Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Wenn Lesch & Steffens nicht über die Sendung mit der Maus hinauskommen

Hadmut
18.10.2020 22:31

Puuh.

Normalerweise mag ich die Terra-X-Sendungen im ZDF ja. Aber Lesch schwätzt selbst das auf Sesamstraße-Niveau herunter. Heute war es richtig dämlich.

Harald Lesch und Dirk Steffens haben vorhin mal so richtig versagt. In Terra X brachten sie so eine Art Altherrengespräch über Verschwörungstheorien.

Auch wenn das Anliegen richtig war, die Ausführung war strunzdämlich und eigentlich auch verlogen.

Das Thema Verschwörungstheorien anzugehen, indem man sich die dümmstmögliche heraussucht (es soll tatsächlich viele Leute geben, die die Eigenschaft der Erde als Kugel bestreiten und sie für flach halten), ist intellektuell und argumentativ mangelhaft. Zumal ich von der Theorie, dass die Erde eine runde, von einem Eiskranz namens „Südpol” begrenzte Scheibe ist, deren Schwerkraft darin bestünde, dass sie permanent nach oben beschleunige, aus der Neuzeit noch nie gehört habe.

Und wenn man sie widerlegen will, sollte man aufpassen, nicht eigene Fehler zu machen. Denn manches von dem, was sie sagten, war eben keine Widerlegung. Wir haben das in Physik mal gelernt, dass Gravitation und Beschleunigung als konstante Kraft nicht zu unterscheiden sind. Und den Südpol als Kranz um eine Ebene zu sehen, ist gar nicht mal so abwegig, wie die zwei Pappnasen das da hinstellten – eine Frage der Projektion. Insbesondere die Polkappen stellt man nämlich auf Landkarten mit der sogenannten Stereographischen Projektion dar, selbigewelche übrigens auch bei den bekannten 360°-Fotos im Little-Planet-Design zur Anwendung kommt, wo sich dann alles um den Pol (oder den Punkt unter der Kamera) dreht. Dreht man sie um und projiziert von außen nach innen, würde der Südpol tatsächlich wie ein Kranz außenrum aussehen. Sieht man gelegentlich bei 360°-Fotos, bei denen man mal eine andere Perspektive findet.

Es gibt jede Menge schöner Beweise, dass die Erde eine Kugel ist, aber die, die sie sich rausgesucht haben, waren nicht so der Brüller und nicht so wirklich beweisend. Laserstrahl auf ein Schiff, dass sich wegbewegt und auf dem der Punkt auf der Projektionsfläche immer höher steigt, weil das Schiff hinter dem Horizont verschwindet ist schön, aber wie sie selbst sagten: Überzeugt nur Leute, die genug Wissen haben, dass sie eh schon wissen, dass die Erde rund ist. Mir fallen da eher so Sachen ein, wie dass Sonnenuhren auf der Südhalbkugel andersrum gehen, die Sonne im Norden steht, oder arabische Halbmond anders als unserer am Himmel aussieht, weil sie ihn gedreht sehen. Oder umgekehrte Jahreszeiten. Oder einmal am Horizont entlangfahren. Oder Navigation. Trigonometrie, die nur spährisch stimmt.

Was mich aber am meisten störte:

Deren strunznaive Sicht auf die „Wissenschaft”.

Was sie nämlich nicht erwähnt haben: Dass nicht etwa die Verschwörungstheoretiker die Wissenschaft angreifen, sondern die Universitäten und Wissenschaftler selbst in den letzten 30 bis 50 Jahren jegliche Glaubwürdigkeit durch Korruption, Gender, Geisteswissenschaften und den totalen Qualitätsverzicht verspielt haben.

Dass das Problem nicht etwa die Verschwörungstheoretiker, sondern die Korruption und Verblödung neuzeitlicher Universitätsschwätzer ist. Dass beispielsweise Gender und damit auch das Fernsehen die letzten 20 Jahre damit verbrachten, Wissenschaftler als patriarchalische sexistische Lügner zu beschimpfen.

