Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die Porno-Branche

Hadmut
16.11.2019 16:29

Leser fragen – Danisch weiß es auch nicht.[Nachtrag]

Neulich fragte mich ein Leser, wie sich diese Pornoseiten eigentlich finanzieren, auf denen man massenhaft Pornos für umme schauen kann.

Weiß ich nicht. Keine Ahnung. Ich weiß nicht mal, wie der Leser da jetzt auf mich kommt, um zu fragen (es sei denn natürlich, er hält mich für universalkompetent in Sachen Internet und so). Meine Vermutung war, dass die viel Material schlicht kostenlos bekommen, weil ja nun im Bereich des Exhibitionismus die Damen führend und die Amateurpornos beliebt sind, und vermutlich auch viele Professionelle das nutzen, um sich bekannt zu machen oder anzulocken.

Golem berichtet gerade, dass Paypal sich aus undurchsichtigen Gründen nunmehr weigere, die Zahlungen von Pornhub an Darsteller weiterhin auszuführen. Jetzt stellen die ihre anderen Zahlungsmethoden vor.

Das hätte ich jetzt nicht gedacht, dass die Pornoplattformen die Darsteller direkt bezahlen und die alle bezahlt sind. Man hörte ja mal vor Jahren, dass der Katzenjammer in den USA (ich glaube, es war Kalifornien) groß sei, weil die Pornobranche zusammenbreche, weil das Pornomodell so inflationär sei, dass kaum einer noch für Pornofilme zahlt. Früher gab’s ja auch noch jede Menge Sex-Shops in der Stadt, wo man sowas kaufen konnte, aber inzwischen sieht man die praktisch nicht mehr. Jetzt geht es eher so um Online-Accounts mit Geldeinwurf und Streaming.

Insofern hätte ich vermutet, dass es kommerzielle Pornoproduktionen herkömmlicher Art kaum noch gibt. Ich war ja sogar im Rahmen der Eingewöhnung an die Berliner Kulturszene auf dem Pornofestival und kam mir da seltsam vor, mit einem auf vornehm und intellektuell machenden Publikum im Kino Pornos wie im ernsthaften Film zu schauen und hinterher im Foyer an Stehtischen und mit Fingerfood die Aspekte zu diskutieren. Ich nahm an, dass sich das inzwischen auf politisch geförderte Themennischen wie eben Frauenpornos reduziert und hörte auch dem Vortrag der Pornoproduzentin Erika Lust (die heißt wirklich so) zu. Ehrlich gesagt, habe ich ihr Konzept nicht so wirklich verstanden, aber anscheinend verdient sie viel Geld damit, weil ihre weibliche Klientel meint, dass die emanzipierte Frau nun eben das kaufen muss, was man als „Frauenporno” bezeichnet. Mich erinnern Frauenpornos immer an Mietverträge. Da steht ja immer drin, dass man den Parkett-Fußboden einerseits regelmäßig feucht reinigen muss, aber nicht nass machen darf. (Wasch mich, aber mach mich nicht nass – als Vertragsklausel.) Sie nennen es dann „nebelfeucht”. Bis ich im Laden mal feuchte Bodenwischtücher sah, die als „nebelfeucht” angepriesen wurden. Das Produkt muss keinen Sinn ergeben, es reicht, wenn die Kunden glauben, dass sie das jetzt kaufen müssen.

Ich bin fest überzeugt, dass wenn man welche der von Lust gedrehten Pornos unter dem Namen eines feminismuskritischen Mannes (etwa meinem) herausgeben würde, die Shitstorms und feministischen Proteste eskalieren würden. Es geht da nicht um das, was gezeigt wird. Es geht darum, dass man sich beim Schauen feministisch fühlen soll. Wie bei dieser feministisch-politischen Pornodarbietung, bei der der Film einfach … – verdammt, fast hätte ich „grottenschlecht” geschrieben, aber das wäre hier verfänglich – … einfach lausig war, das Kino-Foyer aber mit rosa Plüschmösen aller Größe ausgelegt war, damit das auch ganz bestimmt als feministisch verstanden wird.

Mich würde es ja mal sehr interessieren, wie Pornoakteurinnen eigentlich entlohnt werden.

Und, seien wir ehrlich, so wirklich Neues bringen sie nicht. Irgendwie weiß man immer schon vorher, wie die Handlung ausgehen wird. Ist auch nicht so schwer, die Handlung zu verstehen.

Ich hätte nicht gedacht, dass das außer für ein paar Nischenanbieter noch ein tragfähiges Geschäftsmodell sein könnte. Es gibt zwar noch diverse Pornoproduzenten, aber ich weiß nicht, warum. Geldwäsche?

Nachtrag: Doch, einen Gedanken hätte ich. Könnte es sein, dass sich die Plattformen da ein paar Pornosternchen halten, damit die einen Grundstock an mit halbwegs professionell gedrehter Bildqualität produzieren und nicht alles nach Amateuer aussieht und die quasi als Vorturnerinnen, Animateurinnen, Vorbild gelten, ähnlich wie bei den Influencerin, weil dann viele Frauen als Amateure folgen und sich das deshalb rechnet, weil zu jedem von bezahlten Darstellerinnen produzierten Stück dann noch ein Haufen kostenloser Amateurpornos dazukommen, die man dann per Werbung monetarisieren kann?

Das also quasi ein System ist, in dem man die Masse durch ein paar Animateure und Initialzünder dazu bringt, per Herdentrieb das nachzumachen?