Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Der dritte Lord

Hadmut
26.12.2018 15:02

Also irgendwie drehen sie jetzt durch.

Dass sie beim Fernsehen sparen müssen, weil das ganze Geld für die hohen Tiere, deren Pensionen, Frauenquoten und Fußballförderungen drauf geht, ist bekannt. Dass das Weihnachtsprogramm traditionell eine Ansammlung von Fernsehmüll ist, bei der die Sendecomputer da mehr oder weniger automatisch eine Liste abarbeiten, ist auch bekannt. Und dass Fernsehen von Wiederholungen lebt … naja.

Früher haben sie jedes Jahr zu Weihnachten „Wir sind keine Engel” mit Humphrey Bogart und Peter Ustinov gezeigt, in dem „Adolf” böse Menschen um die Ecke bringt. Ein richtig schöner Film, kommt aber nur noch in abgelegenen Spartensendern. Inzwischen muss es immer „Der kleine Lord” sein.

Dagegen ist nichts einzuwenden. Der kleine Lord ist ein zwar etwas langweiliger, vorhersehbarer, moralinsaurer, aber doch eben weihnachtstauglich netter Film. Mit Gemischtwarenhändler, Schuhputzer und Happy End unterm Weihnachtsbaum. Und ihn jedes Jahr zu senden ist auch kein Fehler, schließlich wachsen jedes Jahr neue Kinder heran, die ihn noch nicht kannten oder nochmal sehen wollen. Und wo hat man schon Obi-Wan Kenobi und Jean-Luc Piccard in einem Film?

Und ich finde es überhaus wohltuend, dass sie die Schändung dieses Films, die sie vor ein paar Jahren begangen haben, nämlich die mit Frauen nachgedrehte Variante „Die kleine Lady” mit Veronica Ferres sang- und klanglos in der Versenkung haben verschwinden lassen, wo sie hingehört. (Von der Kritik ausnehmen will ich da nur die kleine Hauptdarstellerin, die war gut, aber Film und gegendertes Drehbuch einfach eine Katastrophe. Man hätte so viele bessere Rollen für das Mädchen finden können. Wenn man schon unbedingt schon wieder mal Heidi neu verfilmen – *Gähn* – musste, dann hätte man besser die genommen, statt Heidi auf burschikos-jungenhaft zu gendern. )

Dass ihn jetzt aber allein die ARD an einem Weihnachten dreimal im Ersten wiederholt, nämlich

  • 21.12. um 20:15
  • 23.12. um 18:20
  • 26.12. um 9:30

und im Bayerischen Rundfunk kam’s dann auch nochmal, finde ich dann doch etwas übertrieben.

Nicht, dass es mich jetzt direkt störte, man muss es ja nicht sehen und kann (und soll) die Kiste einfach aus lassen.

Aber irgendwie zeigt es, wie lustlos und ausgelutscht das Fernsehen heute ist. Der Rest des Weihnachtsprogramms war nämlich auch nichts.

Und warum sie einen ständig mit Helene Fischer bombardieren, habe ich neulich auch zufällig irgendwo gelesen: Die haben einfach langfristige Verträge mit der gemacht. Es kommt gar nicht darauf an, ob man die sehen will. Es kommt auf Inhalt und Laufzeit des Vertrages an. Neulich kam ja heraus, dass Helene Fischer einen großen Haufen Geld macht, und nach dem Forbes-Magazin im Ranking der reichsten Musikerinnen mit 32 Millionen Dollar (etwa 28 Millionen Euro) im Jahr 2018 noch vor Pop-Größen wie Britney Spears (Platz zehn, 30 Mio. Dollar) und Céline Dion (Platz neun, 31, Mio. Dollar) auf dem achten Rang landete.

Fischer kassiert fast 30 Millionen Euro im Jahr.

Es würde mich mal interessieren, welchen Anteil das ZDF daran hat, direkt und indirekt. Also wieviel Geld davon direkt aus dem Vertrag mit dem ZDF fließt und wieviel sie in Folge ihrer Fernsehpräsenz auf anderen Wegen (Konzerte, CD-Verkäufe und so weiter) macht. Schon bei manchem Talkshow-Promi, den uns das Fernsehen zumutet, denke ich mir, dass der eigentlich keine Gage bekommen, sondern umgekehrt das Fernsehen für die Werbung bezahlen müsste, die sie für ihn machen. Und galt da nicht mal das Werbeverbot nach 20 Uhr? Ständig werden irgendwelche Promis eingeladen, die für ihre Filme, CDs, Bücher und sowas werben.

Damit ist auch Helene Fischer letztlich nichts anderes als eine Art Wiederholung. Man kann zwar eine Tasse Tee nicht zweimal trinken, aber es schmeckt halt, als hätte man die soundsovielte Tasse immer mit demselben ausgelutschten Teebeutel aufgegossen und versucht, das Wasser jedes Mal noch etwas heißer zu kochen, damit noch was rauskommt.

Und so gilt wieder mal: „Alle Jahre wieder…”