Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Wer glaubt, er habe schon Pferde vor der Apotheke kotzen gesehen…

Hadmut
6.11.2019 19:30

…hat das wahre Ausmaß der Problemstellungen unserer Zeit noch nicht erfasst.

Da saß eine junge Apothekeninhaber im Nachtdienst allein in ihrer Apotheke und stand vor einem Problem, für das sie keine Lösung hatte.

Oder, um genauer zu sein, das Problem stand vor ihr, wie Apotheke adhoc beschreibt.

Es geht um die „Pilla danach”.

In der Nacht klingelte ein Kunde und verlangte das Notfallkontrazeptivum. Seine besondere Lage schilderte er der Apothekerin gleich zur Begrüßung. Er sei transsexuell und habe mit der Hormontherapie bereits begonnen. Doch in der Nacht war es zu einer Verhütungspanne gekommen und nun fürchtete der Kunde, noch schwanger geworden zu sein.

Die Apothekerin hatte allerdings zu große Bedenken, in dieser Behandlungsphase zusätzlich mit einem Hormonpräparat einzugreifen. Sie rief einen befreundeten Frauenarzt an, der riet aber ebenfalls von der Abgabe ab – jedenfalls ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt.

Die Verhütungspanne war aber in der Nacht von Donnerstag auf Freitag passiert und wegen des Feiertags und des anstehenden Wochenendes wäre eine Kontaktaufnahme am Montag selbst bei der Einnahme eines Ulipristal-Präparats höchst wahrscheinlich zu spät erfolgt.

Erstaunlich. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es nach Gender-Staatsdoktrin keine biologischen Geschlechter gibt, Hormone bedeutungslos sind und alles nur ansozialisiert ist.

Immerhin nahm die Sache ungewöhnlicherweise einen heiteren Verlauf

Es gab auch einen fröhlichen Moment in der Beratung: Während die Apothekerin, um in der ungewohnten Situation ganz sicher zu gehen, in den umfangreichen Checklisten blätterte, sagte der Kunde: „Ich glaube, so einen Fall hatten Sie auch noch nie.“ Das konnte die Apothekerin bestätigen und die beiden konnten über das tragisch-komische der Situation gemeinsam lachen.

Bedenklich ist aber auch, dass offenbar selbst 20-jährige konventionelle Frauen das Geschäft der Schwangerschaftsverhütung nicht mehr beherrschen:

Eine PTA aus Nordrhein-Westfalen berichtet vom Besuch einer Mutter mit ihrer etwa 20 Jahre alten Tochter gewesen. Diese hätten ein Privatrezept über fünfmal EllaOne vorgelegt. Die Erklärung des so großzügig verordnenden Gynäkologen habe ebenfalls auf der Verordnung gestanden: Die Patientin verbringe drei Monate im Ausland. Nach Rücksprache mit ihrem Chef verweigerte die PTA die Abgabe. Insgesamt kämen selten Frauen, bei denen ein „wirkliches Versehen“ passiert sei. Viele seien bei dem Thema Verhütung einfach nicht genug aufgeklärt.

Das Thema kam bei uns in Biologie im Rahmen der Sexualkunde kurz aber in den Grundlagen vollständig dran, in der schon erwähnten Schule, auf der ich war, und von der ich eine überaus hohe Meinung habe. Und diese Sexualkundestunden werde ich nie vergessen, die haben sich mit wegen zweier Details wirklich fest ins Gedächtnis gebrannt, beide so *Pruuust*-Faktoren.

Der eine war, dass wir damals eine überaus hübsche und attraktive Biologie-Lehrerin hatten, die da nun vorne stehen musste und und den ganzen Sermon samt Schnittbilddarstellungen des Penetrationsvorganges und das Spezifikum des Orgasmus erläutern musste – und zwar selbst gerade hochschwanger. Sie oszillierte zwischen unbremsbarem Grinsen und hochrotem Kopf hin und her, weil sich natürlich niemand dem Gedanken entziehen konnte, dass sie genau wusste, wovon sie redete…

Der zweite Brüller war, dass sie eine Fragerunde machte und uns ermutigte, man könne sie jetzt wirklich alles fragen. Wir hatten eine ziemlich hübsche in der Klasse, groß, hoch aufgeschossen, schöne lange Haare, eigentlich Topmodel-Kandidatin, wenn es das damals schon gegeben hätte, sehr nett, aber, naja, nicht zu leugnen, nicht die Hellste. Sehr liebe, sehr beliebt, aber halt schon manchmal ein bisschen doof. Und während die Jungs alle feixten, dreckig grinsten, obszöne Gesten machten, glucksten, saß sie so hoch aufgeschossen da, als hätte sie einen Besenstiel verschluckt, große Augen, völlig entsetzt über das, was sie da sah und hörte, und fragte fassungslos „Ja … aber wie geht denn das durch die Unterhose…?”

Da war’s dann ganz vorbei mit der Contenance und diese Biostunde für immer und unauslöschlich in mein Gedächtnis eingebrannt. Offiziell wurde nur gesagt, dass das in der Tat schwierig sei, und man sie deshalb einfach vorher auszieht, das würde das Unterfangen erheblich erleichtern. Ich habe dann aber erfahren, dass es danach nochmal ein tiefenerhellendes Fachgespräch von Frau zu Frau, von hochschwangerer Bio-Lehrerin zu ahnungsloser Schülerin gab, das sich zentral um etwas drehte, was sie noch nicht verstanden hatte. Hinterher hatte sie es wohl verstanden. Hat aber etwas gebraucht, bis die darüber hinweg war. Ergänzend wurde das dann klassenintern durch ein – damals noch schwer zu beschaffendes und zirkulierendes – Pornoheftchen ergänzt, sowas gab es damals noch, das wenig Fragen offen ließ und damit die Bildungslücke zwar rabiat, aber ebenso pragmatisch wie effektiv schloss und die causa beendete.

Insofern finde ich es beachtlich, wenn es heute 20-Jährige Töchter gibt, die samt Mutter das Thema Verhütung noch nicht durchdrungen haben.

Sagen wir es so: Pferde, die vor der Apotheke kotzen, sind eine vergleichsweise simple pharmakologische Aufgabenstellung und deshalb maßlos überbewertet.