Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

„Weiße Männer werden das Privileg aufgeben müssen, dass ihre Worte gedruckt und verbreitet werden.”

Hadmut
2.12.2020 22:32

So ähnlich wie ’33.

Ein Leser schickt mir das da:

In dem Vortrag wird mit vielen Zahlen und Schaubildern die „hegemony of whiteness” herausgearbeitet, die dem wissenschaftlichen Fortschritt entgegenstehe. Es gebe nur eine Antwort: „Weiße Männer werden das Privileg aufgeben müssen, dass ihre Worte gedruckt und verbreitet werden.” Sie müssten endlich in den Hintergrund treten, damit People of Colour, zu denen Padilla auch farbige Frauen und „gender-nonconforming scholars” zählt, ihre Arbeit in einer angesehenen Zeitschrift veröffentlichen können. Er setzt hinzu: „Jede farbige Person, die künftig publiziert wird, nimmt dann einem weißen Mann den Platz weg, dessen Wort in dieser Zeitschrift hätten erscheinen können oder schon erschienen sind. Und das wäre eine Zukunft, nach der man streben sollte.”

Anmerkungen:

  • Den Buchdruck haben weiße Männer erfunden und perfektioniert. Ohne die könnten sie gar nichts drucken.
  • Schwarze hatten ungefähr 60.000 Jahre, ohne von Weißen behelligt zu werden, und haben in der Zeit nicht viel erfunden, auch nicht den Buchdruck. Soweit ich weiß, das Feuer, Speer und Pfeil und Bogen, aber weder Rad noch Schrift. Der weiße Mann hat in etwas über 500 Jahren praktisch die gesamte Moderne erfunden.
  • Würde man Weiße nach Hautfarbe ausschließen, dann wären es keine angesehenen Zeitschriften mehr.
  • Warum eigentlich muss man dafür bestehende angesehene Zeitschriften übernehmen? Warum schafft man es nicht, einfach neue Fachzeitschriften nur für Farbige zu gründen, die ja dann besser sein müssten, wie sie behaupten. Warum setzt der Erfolg von Farbigen voraus, dass Weiße gar nichts mehr sagen dürfen?

Wer schreibt eigentlich so einen Scheiß’?

Ach so, die FAZ, aber fairerweise muss man natürlich sagen, dass sie eher distanziert berichtet, als es sich zueigen zu machen.

Die American Philological Association ist eine altehrwürdige Einrichtung. Gegründet wurde sie 1869, mithin zu einer Zeit, als es nur eine Philologie gab, nämlich die Klassische, und es sich von selbst verstand, dass sie von weißen Männern betrieben wurde. 2014 kamen die Mitglieder darin überein, die Vereinigung nordamerikanischer Altertumsforscher in Society for Classical Studies (SCS) umzubenennen. Seither macht man dort lieber Politik als Wissenschaft. […]

Der Aufruf der SCS wäre daher willkommen, wenn er zu einer methodisch kontrollierten und historisch differenzierten Diskussion beitrüge. Aber genau das tut er nicht. Ungestüm wird stattdessen das Ende des „reduktionistischen Konzeptes“ der westlichen Zivilisation gefordert und der Herrschaft des weißen Mannes der Kampf angesagt. Die Truppen werden landesweit unter dem Banner „decolonize the classics“ zum Kreuzzug versammelt. Einer ihrer Anführer ist Dan-el Padilla Peralta. […]

Die Straßen von East Harlem waren sein Zuhause, und mit Obdachlosen teilte er das Lager. Dann entdeckte ein reicher New Yorker den wissbegierigen Jungen und verschaffte ihm ein Stipendium für eine der ältesten Schulen des Landes. Dort lernte er Latein und Griechisch. Seine Leistungen führten ihn direkt in die Ivy League: Studium in Princeton, Promotion in Stanford, Postdoc an der Columbia-Universität. Heute ist er Associate Professor für Classics in Princeton. So buchstabiert sich der amerikanische Traum: Vom Immigranten zum Professor. Jeder kann es schaffen, verkündet Padilla in seiner Autobiographie, die er ein Jahr nach seiner Dissertation verfasste und bei Penguin publizierte.

