Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Zwei ganz unterschiedliche Museen

Hadmut
16.6.2019 6:57

Man kommt so rum.

[Sollte eigentlich gestern erscheinen, aber irgendwie hat mich beim Schreiben die Müdigkeit dahingestreckt… ich bin im Schreiben eingeschlafen, nochmal kurz gerade so wachgeworden, um das Notebook wegzulegen, und habe am nächsten Morgen bis 10:00 verschlafen. Irgendwie war ich ziemlich groggy.]twww

Nachdem das mit der Freiheitsstatue nichts war, bin ich nebendran in das Museum of Jewish Heritage. Um dort zu erfahren, dass mein Pass nur für die normale Ausstellung im 3. OG, aber nicht für die Holocaust-Ausstellung gilt. Aber für nur 8 Dollar … *seufz*, also gut. Schaue ich mir also meine 387. Holocaust-Ausstellung an.

Ich war ja vor ein paar Tagen auf dieser Tour in die Bronx. Nach der Tour sprach mich ein älteres Ehepaar aus New York an, die die Tour mitgemacht und mitbekommen hatten, dass ich Deutscher bin. Er ganz begeistert, sei Soldat und in Deutschland stationiert gewesen, er liebe es. Und er kenne sich mit Deutschland ganz toll aus. Wann er das letzte Mal da war, hatte ich gefragt. Ja, damals, nach seinem Einsatz im Vietnam-Krieg. Aha. Und seitdem nicht mehr? Nein, aber er kenne doch die drei wichtigen Punkte von Deutschland: Das Brandenburger Tor, den Checkpoint Charlie und das „Concentration Camp Dackow” (er meinte Dachau, sprach es aber gruselig aus) und erklärte mir mit breitem Grinsen und dem begeisterten Gesichtsausdruck Ernest Borgnines, „Concentration Camps … that’s where they killed the jews…”. Ach, echt? Da war mir schon durch den Kopf gegangen, dass es da mit der Aufklärungsarbeit nicht zum Besten stünde. Insofern tun solche Ausstellungen Not und ich habe darin noch ein paar Informationen von alten Plakaten gefunden, die ich noch nicht kannte und sehr aufschlußreich fand. Schon beklemmend.

Schräg fand ich dann aber die Ausstellung zu „jewish heritage”, für die meine normale Eintrittskarte galt. Da war nämlich fast nichts.

Manchmal, eigentlich immer wieder, habe ich den Eindruck, dass sie über vor und nach dem Holocaust nicht viel zu erzählen haben. Dass sie nicht viel anderen Inhalt haben. Es ist bitterböse, aber machmal wirkt es auf mich, als wäre der Holocaust gar identitätsstiftend für die heutige Generation. Manchmal frage ich mich, wie deren Museen aussehen würden, wenn es den Holocaust nicht gegeben hätte. Ein Kerzenleuchter, ein Gebetsschaal, eine Thora und das war’s?

Ich halte es nicht nur für überaus gefärhlich, sondern geradezu selbstzerstörerisch, sich nur noch um den Holocaust zu drehen, denn am Ende hat man nichts anderes mehr. Am Ende sind es ausgerechnet die Nazis, die für heutige juden praktisch allein identitätsstiftend sind. Wenn man selbst gar nichts mehr hat.

Danach bin ich noch auf das Smorgasburg-Fest, etwas essen gegangen, und dann zu den nächsten Museen. Eigentlich wollte ich zum Museum für Mathematik, aber das hatte schon geschlossen.

Direkt um die Ecke ist das Museum für Sex. Unten mit Sex-Shop, in dem jede Menge Hersteller die deutsche Firma Fun Factory mit ihren Edel-Silikon-Vibratoren plagiieren. So ein kleiner frecher Rüttler saugt sich an meiner Fingerkuppe fest und saugt und saugt…die Verkäuferin grinst dreckig.

Seltsame Dinge verkaufen sie da. Eine Wasserflasche, auf der „Sex” steht. Man erwartet da ja irgendeine Sauerei in Form genitaler Körperteile der einen oder anderen Form, die in der Flasch verborgen sind. Nichts dergleichen. Eine ordinäre Wasserflasche. Begründung: Sex macht durstig.

Na, dann.

Das Museum ist klein, der Weg dadurch kurz, aber es ist pfiffig gemacht: Unerwartet findet man sich in einer sehr gut gemachten Multimediashow über den Umgang mit Sex seit der Antike. In einem anderen Ausstellungsstück zeigen sie Ausschnitte aus Pornos. Aber nicht das Gerammel, sondern nur die dämlichen Anbahnungsgespräche (so wie „warum liegt hier Stroh rum?”

Im Keller weitere Ausstellungsstücke. Der Morgenmantel von Hugh Hefner. Und ein – ganz offizieller, von der Regierung unterstützter – Playboy in Blindenschrift. Wie das gehen soll? Na, beim Playboy geht’s doch nur um die gehaltvollen Textartikel.