Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Schadenfreude

Hadmut
1.11.2019 19:27

Es gibt sie noch, die kleinen Gerechtigkeiten.

Ich war eben noch in der Stadt, etwas besorgen. Rückweg mit der U-Bahn.

Beim Einsteigen passierte mir etwas, was mir in Berlin öfters passiert. Wenn man nicht in die modernen, langen, schlauchförmigen U-Bahnen, sondern in die älteren mit einzelnen Wagons steigt, und zwar nicht in die, die Zweiersitzbänke quer zur Fahrtrichtung, sondern Fünfersitzbänke längs zur Fahrrichtung haben, dann gibt es zwei Möglichkeiten, denn es gibt drei Eingänge pro Wagon. Man steigt an einem Ende ein, dann kommt man in einen Raum mit Stehplätzen, und von da in den Gang mit den beiden langen Sitzbänken an den Seiten. Oder man steigt in der Mitte ein und hat dasselbe, aber in zwei Richtungen. Ich war am Ende eingestiegen.

Wenn man dann da durchgeht, merkt man, wie feministisch verlogen die Nummer mit dem „manspreading”-Vorwurf ist. Es ist schon so, dass die Männer breitbeiniger dasitzen, aber nicht so, dass sie mehr Platz brauchen. Frauen belegen nämlich in der Breite mehr Platz, weil sie ihre Handtaschen neben sich stellen, oft auch absichtlich, um künstlich Abstand zu schaffen, und weil sie ihre Beine oft übereinanderschlagen, was Männer fast nie tun und auch oft nicht bequem können, und dann oft noch spitze Schuhe anhaben, und dann kommt man da mitunter durch den Gang gar nicht mehr durch, wenn man sich nicht durchrempeln will.

Der Punkt ist aber, dass der Durchgang von diesem Vorraum mit den Stehplätzen zu dem Gang mit den Sitzplätzen schmal ist. Wenn da jemand steht, kommt man nicht mehr durch, und wenn man am Ende eingestiegen ist, hat man auch keinen zweiten Gang.

Und was ich nun häufig beobachtet habe, dass Frauen, besonders die, die nach Feministin aussehen, immer dann, wenn hinter ihnen ein Mann ist, einfach breit stehenbleiben und mit Tasche und so weiter den Gang blockieren, bis sich Frauen aus der Gegenrichtung des Ganges Plätze gewählt und hingesetzt haben. Das habe ich schon oft beobachtet und erlebt. Frauen blockieren die Sitzplätze so, dass sich erst die Frauen setzen können. Sowas, wie es früher mal üblich war, dass Junge für Alte aufstehen, kann man zwar ab und zu noch beobachten, aber nie bei diesem Typ Frau.

Und genau das ist mir vorhin passiert. Ich bin eigentlich als erster eingestiegen, aber nicht sehr schnell und hatte etwas unter dem Arm, als sich zwei Frauen so mit deutlichem Gerempel an mir vorbeidrücken. Obwohl die beiden Sitzreihen fast leer waren, blieb die eine von beiden direkt vor mir am Durchgang zu den Sitzplätzen stehen und hat mich merklich blockiert, bis irgendwelche, ihnen fremde Frauen von der Gegenseite sich gesetzt hatten. Ich habe dann aber doch noch einen Sitzplatz ihnen gegenüber bekommen und gemerkt, dass sie da nicht nur völlig pikiert und selbstgefällig, noch dazu übertrieben geschminkt (warum kann ich eigentlich in die Stadt gehen, ohne mir was ins Gesicht zu kleistern, viele Frauen aber nicht? Wie glaubwürdig sind eigentlich Leute, die sich das Gesicht bemalen?) dasassen und sich gut vorkamen, sondern auch mit Taschen und Zeugs dafür sorgten, dass da, wo normalerweise fünf Menschen sitzen, nun nur vier Frauen saßen. U-Bahn-Sitzeplätze nur für Frauen.

Toll, dachte ich mir, genau die Sorte Frau, die sich über „man spreading” beschwert. Und bei nächster Gelegenheit über sexuelle Belästigung, obwohl mit denen auch keiner was zu tun haben will.

Weit sind sie nicht gekommen.

Außerdem eingestiegen ist nämlich der bullige Fahrkartenkontrolleur.

Und mit dem mussten die zwei dann an der nächsten Station wieder aussteigen.

*extradreckiges Grinsen*

[Sich reindrängen, extra breiten Sitzplatz beanspruchen, noch darüber bestimmen, wer wo sitzen darf, und dann nicht mal einen Fahrschein haben…]