen von dem Umstand, dass man erst mal Kanzler sein müsste, um zu seinem Wort zu stehen, und sie noch gar nicht in der Position dazu ist.

Sie meint, CO2-Besteuerung trifft nur Reiche, weil

Menschen mit geringem Einkommen verbrauchen meist weniger CO2, sind deshalb nicht so stark von den Preiserhöhungen betroffen und bekommen trotzdem genausoviel Geld zurück wie Menschen mit großem CO2-Fußabdruck, die mehr bezahlen.

Es wäre schön, wenn man CO2 „verbrauchen“ würde, das Problem liegt ja darin, dass man es erzeugt und nicht verbraucht. Aber gehen wir darüber mal hinweg, denn so gefühlt fällt das schon unter „Energieverbrauch“ und „Verbrauch fossiler Stoffe“.

Was sie hier letztlich beschreibt, ist Klimaschutz als Vorwand für kommunistische Umverteilung. Man nimmt allen verbrauchsabhängig was weg und gibt es allen als Kopfpauschale wieder zurück. Weil, so das Kalkül, die Leute umsomehr „verbrauchen“, je höher ihr Einkommmen ist.

Ist das so?

„Verbraucht“ jemand mit dickem Aktiendepot und Millioneneinkommen trotz Nichtstun, der nur an seinem Seegrundstück herumliegt und vielleicht mal segeln geht, mehr CO2 als die kleine Arbeiterfamilie, in der er zur Arbeit pendeln muss und die Frau die Kinder zur Schule bringt?

„Verbraucht“ der Reiche, der sich gleich mal den neuesten E-Porsche vor die Tür stellt, dann mehr CO2 als die Unterschichtenarbeiterin, die einen 12 Jahre alten gebrauchten Fiesta für 900 Euro oder sowas fährt?

Oder der „Besserverdiener“, der im Home-Office bleibt?

Nach vorne raus soll es wie Klimaschutz aussehen, hinter den Kulissen soll es kommunistische Umverteilung sein.

Was heißt eigentlich „bezahlbar bleiben“?

Sie sagen, Menschen mit geringen Einkommen „profitierten“, bekämen quasi noch was raus. Komische Erläuterung zu „bezahlbar“.

Bei n-tv findet man was dazu:

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock will höhere CO2-Preise für Menschen mit geringem Einkommen durch Ausgleichszahlungen abmildern. Betroffene Familien sollten pro Jahr und Kopf ein “Energiegeld” von 75 Euro bekommen, forderte Baerbock auf einer Wahlkampfveranstaltung in Magdeburg. Die Zahlung will die Parteichefin aus den Mehreinnahmen finanzieren, die der Staat durch höhere CO2-Preise erzielt.

CO2-Emissionen im Verkehr sollten 60 Euro pro Tonne kosten, forderte die Grüne. Das entspräche einem Anstieg der Benzinpreise um etwa 10 Cent pro Liter. Für Familien mit niedrigem Einkommen auf dem Land könne das eine Mehrbelastung von bis zu 100 Euro bedeuten, so Baerbock. Das könne das “Energiegeld” mehr als ausgleichen.

Wenn man von einem Verbrauch von 7 Liter Benzin auf 100 km ausgeht, würde das ungefähr 50 Cent auf 100km Mehrkosten bedeuten. Man könnte also bis zu 15.000 km pro Kopf der Familie im Jahr fahren, um allein bezogen auf den Spritverbrauch Gewinn zu machen. Macht beispielsweise bei einer vierköpfigen Familie ein Pensum von 60.000 km pro Jahr oder etwa 272 km pro Arbeitstag.

Da ist allerdings noch nicht eingerechnet, dass man ja auch mit Heizung, Strom, eigentlich allem, was man kauft, und was mit LKW angeliefert oder zur Fabrik gebracht werden muss, auch der Müll, der wieder entsorgt werden muss, auch zusätzlich zahlt. Es wird ja dann alles teurer, was transportiert werden muss, was Strom verbraucht, was hergestellt werden muss. Also eigentlich alles.

Ich glaube nicht, dass es dann eine erkleckliche Zahl von Leuten gibt, die davon profitieren. Es wird ein paar geben, bei denen es auf ungefähr Null rausläuft, und die Mehrzahl der Leute wird mehr oder weniger deftig draufzahlen.

Wo bleibt dann aber das Geld?

Und ob das Familien wirklich hilft zu sagen, dass sie zwar jetzt für alles mehr ausgeben müssen, aber zum Ausgleich dafür einmal im Jahr 75 Euro pro Kopf bekommen, also 20,5 Cent pro Tag – gut einteilen, nicht auf den Kopf hauen! – wage ich zu bezweifeln.