Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die Drogen-U-Bahn

Hadmut
16.11.2019 18:40

Und da regen die sich über das Kokain-Taxi auf…

Neulich gab es ja die Empörung, weil man sich in Berlin inzwischen Drogen wie Pizza telefonisch bestellen und an die Haustür liefern lassen kann. Koks-Taxi. Scheint nicht so ganz zu funktionieren, weil irgendwo stand, dass die Polizei die Drogendealer nicht mehr jagt, sondern sie sich einfach kommen lässt.

Dabei weiß doch jeder, dass es die meisten Drogen in Berlin in den Parks und in den U-Bahn-Stationen gibt. Ich wohne ja hier an der U8 (und glücklicherweise auch nicht weit von U1, U2 und S-Bahn) und beobachte das nicht nicht, wie da mal mehr, mal weniger gehandelt wird, sondern hatte da auch mal so ein Gruselerlebnis, als ich mal sehr früh zum Flughafen musste und es hier in der Zwischenetage so voll von Dealern und Kunden war, dass ich förmlich drum bitten musste, ob sie mich mal durchlassen könnten. Ich hatte es allerdings auch schon an der U1 erlebt, dass man aus der U-Bahn-Station nicht mehr rauskommt, ohne mindestens dreimal Drogen angeboten zu bekommen – dazu muss man wissen, dass man in Berlin auch ein Messer in die Rippen bekommen kann, wenn man das Angebot nicht annimmt. Manche Drogendealer sind eher eine Art Erpresser oder Räuber, die dem Opfer zum Trost dann Drogen geben.

Man sieht das auch gelegentlich, wie Käufer und Dealer das anbahnen, dann so auffällig unauffällig dicht nebeneinander und jeder in eine andere Richtung guckt, als würden sie den jeweils anderen gar nicht sehen und sie da alleine stehen, alles reiner Zufall, und dann so mit abgewinkelten Händen so auf Hüfthöhe der eine dem anderen den Fuffi zusteckt und dafür ein Tütchen bekommt.

Neulich ist ja in Berlin wieder einer vor die U-Bahn gestoßen und überfahren worden. Am U8-Bahnsteig Kotti (Kriminalitätsschwerpunkt Kottbusser Tor), Umsteigebahnhof zur U1. Es soll um ein Drogengeschäft gegangen sein.

Ich hatte hier mal mit einem Lokalpolitiker darüber gesprechen, der wissen wollte, wie’s hier so wäre. Der sagte mir dann, dass das Top-Drogengeschäft eigentlich entlang der U1 in der Gegend um den Görli(tzer Park) ist (da, wo mir diese regelrechten Drogen-Drücker-Kolonnen warten), das aber von den brutaleren Afrikanern übernommen worden sei und die unterlegenen Araber sich deshalb in die Querstraßen und damit auch die U8 ausweichen mussten.

Vorhin habe ich es im Supermarkt im Zeitschriftenregal schon gesehen, jetzt auch online entdeckt: Die BZ berichtet von einem Mann, der mal das Drogenproblem entlang der U8 fotografiert (was ich für lebensgefährlich halte, wenn es einer merkt) und an die Stadtverwaltung geschickt hat.

Antwort: Blabla, inakzeptabel, blabla.

Es ist aber seit Jahren bekannt und akzeptiert. Alle Jubeljahre mal gibt es eine Polizeirazzia, aber sonst passiert nichts. Am Kotti(U8) haben die inzwischen ihren festen Bereich am Bahnsteig, und das wird geduldet. Und die rauchen da auch eigentlich immer und unbehelligt, obwohl pro Forma das Rauchen in U-Bahnhöfen eigentlich verboten ist. Aber es wird halt politisch geduldet.

Und dann

Dann schreibt Pallgen ausführlich, was er von dem Geschehen hält: „Ihre Leser haben völlig Recht: Die Zustände am U-Bahnhof Schönleinstraße mit allen Auswirkungen auf Anwohnerinnen und Anwohner, Gewerbetreibende sind absolut inakzeptabel. Der Konsum von Drogen und die damit im Zusammenhang stehenden Begleiterscheinungen sind ein gesamtgesellschaftliches Problem, das allein mit polizeilichen Mitteln nicht zu lösen ist.“

Man gehe „seit Jahren“ verstärkt gegen den illegalen Handel mit Betäubungsmitteln und dessen Begleitkriminalität durch eine Vielzahl zielgerichteter Maßnahmen vor.

