Ansichten eines Informatikers

Die ideologische Ursache der Zensur

Hadmut
4.1.2019 21:51

Nicht neu, aber heute ist mir der Begriff wieder ins Auge gestochen.

Ein Ärgernis unserer Zeit ist ja diese allgegenwärtiges Zensur. Alles, was nicht Mainstream ist, wird abgewürgt, gelöscht, ausgesperrt, zum Schweigen gebracht. Damit ein einheitliches, ungetrübtes, utopisches Bild des monopolistischen Mainstreams entsteht.

Deshalb ich hatte ich das auch gestern als „Siedeverzug” beschrieben: Es müsste eigentlich kochen, aber weil die Wände so glatt und in der Flüssigkeit keine Störteilchen sind, an denen die Dampfblasen entstehen können, kann die Flüssigkeit deutlich über den Siedepunkt erhitzen ohne sichtbar zu sieden. Kommt dann aber irgendein Fremdkörper rein, an dem sich Dampf bilden kann, kocht das so schnell auf, dass es förmlich explodiert. Im Labor gibt man deshalb Siedeperlen in die Flüssigkeit, kleine Glaskügelchen mit rauher Oberfläche, an denen die Flüssigkeit Dampfblasen bilden und schon bei normaler Temperatur brodeln kann, damit es nicht zu diesem explosionsartigen Überkochen kommt.

Ich habe es schon oft erwähnt, all die Geistes- und vor allem Sozialwissenschaftler neueren Schlages, dazu gehören eben auch die Journalisten und Politiker, sind auf diese bekloppte Diskurstheorie gebügelt worden. Der sektenhafte Glaube, dass es keine Realität gibt, sondern alles nur darüber entsteht, dass es gesprochen, bezeichnet wird. Nichts existiere außer in unserer Vorstellung und umgekehrt, und die Vorstellung entsteht durch Sprache, durch Differenzierung und „Sprechakte”. Frauen entstanden erst, als fiese Wissenschaftler sie so bezeichnet und damit den Unterschied erfunden haben, und die Einteilung in freie Herrenmänner und arme, gebeutelte Opferfrauen erfolgt durch teuflische Hebamme, die das arme Menschenkind herausziehen und es willkürlich als Junge oder Mädchen bezeichnen, damit also zwei Menschenarten schaffen und sie für den Rest ihres Lebens zu Herr oder Sklavin einteilen, was dann die Gesellschaft durch ständige Wiederholungssprechakte immer weiter verstärkt.

Und so weiter. Die Frauen als arme unterdrückte Opfer wurden von fiesen Wissenschaftlern erfunden, die sie so genannt haben, und die ganzen „Rassen” von – Ihr ahnt es – fiesen Rassisten, die einfach angefangen haben, Menschen unterschiedlich zu bezeichnen und damit erst unterschiedliche Menschen geschaffen hätten. So entfernt wie die Nummer mit dem Baum der Erkenntnis im Paradies: Vorher hatten sie gar nicht gemerkt, dass sie nackt sind, und erst durch böse Erkenntnis sei ihnen der Unterschied zwischen nackt und bekleidet aufgefallen.

Weil diese Leute nun felsenfest glauben, dass alles, was da auf der Welt so ist, und vor allem alles Schlechte, nicht von Natur aus besteht, sondern nur durch schlechte Diskurse geschaffen wurde, glauben sie auch, dass man das Schlechte aus der Welt schaffen könnte, indem man die Menschen davon abhält, es so zu bezeichnen. Deshalb die ganze Gendersprache. Man glaubt, dass man Frauen und Männer gleichstellen kann, indem man es einfach verbietet und unmöglich macht, sie sprachlich zu differenzieren, und spätestens dann, wenn eine Generation aufwächst, die schon von kleinauf, schon im Kindergarten, nicht mehr die Möglichkeit hat, irgendwas von Unterschieden zu sprechen, der Unterschied zwischen Mann, Frau, schwarz, weiß und was nicht alles erst gar nicht mehr entstehen kann und verschwindet. „Dekonstruiert” wird.

Das ist wüster Aberglaube und eng verwandt mit Warzen besprechen und dem Glauben an Flüche und Zaubersprüche. Es gab mal so eine Phase, in der hat man der Hexerei Verdächtige erst mal geknebelt oder ihnen was rausgeschnitten, weil man dachte, dass sie keinen Schaden mehr anrichten können, wenn sie nicht mehr sprechen können.

