Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Blutige Anfänger – und meine Vermutung

Hadmut
6.6.2020 19:46

Über die Anhörung der Polizisten im Fall George Floyd. Und was ich über den Fall denke.

Ich hatte ja schon erwähnt, dass ich es für erforderlich hielte, auch mal die Polizisten anzuhören, bevor man das Urteil festlegt.

Die Star Tribune schreibt über die erste Anhörung der drei anderen Polizisten. Normalerweise ist sowas ein rein verfahrensrechtlicher Akt, bei dem noch gar nichts an Information herauskommt, aber hier war das offenbar aufschlussreich.

Abgesehen davon, dass die drei auf den Fotos hautfarbengleich aussehen, ist einer ein „Schwarzer” und einer ein Asiate. Wenn man, wie Linke das immer so gerne tun, behauptet, dass Rassismus nur von weißen Männern kommen könnte, andere zu Rassismus gar nicht fähig wären, dann fallen zwei von vornherein heraus, weil sie schon nach dem Narrativ Linker keine Rassisten sein können und das „rassistische Motiv” also selbstwidersprüchlich ist.

Interessant aber:

Defense attorneys said Kueng, 26, of Plymouth was working his third shift ever as a full-time officer and Lane, 37, of St. Paul was working his fourth day as a full-time officer on the day they encountered Floyd.

Zwei davon, Kueng und Lane, also der „Schwarze” und der zweite Weiße, waren blutige Anfänger. Kueg hatte erst seine dritte Schicht im Volldienst, und Lane war erst den vierten Tag im Dienst.

Natürlich verteidigen sie sich damit, dass sie als Anfänger nicht in der Lage und Position sind, einem leitenden Officer – Derek Chauvin, der mit dem Knie – mit 19 Jahren Berufserfahrung zu widersprechen.

“At all times Mr. Kueng and Mr. Lane turned their attention to that 19-year veteran,” Plunkett said. “[Kueng] was trying — they were trying to communicate that this situation needs to change direction.”

Charging documents show that Lane asked twice if they should roll Floyd onto his side and was rebuffed by Chauvin. Kueng took Floyd’s pulse and told his colleagues, “I couldn’t find one,” according to the criminal complaint.

Ich glaube nicht, dass man zwei so blutige Anfänger in ihren ersten Dienst-Tagen (falls das so stimmt) dafür drankriegen kann, einen Kollegen mit 19 Jahren Diensterfahrung nicht unterbrochen oder weggezogen zu haben.

Wie beschreiben die den Sachverhalt?

Lane and Kueng had responded about 8:08 p.m. to a call that a man used a counterfeit $20 bill at the Cup Foods on the corner of Chicago Avenue and E. 38th Street. They found Floyd sitting in a car nearby, handcuffed him and attempted to put him in their squad car. Chauvin and Thao arrived to assist.

While charging documents said Chauvin pulled Floyd out of the squad, Gray said Thursday that Floyd resisted arrest, “asserted himself” and later “flew out” of the squad through his own actions.

Das finde ich jetzt sehr komisch.

Denn eigentlich würde man erwarten, dass immer ein erfahrener Polizist mit einem Anfänger unterwegs ist. Hier aber sollen Lane und Kueng zusammen unterwegs gewesen sein, zwei Anfänger zusammen auf Streife?

Sehr komisch.

Die erfahreneren Chauvin und Thao seien dann zur Unterstützung dazu gekommen.

Und dann sagt die Anklage, Chauvin hätte Floyd wieder aus dem Wagen gezogen, während Lanes Anwalt sagt, dass Floyd sich widersetzt habe, sich gegen die Polizisten durchgesetzt habe, und dadurch selbst aus dem Wagen gefallen sei.

Es wirft ein etwas anderes Licht auf die Sache. Falls das so stimmt.

Demnach wären da zwei Anfänger gewesen, so Police Academy-mäßig, was Floyd – falls die Darstellung so stimmt – wohl ausgenutzt hat, der war immerhin Rausschmeißer/Türsteher in einer Bar, groß und kräftig, um die da zu falten. Dann kamen das berufserfahrenere Duo Chauvin/Thao dazu, sieht wohl, dass die zwei Anfänger sich da nicht durchsetzen konnten, und Floyd da wohl mit den zwei Polizisten Spielchen treibt, und – so interpretiere ich das jetzt mal frei nach Lebenserfahrung – wollte dem mal zeigen, wo der Hammer hängt und wer da Chef im Ring ist. Es hört sich für mich danach an, als wollte der Widerstand gegen die Polizei gar nicht erst einreißen und zur Gewohnheit werden lassen, damit die sich da nicht lächerlich machen.

Ich will damit nicht sagen, dass ich das für gerechtfertigt hielte.

Aber es wäre zumindest mal ein Ablauf, der mir plausibel und nachvollziehbar erschiene.

