Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Irgendwie lässt die Qualität nach

Hadmut
14.11.2018 10:56

Oder: Früher war alles besser.

Bevor das jetzt zu negativ rüberkommt: Ich bin seit über 20 Jahren hochzufrieden mit Schuhen der deutschen Marke Rieker. Wenn ich mir im Schuhladen welche suche, die mir gefallen, sind es meist Rieker. Die passen mir auch immer sehr gut und mit der Qualität bin ich ebenfalls sehr zufrieden. Aber das sind normale Tagesschuhe. Ich rede im Folgenden von Reise-Schuhen.

Normalerweise habe ich auf Reisen immer drei Paar Schuhe dabei: Ein paar geschlossene Wanderschuhe für kaltes oder nasses Wetter und zum Wandern, falls man mal über Geröll oder Felsen oder sowas muss. Die habe ich auch immer im Flugzeug an, weil zu groß und zu schwer für den Koffer. Ein paar offene, luftige, sandalenartige Schuhe, vorne mit Zehenschutz und in der Form wie Turn- oder Wanderschuhe, weil offene Sandalen zu gefährlich sind und ich ab und zu Grip brauche. Und ein paar billigste Flip-Flops für Duschen, als Pseudohausschuhe und für den Strand, die oft die Reise nicht über- und den Rückflug nicht erleben. (Und seit ich bei LIDL mal ein paar Flip-Flops mit stabiler guter Profile-Sohle ganz aus Gummmi bekommen habe, manchmal noch die als viertes Paar.)

Wie auch bei Kleidung habe ich auf Reisen andere Schuhe als im normalen Alltag an. Das heißt, dass mein Reisekram normalerweise unbenutzt im Schrank steht und dann immer nur auf Reisen für ein paar Wochen stark belastet wird und für den Rest des Jahres ruht ,

Ich habe mir auf einer USA-Reise 1999 in einem Factory-Outlet-Park, in den mich eine Freundin schleppte, eigentlich mehr so aus Höflichkeit, damit’s nicht aussieht, als würde ich mich beteiligen, ein paar amerikanische Schuhe gekauft, Rockport XCS oder so ähnlich, geschlossene Lederhalbschuhe im Freizeit-Look. Anfangs hielt ich sie für einen Fehlkauf, weil sie unbequem waren und gedrückt haben. Als sie aber erst mal eingelaufen waren, waren das die besten und bequemsten Schuhe, die ich je hatte. Ungefähr 15 Jahre lang hatte ich die in Gebrauch, und das nicht als Reiseschuhe, sondern mehr als die Hälfte des Jahres (außer im Sommer und bei Schnee) getragen, bis dann doch die Sohlen durch und das Leder kaputt war. Heute macht die Firma nichts mehr, was ich noch gebrauchen könnte.

Ebenfalls in einer Größenordnung um oder über 10 Jahre hatte ich ein paar Wanderschuhe von Lowa, mit denen ich viel auf Reisen war und sehr, sehr zufrieden war, bis sich die Sohlen durch Alterung chemisch zersetzten und sie es nicht mal mehr bis zum Flughafen schaften, weil die Sohlen abfielen. Als ich wegen der guten Erfahrungen wieder bei Lowa schauen wollte, fand ich nichts mehr, und Verkäufer rieten mir von der Marke ab, die hätten die Qualität nicht bewahren können.

Auch vor über 10 Jahren hatte ich mir ein paar offene, sandalenartige Schuhe mit Wandersohle (Vibram) von Timberland gekauft. Auch mit denen war ich sehr zufrieden, sie haben mich lange und in viele Länder begleitet, aber weil teils aus Nubukleder (das ich sehr mag), das sich schwer pflegen lässt, und das Leder da nun auch eher am Ende und brüchig war, dachte ich, dieses wäre deren letzte Reise. Denkste. Da ist was am Fersenteil durchgebrochen und ein Plastikteil piekste in die Ferse, weshalb ich sie in Dubai in den Müll gegeben habe.

Es gab früher Schuhe, mit denen ich in jeder Hinsicht, besonders qualitativ und von der Passform, sehr zufrieden war.

Als ich vor 2 Jahren auf der Fahrt nach Südafrika die Lowa-Wanderschuhe eingebüßt hatte, habe ich mir dort unterwegs irgendwo in der Walachei in einem abgelegenen, aber schönen und gut sortierten Outdoor-Shop Outdoor-Schuhe von Merrell gekauft, die ich bis dahin nicht kannte. Aber sie hatten in meiner Größe gerade nicht viel Auswahl da und der Amerikaner in der Reisegruppe hatte auch solche und war so total damit zufrieden, er meinte, Bessere gäb’s nicht.