Aber: Das ist eben das geistige Niveau, auf dem die Geisteswissenschaften, die Presse, die Politik heute stattfinden. All die Aufklärung über die Naturwissenschaft hat nichts gebracht, die Leute leben immer noch im magisch-finsteren Mittelalter, halten sich aber für die Elite und beanspruchen die Gesellschaftsführung für sich.

Deshalb zensieren die wie die Wahnsinnigen und rasten aus, wenn einer beim Sprechen nicht gendert. Das ist wie so eine Psychose, nach der alles immer irgendwie ausgewogen sein muss. Vermutlich ist das eng verwandt mit den Symmetrie-Ticks. Es gibt so Leute, bei denen muss alles durch acht teilbar sein. Die können nicht einfach das Licht ausmachen oder die Haustür hinter sich abschließen, die müssen alles achtmal machen. Und solches Zeugs mehr. Sonst geht für sie die Welt unter. Das ist vielleicht nicht die Ursache der Genderei, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass man durch den ständigen Druck und die Gewöhnung an diese Ideologie über kurz oder lang in so einer Zwangsneurose endet. Obwohl der Begriff eigentlich nicht passt. Zwangsneurose ist zwar der gängige Begriff für solche Zwangsstörung, aber ansonsten trifft das Verhalten eher auf eine Psychose zu. Die Neurose ist selektiv und der Betroffene merkt, dass mit ihm was nicht stimmt, leidet mitunter, erkennt das selbst. Die Psychose betrifft alle Lebensbereiche, hat keine Abgrenzung mehr, und derjenige hält das für normal, merkt selbst nicht mehr, dass mit ihm was nicht stimmt. Soweit mein Laienwissen, das ich mir im Internet zusammengelesen habe. Man möge mich korrigieren, falls es nicht stimm. Der Begriff der Zwangspsychose ist eher selten und scheint kein gängiger Begriff zu sein, aber meines Erachtens müsste man hier von einer Psychose und nicht von einer Neurose reden. Die hier meinen, „Zwangspsychose” wäre die wissenschaftlich unkorrekte Bezeichnung für eine Psychose (z.B. Schizophrenie) mit Auftreten von Zwängen (Anankasmus).

Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass es in den Bereich des Verfolgungswahns geht, wenn man glaubt, von fiesen Menschen verfolgt zu werden, die durch böse Sprechakte (quasi Flüche oder böse Zaubersprüche) eine böse Welt um einen herum erschaffen. Früher glaubte man an Hexen, heute glauben die Akademiker an solche Sprechakte. Und so, wie man früher Hexen verbrannte und manchmal irgendwelche Teile von denen irgendwo symbolisch vergrub, so glauben die heute, sie könnten die Welt retten, indem sie sie von böser Sprache bewahren.

Einer der Priester, auf die das zentral zurück geht, war Michel Foucault mit seiner Sprechakttheorie. Schade, dass der tot ist. Dem hätte ich gerne mal gesagt, dass er ein Idiot ist und mich dann darüber amüsiert, wie er an die Wirkung meines Sprechaktes glaubt. Ironischerweise hat der mit seinem Geschwätz tatsächlich viel Schaden angerichtet und die Welt schlechter gemacht. Schauen wir dazu mal bei den Geisteswissenschaften der FU Berlin rein:

Heute wird der Begriff Diskurs meist im Sinne der Diskurstheorie von Foucault verwendet. Diskurs ist bei Foucault kein Sprechakt, sondern vielmehr eine Verkettung von Aussagen oder eine Formation, wie es in der “Archäologie des Wissens” (1969; dt. 1973) heißt. Der Diskurs ist also eine Ordnung oder Formation von Aussagen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt einen bestimmten Raum strukturieren, oder anders ausgedrückt, der Diskurs ist ein regelgeleitetes System. Demnach sind Diskurse eine Menge von Aussagen, die demselben Formationsgebiet zugehören (z.B. der Klinik, der Psychiatrie, der Sexualwissenschaft oder der Ökonomie). Diese Aussagen produzieren auf geregelte Weise soziale Gegenstände wie Wahrheit, Realität und Normalität bzw. Wahnsinn, Lüge und Abweichung, sowie die ihnen entsprechenden Subjektivitäten. Grob vereinfacht meint Foucault mit Diskurs das in der Sprache aufscheinende Verständnis von Wirklichkeit der jeweiligen Epoche. Die Regeln des Diskurses definieren für einen bestimmten Zusammenhang, oder ein bestimmtes Wissensgebiet, was gesagt werden kann bzw. soll, was nicht gesagt werden darf und welcher Sprecher etwas in welchem Kontext sagen darf. Der Diskurs ist dabei nur der sprachliche Teil einer diskursiven Praxis, die auch nichtsprachliche Aspekte miteinschließt.

