Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Leica-Feeling und 50er-Jahre Flair für kleines Geld

Hadmut
23.10.2020 16:16

Kleiner Tipp für lüsterne Fotofreunde.

Ich weiß, dass ist jetzt nicht jedermanns Sache.

Aber wer sich mal für neue (alte Retro-) Trends in der Fotografie interessiert und mal einen Sonderspaß für vergleichsweise kleines Geld haben will:

Verschiedene chinesische (und teils andersasiatische) Firmen, darunter besonders 7artisans, TTartisan, aber auch Meike, Viltrox, Kamlan, Samyang, Laowa und noch andere, kommen mit erstaunlichen Objektiven auf den Markt. (Ich habe nicht herausgefunden, ob 7artisans und TTartisan zusammengehören; manche sagen, TTartisan sei die vorab-Probe-Marke von 7artisans, andere sagen, darunter angeblich 7artisans selbst, dass die sich so ähnlich sehen und teils die gleichen Teile verwenden, weil sie die gleichen Zulieferer haben, ist aber eigentlich egal.)

Erstaunlich deshalb, weil meistens erstaunlich billig und trotzden in optischen Grenzbereichen wie extreme Weitwinkel oder große Anfangsblenden (7artisans releases $255 35mm F0.95 manual prime for APS-C mirrorless camera systems).

Zwar gibt es darunter auch Autofokus-Objektive oder solche, die wenigstens einen Chip drin haben, damit die Kamera sie überhaupt erkennt und weiß, was sie auf der Nase hat, die meisten dieser Objektive sind aber völlig frei von jeglicher Elektronik und einfach nur ein Objektiv mit mechanischer Einstellung für Entfernung und Blende. Nix Autofokus, Bildautomatik, automatische Verzeichnungskorrektur und so weiter.

Heißt: Fotografieren wie in den 50er bis 80er Jahren, nur mit dem Unterschied, dass man heute keinen Schnittbildindikator mehr in den Kameras hat, sondern die digitale Sucherlupe bemühen muss, was natürlich mit Spiegellosen weit besser geht als mit DSLR, so sie eine haben. Also nur sehr beschränkt einsetzbar, nicht für Sport, bewegte Motive und sowas, man braucht Zeit.

Aber: Die Objektive schneiden bei der Abbildungsqualität oft verblüffend gut ab, sollte man für den Preis nicht erwarten. Und: Die Leute äußern sich in den Foren positiv über die Material- und Herstellungsqualität. Ich habe inzwischen auch zwei, die aber wegen Corona-HomeOffice bislang ungenutzt rumliegen. Da gibt’s eigentlich nichts dran zu meckern. Sie wirken wie eine komische Mischung aus 50er-Jahre-Objektiv (Metall, robuste Mechanik) und modern (Beschriftung, Oberfläche).

Manche vergleichen sie mit Leica-Objektiven, an die sie (vor allem wegen der fehlenden Elektronik, auch optisch nicht ganz) herankommen, dafür aber so größenordnungsmäßig in der Gegend um ein Zehntel des Preises liegen.

Wer also mal selektiven Spezialspaß haben oder den Kindern mal das Fotografieren von den Grundlagen her beibringen will, oder auch einfach nur Spaß an ungewöhnlichen Objektiven hat, sollte sich das mal ansehen, da bekommt man zwischen 200 und 300 Euro schon verblüffende Dinge. Manchmal auch schon unter 100.

Vor allem dann, wenn man noch eine ältere Kamera aufbrauchen will, die zwar grundsätzlich gute Bilder macht, aber bei Autofokus und Video nicht so auf dem Stand ist, kann man damit ungewöhnliche Dinge treiben.