Dazu arbeite die Polizei auch intensiv mit der BVG zusammen, so Pressesprecher Pallgen. „Hier werden nahezu täglich, auch auf der Linie U 8 mit ihren Bahnhöfen, gemeinsame Streifen von Dienstkräften der Polizei Berlin und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der BVG durchgeführt. Daneben finden regelmäßig weitere gemeinsame Einsätze statt.“

Nöh. Ich habe Polizei gesehen, aber weit weltener als „nahezu täglich”. Jedenfalls nicht genug, denn es wird ja immer schlimmer. Besonders in der kalten Jahreszeit, wenn es politisch wieder geduldet wird, dass Leute in den U-Bahn-Stationen hausen. Hier an der U8-Station war die Zwischenetage schon wochenlang von Obdachlosen auf Matratzen bewohnt, da stank es wie sau, alles voller Dreck, Spritzen, teils Kacke, weil die dann auch nicht bereit sind, ihren Abfall in einen Mülleimer zu werfen. Und nicht geklärt ist, wie das sanitär ablaufen soll. Und da soll man dann als Fahrgast durch. Und dagegen wird auch nichts gemacht. Die Kälte. Für Flüchtlinge jeder Art gibt es Notunterkünfte, etwa in den Hangars von Tempelhof. Die Obdachlosen- und Drogenszene soll in den U-Bahn-Stationen hausen.

Ich habe lange überlegt, warum „Das Linke” eigentlich so drogenaffin und -förderlich ist. Warum die unbedingt Drogen unters Volk bringen wollen. Sie haben ja da verschiedene Strategien, Legalisierung von Cannabis mit dem üblichen Linken-Argument, dass Alkohol doch schlimmer, aber legal sei. Man darf immer nur das stärkste Übel bekämpfen. Wenn man an einer Krankheit leidet, muss man jede schwächere akzeptieren. Das Alkohol-Argument ist dumm, aber beliebt.

Ich habe ja viel über das Belohnungszentrum im Gehirn, Herden- und Verhaltensprogramme, Amygdala und Drogenwirkung geschrieben, wie ich mir das aus Laiensicht so vorstelle und wie ich Beobachtungen interpretiere. Ich habe ja die starke Vermutung (und auch schon Fach-Äußerungen in diese Richtung gelesen), dass Drogen auf chemische Weise das Belohnungszentrum im Hirn reizen und auslösen, und das stärker als normalerweise möglich, das im Hirn soziales Wohlverhalten in Übereinstimmung mit Verhaltensprogrammen „belohnt”. Was man so normalerweise als Gewissen und Moral und so daherblubbert. In meiner Sichtweise gibt es Gewissen und Moral überhaupt nicht, sondern ein Kontrollzentrum, das Soll und Ist vergleicht und für Übereinstimmung ein „Das hast Du gut gemacht, hier hast Du ein Leckerli, Du darfst Dich jetzt gut und sozial und moralisch fühlen” während bei Abweichungen ein „Tu das nicht wieder und hab ein schlechtes Gewissen” ausgeschüttet wird.

Man könnte auch sagen, dass die Evolution uns mit einem adaptiven und überlegt handelnden neuen Gehirn ausgestattet hat und das alte, tierische Gehirnprogramm geblieben ist, das aber nicht außer Funktion ist, sondern getrennt und im Hintergrund mitläuft und ständig biochemisch Beifall oder Buh! auswirft.

Meine Vermutung ist, dass Drogen auf chemische Weise einen übermäßigen Beifall (Positiv-Meldung) auswerfen, den man normal nicht erreichen kann (manchmal aber auch den Horror einer exzessiven Negativ-Meldung). Und das der Grund dafür ist, warum sich Raucher häufig für sehr sozial halten, obwohl sie es überhaupt nicht sind, im Gegenteil sehr asozial. Trotzdem halten sie Rauchen für einen sozialen Akt. Anscheinend, weil sie per Droge das Belohnungszentrum auslösen, das dem Rest des Hirnes sagt „Ei, das hast Du aber gut gemacht…”, obwohl außer Rauchen nichts passiert ist.

Könnte es sein, dass Linke für ihre linke Gesellschaft die Drogen ganz dringend brauchen, weil daran nichts richtig funktioniert und diese Umverteilung eigentlich zutiefst ungerecht und asozial ist, weil immer mehr Leute auf Kosten anderer leben, und bei den meisten Menschen schlicht eine Sperre im Kopf gegen linkes Verhalten besteht, weil das Verhalten der Sozialisten zutiefst sozialwidrig ist, man aber einen gewissen Bevölkerungsanteil braucht, der per Droge überzeugt ist, gut und moralisch zu handeln?

Im Roman „Schöne neue Welt” (den ich bis auf den steilen Anfang eher enttäuschend fand) geht es ja darum, die Leute mit Konsum, viel Sex und der Droge Soma zufrieden und auf Zustimmung zu halten.

Braucht man Drogen, weil man eigentlich weiß, dass die linke Utopie nicht funktionieren kann?