Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Über Stützstrümpfe und die rätselhafte Welt der Software

Hadmut
10.6.2019 15:47

Die Sache ist die:

Wenn es irgendwie möglich ist, sitze ich beim Fliegen am Gang. Ich kann es überhaupt nicht leiden, auf den äußeren Sitzen eingezwängt zu sitzen. Außerdem habe ich gerne leichten Zugang zum Gepäckfach und gehe auch gern mal aufs Klo oder im Flugzeug etwas spazieren. Mir bekommt das lange Sitzen aus gesundheitlichen Gründen nicht so, und deshalb ist es für mich wichtig, zwischendrin auch mal ein paar Schritte zu tun.

Deshalb wollte ich frühzeitig online einchecken, um mir einen Platz am Gang zu reservieren.

Ging nicht.

Der Webserver meinte, meine Reservierung gäbe es gar nicht.

Ich also einfach mal so zum Flughafen Tegel.

Unterwegs fällt mir ein, dass ich meine Flugstrümpfe vergessen habe. Beim langen Sitzen Touristenklasse werden mir meist die Beine und Füße dick, weil sich das Blut unten sammelt. Das ist nicht nur unangenehm und auch nicht ganz ungefährlich, ich komme auch in meine Schuhe so leicht nicht mehr rein. Daran merke ich dann sehr deutlich, dass Füße und Beine dicker werden. Nur ein paar Schritte zu tun reicht aber schon, um das Normalgefühl wieder herzustellen.

Dagegen gibt es Flugstrümpfe. Es sind schlicht Kompressionsstrümpfe, einfach ziemlich feste und enge Strümfe, die nicht so leicht anzuziehen und auch nicht bequem sind, aber die das alles zusammenhalten, damit es in Form bleibt. Nüchtern betrachtet sind es Stützstrümpfe, aber das will ja keiner hören und zugeben, weil es sich nach alter Frau anhört. Der Hersteller war nicht nur schlau genug, den Begriff zu meiden, sondern auch gnädig genug, den Dingern ein modernes, rasantes Design zu geben, das olympischen Spitzensportlern angemessen wäre. Wenn ich mich im Flieger in meine Flugsocken zwänge, bekomme ich erfurchtsvolle Blicke. Schau, ein professioneller Hochleistungsflieger. Trägt Socken wie Superman. Ich bin mir aber nicht sicher ob die knallengen roten Socken von Supermans Outfit Stützstrümpfe sind.

Meine Zaubersocken habe ich dieses Mal vergessen einzupacken.

Als ich dann beim Checkin drankomme, erwähne ich, dass der Online-Checkin nicht funktionierte (Flughafen-Checkin kostet bei manchen nämlich extra), und dass ich Plätze am Gang möchte.

Sie haben da zufällig noch Aufsichtspersonal von der Fluggesellschaft da, die den gesamten Vorgang überwachen. Das ist gut. Dachte ich zuerst.

Das erste, was sie mir nämlich sagen, ist, dass sie seit zwei Tagen eine ganz tolle, neue Software haben. Und dass sie damit schwer kämpfen. (Wohl doch nicht so toll.)

Das zweite ist, dass ihr System mit meiner Buchung nicht umgehen könne, weil ich über ein externes Portal gebucht hätte. Das Sytem kenne mich deshalb nicht. (Sie verhökern anscheinend Kontingente und wissen dann nicht, wer sie kriegt. Oder kriegen einfach die Software nicht gebacken.)

Das dritte, was sie mir sagen, dass ich durchaus ein gültiges Ticket habe und fliegen kann, dass sie das nur ihrem System noch einballern müssen.

Das vierte ist, dass mich das System ans Fenster gesetzt habe. Auf beiden Flügen seien alle Gangplätze schon weg, das sei nicht mehr zu ändern. Die gute Nachricht aber sei, dass es außen nur Zweierreihen seien, ich also nur einen und nicht zweie neben mir sitzen hätte.

Nichts mehr zu machen.

Als ich dann ins Flugzeug kam, staunte ich. Ziemlich viele freie Plätze. Und alles Gangplätze. Selbst auf den ersten Blick mindestens ein Dutzend Gangplätze noch frei. Und da soll ich keinen bekommen können? Kommen die noch?

„Boarding completed!”

Äh, was? Jede Menge freier Gangplätze und es soll nicht möglich gewesen sein, mir einen zugeben?

Der Brüller eins: Der Platz neben mir ist auch frei. Und bleibt frei. Obwohl sie sagten, es gäbe keine und wäre nicht möglich, hatte ich dann ich einen Fenster- und einen Gangplatz.

Brüller zwei: Die Maschine für den Anschlussflug von Philadelphia nach New York ist zu etwa einem Viertel leer. Ganze Sitzreihen leer, viele Gangplätze. Und ich soll da keinen kriegen können? Wieder bleibt der Platz neben mir frei, wieder habe ich einen Gang- und einen Fensterplatz.

Möglicherweise hat die Software die irgendwie fälschlich belegt und vielleicht haben sie sie deshalb nicht verkaufen können.

Tolle Software, das…

Die wunderbare Welt der Software. Ein Buch mit sieben Siegeln.