Die Videodokumentation

Dazu gibt es eine Videodokumentation der New York Times, die die verschiedenen Überwachungskamera- und Handy-Videos zusammenschneidet, die man sich unbedingt ansehen sollte.

Meine Interpretation

Wenn ich mir die Story und dieses Video anschaue, drängt sich mir eine deutlich andere Interpretation auf.

Wenn ich mir diese Szene, dieses Video anschaue, dann sehe ich da etwas völlig anderes als der Rest der Welt.

Ich sehe und höre, dass Floyd da durchaus sprechen konnte. Der ist durchaus nicht an Atemproblemen erstickt, denn wer nicht atmen kann, kann auch nicht so sprechen. Und es ist auch nicht möglich, dass Chauvin, wie im Netz verbreitet wurde, auf dessen Kehlkopf geniet habe – es sei denn, Floyd habe zwei davon, einen vorne und einen hinten. Das hätte aber in der Autopsie gestanden.

Chauvin sagt zu ihm, er soll aufstehen und in das Auto. Das passt ja nicht zu dem Vorwurf, dass er ihn da am Boden festgehalten hat, wenn er immer wieder zu ihm sagt, dass er in das Auto soll. Seltsam allerdings, warum Chauvin ihn auffordert, in das Auto zu steigen und ihn trotzdem gleichzeitig festhält.

Was geht in Chauvins Kopf vor?

Mir drängt sich deshalb die Frage auf, ob „I can’t breathe” gar nicht meinte, dass Floyd da am Boden keine Luft bekommt, sondern dass er sagen wollte, dass er nicht im Auto sein kann, weil er im Auto nicht atmen kann.

Es hieß doch, Floyd habe gesagt, er habe Klaustrophobie.

Für mich sieht das so aus, als hätten Kueng und Lane den bis dahin halbwegs friedlichen Floyd in das Auto verfrachtet, worin der dann aber einen klaustrophobischen Anfall bekommen hat. Verständlich für jemanden, der a) lange im Knast war und b) auf Drogen ist. Und es hieß, dass Floyd aufgrund seines Widerstandes selbst aus dem Wagen gefallen sei.

Das würde für mich dazu passen, dass der da drin einen klaustrophobischen Anfall bekommen hat und unbedingt raus musste. Was ein bisschen komisch ist, weil er in seinem eigenen Auto ja auch sitzen konnte, aber das ist vielleicht etwas anderes.

Dann kam Chauvin und hat ihn – hörbar – dazu zwingen wollen, wieder in das Auto zu steigen.

Wollte Floyd damit sagen, dass er im Auto nicht atmen kann und deshalb raus musste, nicht im Auto sein kann? Dass es nicht um das Knie, sondern um die Klaustrophobie im Auto ging?

Ich weiß, dass es Klaustrophobiker gibt, deren Angst darin besteht, zu ersticken, keine Luft mehr zu bekommen. Die, wenn man sie befreit, erst mal raus müssen um zu atmen. Die glauben, sie können in engen Räumen keine Luft bekommen.

War das ein Streit, der darum ging, dass Chauvin ihn dazu zwingen wollte, ins Auto zu steigen, und Floyd sagen wollte, dass er im Auto nicht atmen kann? Ging es darum, dass Chauvin Floyd deshalb mit so großer Gewalt zwingen wollte, um dessen klaustrophobische Abwehrreaktion zu brechen?

Variante b) Kann es sein, dass ich das falsch interpretiere, die Polizisten es aber ebenso falsch interpretiert haben?

An der amtlichen Autopsie irritiert mich, dass es eben eine Autopsie und kein gerichtsmedizinischer Befund ist. Die beschreiben da den Zustand des Körpers, aber eigentlich sagen sie nicht, woran er denn jetzt gestorben ist. Ich kann das als Laie überhaupt nicht beurteilen. Allerdings hatte er keine tödlichen äußeren Verletzungen, und ich glaube mich erinnern zu können, irgendwo mal gehört oder gelesen zu haben, dass Erwürgen eindeutige Spuren hinterlasse, etwa Einblutungen in den Augen. Wäre Floyd durch das Knieen erwürgt worden, hätte der sich wohl anderes angehört und es hätte Niederschlag in der Autopsie gefunden. Der ist wohl nicht atmungs-erstickt.

Was sie aber erwähnen, ist, dass der erhebliche arteriosklerotische Gefäßverengungen hatte. Da würde ich eher vermuten, dass ein Abdrücken der Halzschlagader zu einem Kreislauf-Ersticken oder zu einem Kreislaufversagen geführt hat.

