Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Etwas hat sich verändert

Hadmut
26.1.2019 20:57

Es verschiebt sich.

Ich bin in einer sehr ungewöhnlichen, aber glücklichen Situation.

Obwohl ich ja nun zweifellos nicht so schreibe (und das auch nicht will), dass alle meiner Meinung sind (dann wär’s ja auch nutzlos), man mir zwar gewisse sprachliche Fähigkeiten zuerkennt, die aber nicht unter spätromantischer Lyrik eingeordnet werden, und meine Sanftmut vielleicht nicht die herausragendste meiner Eigenschaften ist, sind doch 99% der Zuschriften, die ich bekomme, zustimmend, lobend, unterstützend, zuarbeitend. Danke. 🙂

An dem Rest der Zuschriften ist mir jedoch in letzter Zeit immer wieder eine signifikante Veränderung aufgefallen.

Früher bewegte sich das dann mal so in verschiedenen Artikulationsformen von „Du hast ja keine Ahnung”, „So ein Quatsch” oder „Versager, Depp, Idiot”. Entkleidet man das der spezifischen Sprachwahl, bleibt übrig, dass man mir Vorwürfe für das macht, was ich schreibe, was man in der ein oder anderen Form ablehnt, im Sinne von das hätte ich nicht schreiben dürfen, sollen, und so weiter. Gerne garniert mit der Androhung oder Ankündigung der Strafanzeige.

Das hat sich geändert.

In den letzten Monaten habe ich ein paar Zuschriften bekommen, die mir auch Vorwürfe machten, aber nicht für das, was ich geschrieben habe (oder nur in Bezug auf den Sprachstil), also keine Kritik am Inhalt, sondern der Vorwurf, dass ich etwas nicht geschrieben hätte.

Mehrfach wurde mir in letzter Zeit vorgeworfen, dass ich Missstände analysieren und beschreiben, aber keine Lösungsvorschläge machen würde. Nicht sagen würde, was man tun oder ändern muss, damit es wieder besser wird.

Mal unabhängig vom sachlichen Inhalt und dem Umstand, dass ich für solche Vorschläge oft politisch abgesägt wurde und das auch nicht mehr Gegenstand oder gar Voraussetzung einer Meinungsfreiheit ist, nur in konkreten Lösungen zu sprechen, finde ich die subjektive Seite solcher Vorwürfe beachtlich.

Denn man merkt daraus, dass die Kritik an Zuständen und die Analyse als Problemsituation nicht mehr abgelehnt wird, sondern jetzt den Vorwurf erhebt, dass Kritik nicht mit einem Ausweg verbunden wird. Sagte man früher zu einem „Der Hund an Deiner Hundeleine ist tot”, sagte der „Alles Lüge und Fake News, stimmt nicht”. Heute kommt der Vorwurf, dass man nicht auch dazugesagt hat, wie man ihn wiederbelebt.

Schlauer ist es nicht.

Aber es lässt auf eine gewisse beginnende Verzweiflung und das Bröckeln des utopischen Weltbildes schließen.