Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Alte Smartphones und die Politik

Hadmut
18.6.2020 13:04

*Seufz*

Jetzt haben sie die Corona-App endlich draußen, die Kosten in gehobener zweistelliger Millionenhöhe für mich überhaupt nicht nachvollziehbar, die Leser laufen bei mir Sturm, ich solle doch was dazu schreiben.

Kann ich nicht, werd ich nicht. Ich hatte mich mal mit der Programmierung von Apps für iPhone und Android auseinandergesetzt, und jeweils auch testweise welche geschrieben, aber das war 2011/12. Seither bin ich einfach zeitlich nicht mehr dazu gekommen und hatte auch keinen direkten Bedarf. Ich kann die App auch nicht beurteilen, indem ich mal drauf rumtippe. Ich müsste mir den Quelltext und die Konzepte anschauen, und dazu fehlt mir gerade wirklich die Zeit.

Ich hatte vor einiger Zeit schon mal Bedenken geäußert, dass – egal wie die App intern gebaut ist – False Negatives und False Positives auftreten können, wenn Leute böswillig oder aus schlichtem Vergessen nicht eingeben, dass sie krank sind/waren oder auch umgekehrt, Erkrankungen nur vortäuschen, um Durcheinander zu stiften. Im Fernsehen wurde aber erwähnt, dass man das jetzt nicht einfach so eingeben kann, man muss dazu einen Code eingeben (oder QR scannen), der auf dem Laborbericht steht, der die Erkrankung bestätigt. Mal abgesehen davon, dass an anderer Stelle zu lesen war, dass das bisher nur wenige Labore könnten, hätte ich da wieder Datenschutzbedenken. Entweder wird der Code lokal im Handy auf Richtigkeit geprüft, dann kann man das hacken und umgehen. Oder es wird hochgeladen, dann hätte ich ein Stirnrunzeln.

Eine zentrale Frage wäre, welche Struktur diese Codes haben und wie die geprüft werden. Eine volle Signatur werden sie nicht unbedingt haben, wenn man den Code von Hand eintippen oder per QR scannen kann. Eine zentrale Frage wäre deshalb (eigentlich außerhalb der App), wann es publik wird, ob man solche Codes fälschen kann und wie, ob die also nur als solche geprüft werden oder ob da eine Datenbank hintendransteht, gegen die geprüft wird. Erinnert mich so auf den ersten Blick an den Angriff gegen Clipper in den Neunzigern. Matt Blaze, wenn ich mich jetzt richtig erinnere.

Da ich zum Beispiel nicht weiß, ob ich Covid schon hatte oder nicht, wüsste ich jetzt auch gar nicht, was ich da eingeben sollte. Wie auch, ohne Laborbericht.

Was mich jetzt aber gerade mal wieder bläht, ist dieser Bericht: Habeck: Corona-App muss auch auf alten Smartphones laufen

Tja, wenn Marxisten das fordern, dann muss das doch gehen.

Grünen-Chef Robert Habeck hat Einschränkungen der Corona-Warn-App kritisiert. “Es ist wirklich ein Problem, dass die App nur auf neueren Smartphones läuft. Dadurch lässt sie ausgerechnet Ältere oder Menschen mit wenig Geld außen vor”, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstag). “Auch sie müssen erfahren können, ob sie mit Infizierten Kontakt hatten. Die Bundesregierung muss jetzt alles dafür tun, dass möglichst alle Menschen die App nutzen können.”

Ja, das ist natürlich toll, wenn man alten Menschen mit alten Handys und veralteter Hardware – was bei Bluetooth heißen kann, dass die noch sehr viel Strom zieht und noch nicht die neueren low-energy-Varianten haben – die Akkus leerpumpt, damit die dann nicht mehr telefonieren können. Echt geil.

Und wie diese Bluetooth-Software auf alten Geräten laufen soll, die noch kein Bluetooth haben (ja,ja, früher gab’s Handys ohne Bluetooth), ist auch eine Frage, die ideologisch nicht unterzubringen ist. Zweifellos wird man als Sexist oder Rassist oder Mansplainer in die Ecke gestellt, wenn man darauf hinweist – oder darf wegen des Frauenstatuts erst gar nicht sprechen.

Die App soll bei Apple-Handys ab iOS 13.5 funktionieren. Android-Geräte sind theoretisch ab Android 5.0 (Lollipop) mit der für die App wichtigen Schnittstelle kompatibel, benötigen allerdings auch passende Bluetooth-Low-Energy-Hardware. [Update, 18.06.2020, 11:15 Uhr] Diese ist zumindest seit Android 4.3. ansprechbar. Und auch iPhones ab dem iPhone 4s können BT LE nutzen. [/Update] Experten schätzen, dass zwischen zehn bis 20 Prozent aller im Einsatz befindlichen Smartphones in Deutschland nicht die Mindestvoraussetzungen für die App erfüllen.

Darüber hätte man sich vielleicht etwas früher Gedanken machen können?

Erinnert mich irgendwie an BER, wo man auch erst zum Eröffnungstermin gemerkt hat, dass da was faul ist.

Damit auch Menschen mit älteren Smartphones die Anwendung nutzen können, will die Bundesregierung bei Apple und Google erreichen, dass die Mindestvoraussetzungen heruntergeschraubt werden.

Aha.

Die Bundesregierung will bei Apple und Google erreichen, dass die Bluetooth-Software auch auf Geräten ohne die nötige Hardware läuft.

Passend zum Digitalisierungskonzept der Regierung.

Mal vom Hardwareproblem abgesehen: Wie stellen die sich das vor? Betriebsystemupgrade? Auf alte Geräte, die dafür nicht genug Speicher haben? Bisher ist das Problem der Betriebssystem-Upgrades bei Android doch sowieso nicht flächendeckend geklärt, weil die ja in der Regel nicht von Google selbst, sondern von anderen Firmen als Lizenznehmer installiert und nach Lust und Laune oder eben auch nicht aktualisiert werden.

Und das fällt denen jetzt ein?