Schon nach 3 Tagen löste sich an den Merrel eine Sohle vorne an der Spitze, wo es um den Schuh hochgeht. Kein grundsätzliches Problem, denn nur an einem Schuh, der andere ist völlig in Ordnung. Zwar geben sie Garantie, aber sie wollten, dass ich die Schuhe zurück in den Laden bringe. Als ich ihnen deftig beschied, dass ich gerade nicht in der Lage bin, die Reisegruppe 500 km zum Laden zurückfahren zu lassen, entschieden sie, dass ich ein paar neue Schuhe nach Deutschland geschickt bekäme, wenn ich die schadhaften durch Edding-Kreuze auf den Typenschildern entwerte und ihnen ein Foto davon schicke. Leider jedoch würde dieses Modell (das mir gefiel) nicht mehr hergestellt, ich bekäme dafür ein „free upgrade” auf ein anderes Modell, hässlich zwar, aber mit Goretex-Ausstattung. Die stehen bisher im Schrank. Auf dieser Reise habe ich die schadhaften mit dabei, wobei sich beim defekten Schuhe die Sohle inzwischen stärker ablöst und das auch an einer zweiten Stelle, die gehen dann vermutlich auch nicht mehr mit zurück. Aber die waren schon nach drei Tagen kaputt.

Weil ich auf dem Weg hierher die Sandalen weggeworfen habe, habe ich in Auckland in der Hauptstraße mit den Edel-Läden eingekauft und bekam in einem Outdoor-Laden welche von Keen. Wasserfest noch dazu, rein aus Synthetik. Och, das passt genau, dachte ich mir, ich will ja auch ans Meer (und tatsächlich hat mir deren Wasserfestigkeit schon genutzt, denn ich war mit denen schon im Wasser bzw. im Meer. Ich hatte noch überlegt, ob ich von den beiden, die passen würden, die kleinere oder die größere Nummer nehme und habe auf Anraten der Verkäuferin die kleineren genommen, damit die nicht so rumschlabbern, sondern fester sitzen. Outdoor und so.

Allerdings sind die so weich, dass die auf geröllartigem Untergrund gar keinen Halt geben. Ich habe hier schon ein paarmal blöd ausgesehen, weil ich über Felsen am Meer laufen wollte und dabei stolperte oder seltsame Tänze aufführte, weil ich das Gleichgewicht nicht halten kann, weil ich in den Dinger – obwohl sie passen und stramm sitzen – irgendwie keinen Halt bekomme. Man kann sie nicht zubinden, sie haben keine Senkel, nur Gummibänder, Und die geben eben nach. Was schon dazu führte, dass ich auf Felsen so weggerutscht bin, dass ich den ganzen Schuh verloren habe, der Fuß einfach aus dem Schuh gerutscht ist. Und das nicht mal nach oben, sondern seitlich weggerutscht. Fühlen sich zwar fest an, sind faktisch aber so schlabbrig, dass der Fuß bei seitlicher stärkerer Belastung (und da sollen Schuhe ja eigentlich Halt geben) einfach aus dem Schuh raus wegrutscht. Weil die Dinger aber auch nicht per Schnürsenkel zu öffnen sind, ist das Einsteigen nicht ganz trivial, vor allem nicht in Socken (obwohl die teuren Markensocken, die sie mir in dem Laden gleich per Rabatt mit angedreht haben.) Weil man den Schuh zum Anziehen nicht aufmachen kann (auf und zu gibt’s ja nicht), gibt es vorne und hinten Schlaufen, an denen man den Schuh greifen kann. Ich habe die Schuhe vor 2 Wochen gekauft und höchstens eine Woche davon auch benutzt, und schon ist eine der Schlaufen bei Anziehen abgerissen. Obwohl sie da augenscheinlich brachiale Nähte haben, war das Band faktisch kaum angenäht, nur mit der Spitze so ein bisschen. Hab’s Keen getwittert und natürlich Garantie und Ausfüllen und tut uns so leid, aber faktisch taugt das Zeug alles nichts mehr.

Früher hatte ich Schuhe, die locker 10 Jahre gehalten haben.

Inzwischen schaffen die keine 10 Tage mehr.

Irgen