Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Billige Selfie-LED-Ringlichter

Hadmut
17.10.2020 17:12

Mmmh.

Wer sich ein bisschen in der Fotografie tummelt, der weiß, dass Ringlichter und Ringblitze zwar kein wichtiges Hauptwerkzeug, aber ein beliebtes Sonderhilfsmittel in der Portrait- und Macrofotografie sind.

Es gibt sie in verschiedenene Größen und Bauformen, als Blitzgeräte mit ordentlich wumms und ringföhrmiger Blitzröhre, wo es dann auch richtig kracht, wenn man auslöst, und die einige Entfernung überbrücken können. Dann waren auch mal die Leuchtstoffröhren in Ringform, die man früher in normale Deckenlampen machte, auch als Ringleuchte in Mode. Und nun eben als LED. Es gibt noch was ganz schräges, ich hatte mir vor so ungefähr 15 Jahren mal einen Lichtleiter-Ring gekauft, der eigentlich nur aus optischem Kunststoff besteht und auf ein normales Blitzgerät gesteckt wird, das Licht aber dann so in einen Plastikring leiten soll, dass es von da aus so richtig schön rund nach vorne geleitet wird. Naja, so mehr oder weniger, eignetlich nie außerhalb von Testfotos verwendet. War halt so ein Versuch aus der Vor-LED-Ära.

Dazu kommt, dass die Dinger dann, wenn sie Blitzgeräte sind und vielleicht noch den Akku dran haben, verdammt schwer sein können und die Arme schon nach Minuten ermüden.

Seit 20 Jahren gibt es sowas auch als kleine Ringlampen für Macroaufnahmen, die man vorne auf das Objektiv schrauben kann, das war aber lange Zeit auch nur Mist, weil die LEDs zu schlecht waren. Zu schwach, zu schlechtes Licht.

Inzwischen gibt es schon Macroobjektive, die sowas eingebaut haben.

Warum macht man das überhaupt? Eigentlich zwei Gründe:

  • Schattenfreie Ausleuchtung, weil das Licht von allen Seiten kommt. Besondere Bildwirkung, es nimmt dadurch auch die Tiefe. Dazu kommt, dass es manchmal auch sehr blass-platt aussehen kann, wenn so aus nächster Nähe beleuchtet, manche mögen das aber als Bildstil. Andere, wie beispielsweise Ärzte, verwenden das, um Verletzungen, Krankheiten und so weiter zu dokumentieren. Braucht man ein schönes Foto einer Geschlechtskrankheit für das nächste medizinische Fachwerk, ist auch das ein Mittel der Wahl.
  • Die Reflektion in den Augen.

    Viele finden es hübsch, wenn sich beim Fotografierten um die Pupille herum so ein weißer Ring zeigt. Es gibt auch Leute, die es mehr mögen, wenn links und rechts zwei stabförmige Licht stehen, das dann wie so zwei Klammern um die Pupille aussieht: (O)

Lange Zeit war da unter 100 Euro gar nichts zu machen. Blitze so ab 500.

Inzwischen bekommt man aber aus China/Amazon/Fotohandel für Selfie-Aufnahmen einfache LED-Ringlichter ab 10 Euro, teils noch mit Zubehör wie Stativen (billigster Plastik-kram, reicht aber so für die Dinger), kleinen Fernbedienungen oder Handy-Halterungen, weil ja für Selfie gedacht.

Habe mal welche in unterschiedlichen Größen bestellt und bin positiv überrascht. Die sind so billig, weil die keine eigene Stromversorgung mehr haben, nur noch einen USB-Stecker (gemessen: ein und zwei Ampere bei stärksters Einstellung, also 5 und 10 Watt), in drei Farbtemperaturen verstellbar, einer kann auch richtig rot-grün-blau.

Es ist zwar nur billiges Plastik, aber für den Preis: prima.

Was mir nur auffällt: Die, die die Dinger bauen und verkaufen, haben offenbar selbst nicht verstanden, wofür man sie verwendet. Oft ist nämlich in der Anleitung zu sehen, dass das Handy unterhalb des Ringes am Stativ befestigt wird. Dazu braucht man aber kein Ringlicht, denn er Ring entfaltet ja erst dann seine Wirkung, wenn man durch ihn durch fotografiert oder Video aufnimmt.

Nichtsdestotrotz: Für kleines Geld eine nützliche Hilfe für Portraits, Videoaufnahmen und Macrofotos.

Und hat dann, wenn die keinen Akku, sondern nur ein USB-Kabel dran haben, auch den Vorteil, dass die Akkus nicht kaputt gehen und das ganze Ding zu schrott machen können. Zuhause dann einfach ans USB-Netzteil, unterwegs an eine kleine USB-Powerbank, was zudem noch den Vorteil bringt, dass die Lampe sehr leicht bleibt und der Akku in der Tasche stecken kann. Die haben zwar dann auch nicht mehr wie früher Gewindeadapter, um sie vorne auf das Objektiv zu schrauben (sind ja auch ehr für Handy-aufnahmen gemacht), aber dafür gibt es ja Montageschienen für unten an die Kamera. Eigentlich auch viel besser.

Schöne Lösung für ganz kleines Geld.