Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Wenn der Vater fehlt

Hadmut
7.12.2018 17:23

Neulich am Flughafen.

Ich kam doch neulich aus dem Ausland zurück und am Flughafen an.

Ich war also durch die Ausweiskontrolle, hatte mir – wie beschrieben – einen Trolley besorgt und stand nun da am Gepäckband, um da auf meine beiden Taschen zu warten. Vielleicht liegt’s an Deutschland, vielleicht auch daran, dass es ein A380 war, jedenfalls war es da ziemlich voll, die Leute standen sehr dicht.

Neben mir kam dann eine Frau, vielleicht so um die 30, zierlich, zwei Kinder. Eins im Baby-Alter im Kinderwagen, dazu ein Junge, vielleicht 3 oder höchstens 4. Kein Vater.

Das kleine lag harmlos in seinem Kinderwagen, aber der Junge hatte offenbar vom langen Sitzen im Flugzeug unbändigen Bewegungsdrang und sprang und hüpfte da rum, wie bekloppt. Achtete auf nichts.

Mutti achtete auch auf nichts, die telefonierte nur mit dem Handy in ihrem Bekanntenkreis herum. Man hat ja nichts wichtigeres zu tun, als sofort mit allen rumzutelefonieren, wenn man mal ein paar Stunden in der Büchse saß. Um die Kinder hat sie sich gar nicht gekümmert.

Ich dachte mir noch so, dass das schief geht. Denn es war wirklich sehr voll, sehr eng, und die Leute waren damit beschäftigt, mit den Trolleys herumzufahren und schwere Gepäckstücke herumzuwuchten. Deshalb hing da am Band – direkt vor der Nase der Mutter – auch so ein Symbolschild, dass man Kinder an die Hand nehmen und nicht herumlaufen lassen möge. Das ist einfach keine Spielumgebung für Kinder. Und das Gepäckband selbst ist ja auch nicht ganz ungefährlich. Leicht kann da mal ein Kind am Band oder einem Gepäckstück hängen bleiben, mitgerissen oder gar stranguliert werden. Krokodilmütter achten sorgfältigst auf ihre Jungen. Löwenmütter auch. Elefantenmütter ebenso. Leg dich nie mit denen an. Nur Menschenmütter, da ist das nicht so ausgeprägt. Da ist das Handy einfach wichtiger.

Es kam, wie es kommen musste.

Der Kleine sprang da wie bekloppt und ungezügelt herum, hüpfte und doppste, und dummerweise eben auch rückwärts, ohne zu gucken, wo es hingeht. Und knallte mit dem Hinterkopf rückwärts gegen meinen Gepäckwagen, der völlig unbewegt stand.

„Uuuäääääähh!” Geschrei, hat sich ziemlich weh getan. Typisches Kinder-Aua.

Weil er halt so direkt vor mir stand, ließ ich mich dazu hinreißen und sagte „Junge, da, wo Du hinrennst, musst Du auch hingucken, damit Du weißt, ob frei ist oder Du gegen irgendwas rennst!”

Mutti faucht mich ganz böse an. „Der Junge ist erst drei!”

Ich habe nichts dazu gesagt.

Aber gedacht.

Was für eine dämliche Aussage.

Hat der Junge mir was getan? Nein. Der Trolley hat auch keinen Schaden genommen, ist ja auch nicht meiner.

Habe ich dem Jungen was getan? Nein, auch nicht.

Der Junge hat sich selbst wehgetan. Weil Mutti nicht aufgepasst hat. Aufsichtspflichten zugunsten des Handy vernachlässigt.

Ich bin da etwas altmodisch aufgelegt und halte es für die Pflicht der Alten, Kindern zu sagen, was sie falsch machen, damit es sich nicht wiederholt. Oder gar nicht erst passiert. Und ein kleines Kind zwischen Gepäcktrolleys und Gepäckband, das schreit einfach nach Aufmerksamkeit.

Was meint die Mutter aber damit, dass er erst 3 ist? Soll man stillschweigend zugucken, wie er sich wehtut, bis er 6 oder 8 ist? Um ihm dann zu sagen: Mein Sohn, Du bist jetzt alt genug um zu erfahren, dass man dahin gucken sollte, wo man hinrennt, damit man nicht ständig gegen die Wand rennt?

Soll man Kinder sich weh tun lassen, bis man sie für reif genug hält zu erfahren, wie man sich nicht weh tut?

Was ist das für eine dämliche Logik?

Oder geht’s nur darum, Mutti von Pflichten und Verantwortung freizuhalten?

Kurz drauf: Ich gucke in die andere Richtung, weil ich in weiter Entfernung meine erste Tasche erblicke. Und gehe plötzlich fast zu Boden, weil ich einen voll in die Kniekehlen bekomme. Nicht schlimm, hat nicht nennenswert weh getan, aber wenn man unvorbereitet einen in die Sehnen bekommt und das Gelenk gebeugt wird, ist halt für einen Moment die Körperstabilität weg, man sackt erst mal ein Stück nach unten. Mutti hatte sich eine ihrer Taschen vom Band genommen, konnte die aber nicht tragen, war zu schwer. Sie kam beim dem Versuch, die Tasche auf ihren Trolley zu heben, gestrauchelt, zur Seite weggerutscht und zusammen mit ihrer Tasche in meinen Kniekehlen gelandet. „T’schuldigung…”. Ich hab nichts gesagt.

So wie bei mir kam auch bei ihr zuerst die kleinere Tasche, die nächste war größer und schwerer.

Was macht die dumme Nuss? Fragt zwar um Hilfe, aber keinen der kräftigen Männer, die rund um sie herum standen. Sie fragte eine Frau, an der auch nicht wesentlich mehr dran war, als an ihr selbst. Ich gucke wieder in Richtung des Gepäckbandes, und es kam, wie es kommen musste, gleicher Mist nochmal, ich krieg wieder eine Tasche mit Frau in die Kniekehlen, diesmal die andere. Größere Tasche, größere Frau. Die hat sich nicht entschuldigt, sondern so geguckt, als wäre das alles völlig normal und selbstverständlich, und eigentlich nur meine Schuld, dass ich überhaupt da stand.

Mutter ohne Vater? Ich hatte nicht den Eindruck, dass es ein Mann war, mit dem sie telefoniert hatte.