Diskursive Formationen konstruieren ihre Untersuchungsobjekte unter dem Scheinargument der Entdeckung (die Psychoanalyse erfindet das Unbewusste, die Sexualwissenschaften kreieren die Homosexuellen) und regulieren somit, was sagbar und was nicht sagbar ist.

Heißt: Die glauben immer nur, sie hätten was entdeckt. Sie haben aber nur neue Sprechunterschiede entwickelt, dadurch etwas „sagbar” gemacht. Kommt also einer daher und entwickelt sprachliche Unterschiede zwischen Mann und Frau, sieht das vielleicht so aus, als hätte er Unterschiede entdeckt, in Wirklichkeit aber habe er nur eine sprachliche Unterscheidung erfunden, die man nur irrtümlich für eine Entdeckung hält. Und die Gesamtheit dieser Sprachregelungen würde für jede Epoche deren wahrgenommene Realität erzeugen. So seien also Mann und Frau und so weiter entstanden, weil da eben mal böse Mediziner kamen, sich das näher angesehen und Bezeichnungen für Unterschiede erfunden haben.

Deshalb hört man das auch so oft, vor allem bei Journalisten (habe ich auf der letzten Journalistenkonferenz im NDR oft gehört), dass sich die „Grenzen des Sagbaren” verschoben hätten. Dass da also irgendwelche bösen Leute Sprachelemente, Aussagen und so weiter kreiieren, die das Böse in die Welt schaffen.

Aufgabe von Journalisten sei nun, so glauben sie, die Welt zu retten.

Und wie macht man das, wenn man an diesen Hokus Pokus glaubt? Natürlich indem man versucht, den Diskurs rein zu halten und alle diese als böse eingestufen Sprachteile da rauszuhalten. Weil man eben überzeugt ist, dass wenn man den Diskurs schön sauber und im Einklang mit der Ideologie hält, dann auch die Utopie eintreten wird. Die Leute quasi geschlechts- und rassenblind werden, wenn man ihnen nie die sprachliche Einteilung mitgeteilt hat. Deshalb kommen die Schweden mit diesem Einheitspronomen (hen oder so ähnlich). Und deshalb kommen die Amis mit der Vorstellung, dass jeder mit dem Pronomen angesprochen werden müsste, das er sich wünscht. Um nicht anders gesprochen zu werden, als er sein will. Wie so ein böser Zauberspruch. Vor ein paar Tagen ging so ein Video rum, in dem ein Typ in Transenaufmachung im Laden ausrastet und randaliert, weil man ihn mit „Sir” statt „Madam” angesprochen hat.

Wie ich jetzt darauf komme?

Die TAZ.

Da stand heute:

Wird 2019 das Jahr zur Diskursbesetzung von links?

Diskurse „besetzen”. Das ist genau das, was die da alle machen. Es wird nicht diskutiert, weil das ja gerade der böse Diskurs wäre, den man nicht haben will, sondern es wird verhindert, dass Unerwünschtes überhaupt gesprochen wird, also das Gegenteil von Diskussion.

Normale, geistig gesunde Menschen denken, es ist richtig, wenn die Sache ausdiskutiert wird und jede Seite ihre Argumente vorträgt, die vom Publikum geprüft werden.

Diskurspsychotische Menschen glauben, dass sie alles richtig machen und die Welt gut und sauber wird, wenn sie jeden als schlecht empfundenen Sprechinhalt tilgen, verhindern.

Deshalb gibt es diese ganzen Löschorgien, die die einen für ihre heilige Pflicht und unanzweifelbar gut halten, die anderen für Zensur.