Wenn man sich den totalen Schwachsinn anschaut, den man im Zeichen der Frauenförderung als Dissertion anerkennt, die Vollidioten, die man zu Professoren macht, die völlige Verblödung der Universitäten, die Verschwachsinnigung der Curricula, dann sind Verschwörungstheoretiker intellektuell noch weit über denen.

Und als sich die zwei Pappnasen dann darüber lustig machten, dass einer, der die Erdkrümmung anzweifelte, tatsächlich mit selbstgebastelten Raketen aufstieg, um zu beweisen, dass die Erde flach ist, und seinen zweiten Versuch nicht überlebte, dachte ich mir so: „Lesch, Du Vollidiot von einem Physikprofessor!” Mag der Raketenmann noch so dämlich gewesen sein, was er durchgeführt hat, nennt man ein Experiment, das ist in der Absicht ehrenwert. So hat die Physik angefangen.

Demgegenüber versinken die Universitäten gerade in tiefer dumpfer Dummheit, an der empirisch gar nichts mehr nachgeprüft wird. So gut wie kein geisteswissenschaftliches Paper hält einer Nachrpüfung stand, alles versumpft in willkürlichem geisteswissenschaftlichem Geschwätz. Im Vergleich zu dem, was an den Universitäten läuft, ist der Raketenmann, der beweisen will, dass die Erde flach ist, ein empirisch arbeitends Physikgenie, denn seine Hypothese ist zwar falsch (was in der Geschichte der Physik immer vorkam), aber immerhin hat er sich mit der Wirklichkeit angelegt, um sie zu überprüfen. Das ist nicht Verschwörung, das ist Physik, nur eben ein paar Jahrhunderte hinter dem Wissensstand.

Ich persönlich würde das für eine didaktisch sogar überaus nützliche Aufgabe für Schüler halten: Beweise (unter Verzicht auf selbstgebaute Raketen), dass die Erde flach und keine Kugel ist. (Und lerne bei dieser Gelegenheit, dass das Experiment auch ergeben kann, dass die Hypothese eben falsch ist.)

Oder Mathematik. Ich kann mich erinnern, vor Jahren mal irgendwas im Zusammenhang mit Geodäsie und Landkarten gelesen zu haben, dass sie in Berlin mal irgendwas naiv zweidimensional angegangen sind, weil sie dachten, ist ja nur eine Stadt, da kann es auf die Erdkrümmung nicht ankommen. Und dann stimmten irgendwelche Abstandsrechnungen einfach nicht. Erst als sie sphärisch rechneten, hat es gestimmt, weil auch eine Stadt wie Berlin schon so gewölbt ist, dass es sehr wohl eine Rolle spielt. Ist auch Teil des Bootsführerscheines, weil man da lernen muss, wie weit man Leuchttürme sehen kann, bis sie hinter dem Horizont verschwinden. Oder der Abstand zwischen Längengraden, den Meridianen, immer kleiner werden, je weiter man vom Äquator weg ist. Oder man von her nach New York über Grönland fliegt, weil es der kürzeste Weg ist. Weil’s ne Kugel ist.

Ich kann deshalb dem politisch induzierten Gegorkse von Lesch und Steffens nicht zustimmen.

Mag sein, dass Verschwörungstheoretiker eine Menge Unsinn reden. Aber die Wissenschaft ist nie ohne Leute ausgekommen, die auch mal etwas bestreiten und damit Prüfung und Beweis oder Widerlegung veranlasst haben. Keppler und Co. kamen auch nicht wesentlich anders daher.

Das Problem sind nicht die Verschwörungstheoretiker.

Das Problem sind die Wissenschaftler, die durch Dummheit, Ideologie, Korruption, Qualitätsaufgabe zur Frauenförderung jegliche Glaubwürdigkeit verspielt haben.

Insofern würde ich die Sendung unter Propaganda und Political Correctness ablegen. Wer, wie Lesch gegen Ende skandiert, strikt wissenschaftlich arbeiten würde, würde solche Schwachsinnssendungen nicht senden.

Das Fernsehen verblödet zunehmens. Besser als Verschwörungstheoretiker sind die auch nicht mehr.