Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Waffen und Atemschutzmasken

Hadmut
6.6.2020 12:57

Nichts gelernt?

Diese Woche ging eine Welle gleichartiger Meldungen durch die Medien, der – älteste deutsche – Waffenhersteller Sig Sauer sei pleite und müsse sein Werk schließen. So schrieben viele, etwa T-Online

Sie stellten lange Zeit Standardpistolen der Polizei her – jetzt ist dem Waffenproduzent Sig Sauer das Geld ausgegangen. Ein Grund für die Pleite ist dabei auch die Corona-Krise.

Der Waffenproduzent Sig Sauer ist zahlungsunfähig. “Die Entscheidung der Gesellschafter ist bitter und macht mich traurig”, bestätigte Geschäftsführer Tim Castagne gegenüber der “Bild”-Zeitung. Er informierte demnach am Donnerstag die Belegschaft und den Betriebsrat darüber, dass der Standort in Eckernförde geschlossen werden muss. 125 Mitarbeiter verlieren ihre Arbeit.

Grund für die Schließung sei das ausbleibende Geschäft in der Corona-Lage, aber auch die Tatsache, dass sich Sig Sauer bei Großaufträgen, zum Beispiel beim neuen Sturmgewehr der Bundeswehr, nicht gegen die Konkurrenz habe durchsetzen können, sagte Castagne weiter.

Als Quelle wird AFP genannt.

Hier der Ur-Artikel der BILD. Da steht es dann schon anders. Da habe der Geschäftsführer nur gesagt, dass der Standort Deutschland schließen werde. Und „ist nach BILD-Informationen pleite”. Die AFP-Meldung sagte zwar nicht, aber insinuierte, das die Pleite-Meldung ovm Geschäftsführer selbst gekommen sei.

Schaut man in die WELT, dann sieht die Story dort aber ganz anders aus:

Deutschlands ältester Waffenhersteller SIG Sauer geht in die USA

Die traditionsreiche Waffenschmiede SIG Sauer schließt ihren letzten deutschen Standort Eckernförde. Damit verpuffen die deutschen Waffenexportverbote. In den USA punktet der Waffenhersteller beim Militär.

Der Waffenkonzern SIG Sauer zieht sich aus Deutschland als Produktionsstandort zurück. […]

Die Standortnachteile erlaubten keine wirtschaftliche Produktion mehr, heißt es zur Begründung.

Branchenkenner gehen davon aus, dass SIG Sauer im Gegenzug seinen großen US-Standort in Newington im US-Bundesstaat Connecticut weiter ausbaut. Der in Privatbesitz befindliche Konzern hat rund 2000 Beschäftigte, mit einem Schwerpunkt in den USA.

Nach zuletzt veröffentlichten Zahlen erzielte der Konzern 2018 nur noch sechs Prozent seines Umsatzes in Deutschland. Mit dem Wegfall der Produktion im Inland verpuffen nun die deutschen Waffenexportverbote. […]

In der Branche wird diskutiert, ob die Behördenkunden künftig komplett mit Pistolen und Gewehren aus den USA versorgt werden. So gehört die Polizei in Schleswig Holstein, Berlin oder Rheinland-Pfalz zu den SIG-Sauer-Kunden. Sollten Behördenkunden auf inländischer Produktion bestehen, könnte der Konkurrent Heckler & Koch profitieren.

So konnte sich SIG Sauer nicht um das neue Sturmgewehr für die Bundeswehr bewerben, weil in ihrem Vorschlag – angeblich eine Variante des Sturmgewehrs MCX – auch US-Technik steckt und dies bei der Ausschreibung explizit ausgeschlossen wurde. […]

Nach einem langjährigen Ermittlungsverfahren wurden im April 2019 drei Manager, darunter Miteigentümer Lüke, vor einer Wirtschaftsstrafkammer zu Bewährungs- und Geldstrafen in Millionenhöhe verurteilt.

Die Angeklagten legten Revision beim Bundesgerichtshof ein. Kern des Verfahrens waren illegale Pistolenexporte zwischen 2009 und 2011 nach Kolumbien. Insgesamt wurden 47.000 Pistolen vom Typ SP 2022 in die USA geliefert, wofür SIG Sauer eine behördliche Ausfuhrgenehmigung hatte. Laut Anklage wurden davon aber mehr als 38.000 illegal nach Kolumbien weiterverkauft, für rund 14 Millionen Euro.

Zwei unterschiedliche Stories über denselben Sachverhalt.

Die einen erzählen uns, die seien pleite und zahlungsunfähig wegen Corona, und seien bei der Ausschreibung um das Gewehr nicht konkurrenzfähig gewesen.

Die anderen sagen, sie hätten bei der Ausschreibung gar nicht erst teilgenommen, weil sie teilamerikanischer Hersteller sind, und hätten hier in Deutschland nur noch geringes Geschäft, würden aber durch die Rechtslage vom internationalen Geschäft abgehalten, weshalb die sich nun alleine auf ihren Standort USA zurückziehen.

Welche Version stimmt?

Da die ja nun offenbar nicht sofort dicht machen und die tatsächlich in den USA ein Werk haben und dort viel produzieren, tendiere ich zu der Variante, dass die einfach die Schnauze voll von hier haben und man durch die hiesige Politik schon wieder mal ein Unternehmen ins Ausland vertrieben hat, die Presse das nur nicht so darstellen will oder soll.

Hatten wir nicht neulich noch bei den Atemmasken die Erkenntnis zu haben geglaubt, dass wir die wichtigen Grundgüter hier in Deutschland herstellen müssten, um nicht von Importen und dem Wohlwollen anderer Staaten abhängig zu sein und wieder Weltkrisen zum Opfer zu fallen?

Was ist eigentlich, wenn hier größere Unruhen ausbrechen und die Polizei nicht mit Schusswaffen versorgt werden kann?

Oder ist genau das die Idee dahinter? Gehört das Vertreiben eines Herstellers für Polizeipistolen eben gerade zur Entpolizeiisierung?