Ich habe mal vor etwa 40 Jahren selbst miterlebt, wie beim Sportfechten zu später Stunde, die Teilnehmer des Turniers waren schon alle erschöpft, jemand einen seitlichen, nicht mal festen, völlig zulässigen Treffer mit dem Säbel gesetzt hat, der den Gegner auf der linken Seite am Kopf traf, und so haarscharf unter dem Rand der Maske vorbeiging. Normalerweise kein Problem, aber der Getroffene hatte versäumt, seine Schutzweste nach der Pause wieder zu schließen, den Kragen und den Reißverschluss noch offen, und der Kampfrichter hatte es auch nicht bemerkt. Deshalb ging der Treffer zwischen Maske und offenem Kragen durch direkt auf den Hals. Obwohl so schwach, dass keinerlei äußerliche Verletzung zu sehen war, kein Kratzer, sackte der Getroffene sofort in sich zusammen, fiel auf den Boden wie erschossen, und obwohl sofort ein Arzt da war, der nur ein paar Meter entfernt gestanden hatte, haben sie etwa 10 Minuten gebraucht, bis der wieder bei sich war. Und der konnte an dem Tag auch nicht mehr fechten. Und ich weiß, dass das wirklich kein harter oder fester oder unfairer Treffer war, sondern ein zwar sehr schneller, aber nur leicht ausgeführter. Der Fechter, der da getroffen hat, war ich nämlich selbst, das war nur aus dem Handgelenk eine schnelle kurze Drehbewegung. Auch nicht lang genug, um überhaupt ausholen zu können. Nur so ein schneller Tick mit der Spitze aus der Feinarbeit. Sowas spürt der Getroffene normalerweise kaum. Aber der fiel sofort um. Die sagten auch sofort, dass das keine Schuld des Gegners (meine) war, sondern der selbst für seine Schutzkleidung verantwortlich war und es da am Hals eben irgendwas gibt (ich weiß es nicht mehr, was die sagten), wo sofort das Licht ausgeht, vor allem, wenn die Leute schon erschöpft und ermüdet sind. Am nächsten Tag ging’s dem wieder, als wäre nichts gewesen. Das ist mir aber so in Erinnerung gelieben.

Festzuhalten wäre jedenfalls, dass die ganze Festnahme wohl rechtswidrig war, weil, soweit zu lesen war, der Geldschein nicht gefälscht war. Es war zwar die Rede von einer grotesk schlechten Fälschung, bei der die Farbe schon verlaufen ist, die aber von jemand anderem stammte.

Ich sehe den Fehler darin, dass die erst mal hätten klären müssen, was an dem Falschgeldvorwurf dran ist, anstatt mit einer Festnahmen anzufangen, obwohl der doch bis dahin nach meinem aktuellen Wissensstand gar nichts falsch gemacht hatte. Beachtlich ist auch, dass ihn die Verkäufer zunächst selbst beschuldigt hatten, der dann aber nicht weggefahren sondern dort gelieben ist. Das hätte jemand, der (wissentlich) mit Falschgeld bezahlt hat, wohl nicht getan.

Und zwei Anfänger da als Paar zum Einsatz zu schicken, war sicher auch übel.

Für mich sieht das jetzt aber nicht nach rassistischem Erwürgen aus, zumal der Polizist Chauvin sich da für mich einfach anderes anhört. Der hört sich für mich formal, zwar rigoros, aber eben rigoros formal an. Ich entnehme dem Video, dass dessen Ziel es war, Floyd in das Auto zu kriegen und das durchzusetzen.

Für mich sieht das eher so aus (und ich war ja nun auch schon in einigen Gegenden der USA), als sei das dort alles so überfordert, auf Krawall gebürstet, gegenseitig konfrontiert, sich so gegenseitig hochschaukelt, dass das früher oder später einfach mal irgendwann irgendwo irgendwie ganz schief gehen musste. Für mich sieht das aber nicht nach einem böswilligen Erwürgen aus, sondern danach, dass das daily business dort schon so kaputt ist, dass es einfach nach der Wahrscheinlichkeit irgendwann mal anbrennen musste.

Was mich daran erheblich stört ist, dass man die Sache völlig einseitig und isoliert sieht und bewertet. Wie ein geschnittenes Video, in dem man nur das zeigt, was man sehen soll. Wenn dieser Polizist Chauvin aber seit 19 Jahren Polizist war, dann wäre eine zentrale Frage, ob sein Vorgehen eine Folge dessen ist, was in den letzten 19 Jahren passiert ist.

Man kann nicht ständig, wie das in den USA eben auch so ist, auf die Polizei einprügeln, sie ständig angreifen und ihnen das Leben schwer machen, und wenn dann einer mal die Grenzen überschreitet sofort „Mörder” schreien. Denn die Technik, etwas über lange Zeit hochzuschaukeln und zu provozieren, bis es anbrennt, und dann isoliert „Schurke” zu schreien, ist bekannt.

Komischerweise reden ja alle immer so gerne von den sozialen Umständen, vom Ansozialisierten, von den gesellschaftlichen Verhältnissen. Die so stark seien, dass sie neutrale Wesen zu Frauen formen könnten. Hier dann komischerweise nicht.