Auf einem Treffen der SCS im Juni 2019 dachte Padilla über die Zukunft der Altertumswissenschaften nach, genauer: über „rassische Gerechtigkeit“ („racial equity“) und „die Produktion des Wissens“. […]

Nicht mehr das Double-blind-Peer-Review-Verfahren, die Prüfung durch anonyme Gutachter, denen die Identität des Verfassers unbekannt ist, entscheidet in dieser neuen Welt über wissenschaftliche Publikationen, sondern die Hautfarbe. Man darf und muss wohl von einem inversen Rassismus sprechen, der Teil einer politischen Agenda ist, die mit dem Anspruch auf Gerechtigkeit daherkommt, tatsächlich aber totalitär ist. Die Erbschuld des weißen Mannes reicht bis ins letzte Glied.

Wissenssoziologisch gesehen, ist eine solche Aussage der Reflex einer zutiefst gespaltenen Gesellschaft, die immer radikaler und schriller nicht nur politische Konventionen und völkerrechtliche Normen, sondern auch epistemische Standards und wissenschaftliche Prinzipien in Frage stellt und damit sehenden Auges das Risiko eingeht, den Zusammenhalt der internationalen Scientific Community zu zerstören.

Nicht ganz. Korruption und Verblödung dieser „internationalen Scientific Community” sind doch der Ursprung dieser Dummheitsanbetung, dieser Selbstzerstörung.

Blicken wir zurück, dann war es in der Zeitraum von etwa 1750 bis 1850 in England, 1850 bis 1940 in Deutschland und 1940 bis 1970 in den USA, als man besonders große Wissenschaftsschübe hinbekommen hat, und nicht zuletzt waren es ausgerechnet der zweite Weltkrieg und der Wettbewerb/kalte Krieg zwischen Westen und Kommunismus, der zu einer goldenen Zeit der Wissenschaft führte. Kernkraft, Computer, Luft- und Raumfahrt, Mondlandung, Chemie, Medizin und so weiter. Das nun wieder hat zu einem hohen Ansehen und einer hohen Finanzierung der Universitäten geführt und den typischen Schweinezyklus eingeleitet:

  • Gute Wissenschaftler bringen Geld an die Unis.
  • Viel Geld lässt die Anforderungen sinken und zieht Dumme, Korrupte und Schwindler an.
  • Die Dummen machen die Einnahmen kaputt.
  • Geldmangel führt zu hohem Selektionsdruck und Qualitätsauswahl bei Wissenschaftlern.

Im Prinzip dasselbe wie beim Jäger-Beute-Modell in der Natur.

Und wir sind gerade so im Übergang zwischen der zweiten und dritten Phase.

Bedauerlicherweise glaube ich nicht, dass wir das Erreichen der vierten oder gar den Wiedereintritt in die erste Phase noch miterleben werden. Ich würde sogar vermuten, dass die Wissenschaft mindestens 100 bis 200 Jahre brauchen wird, um sich von diesem Schwachsinn wieder zu erholen, eher noch mehr, weil ja mit der totalen Wissensvernichtung zu rechnen ist.

Blöderweise nämlich gibt es auch keinen Weg aus der zweiten Phase zurück in die erste. Man muss über die dritte und die vierte Phase gehen. Und wir werden dann noch die totale Geschichtsfälschung miterleben.

Man wird irgendwann behaupten, dass alles Wissen in Afrika entstanden ist und man die Sklaverei und die Kolonialisierung nur durchgeführt hat, damit die Leute alles vergessen und nicht wissen, dass sie die größten Wissenschaftler der Geschichte sind.

Die nächsten 20, 30 Jahre werden noch ziemlich … heiter.