Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Künstliche Presse

Hadmut
28.12.2018 22:50

Ein Leser wirft gerade eine Frage auf.

Als Ex-DDR-Bürger bringt er eine gewisse Erfahrung mit Presse und Propaganda und entsprechendes Misstrauen mit.

Er fände es seltsam und auffällig, dass bei bestimmten Medien (Namen lasse ich hier mal weg, sonst wird man wieder abgemahnt) immer irgendwas abstruses mit Sex oder Mitleid mit Tieren kommt, wenn sich eine unerwünschte Meinung aufzuschaukeln droht.

Er stellt die Frage, ob da nicht längst KI hinter den Presseartikeln steht.

Nun, ich weiß nicht, wer die Artikel schreibt, ich habe sie ja auch nicht selbst gesehen.

Richtig ist aber, dass die KI in die Presse einzieht und mancherorts schon Standard-Artikel wie Wetter, Börsennachrichten und Sportberichte von KI getextet werden. Schon vor weit über zehn Jahren habe ich mal aufgeschnappt, dass die Groschenromane, die es damals in A5 im Zeitschriftenladen und Supermarkt gab (nie drauf geachtet: Gibt’s die heute noch?) von Texterstellungssystemen erstellt oder zumindest die Autoren stark unterstützt werden, indem Handlungsstränge aufgebaut, verwoben, Personen verwaltet und daran erinnert wird, welche Punkte wieder aufgegriffen werden müssen. (Fiel mir übrigens bei Harry Potter sehr stark auf, dass da unglaublich viele Details am Anfang vorkommen, die dann irgendwann am Ende des Buches wieder auftauchen und irgendeine totaaaal wichtige Bedeutung hatten. Die Leute fahren auf sowas ab.)

Man könnte vielleicht auf den Vergleich zu den Börsenhandelssystemen kommen, die automatisch auf Kursschwankungen reagieren. Früher oder später wäre das durchaus denkbar, dass KI-Systeme die Leserkommentare und sonstige Vorkommnisse auswerten und dann selbstlernend auszutesten, was man schreiben muss, dass gewisse erwünschte Reaktionen ein- oder unerwünschte Reaktionen nicht eintreten. Quasi selbstlernende Propagandasysteme, die einfach selbst lernen, was man dem Volk erzählen muss, damit es reagiert wie gewollt.

Man könnte jetzt natürlich auch fragen, ob ein Claas Relotius überhaupt existiert oder nur von einem Schauspieler dargestellt wird und in Wirklichkeit da die KI-Software durchgedreht hat und notfallmäßig abgeschaltet werden musste.

Da könnte man auch mal über eine Kennzeichnungspflicht nachdenken.