Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Kim dot protz

Hadmut
13.11.2018 7:49


Heute habe ich mir etwas angesehen, bei dem ich gedacht habe: Was soll das? Was hat der für ein Problem?

[Update]

Weil ich in der Nähe dran vorbeikam, bin ich mal an der Hütte von Kim Schmitz/Kimble/Kim-dot-com vorbeigefahren, teuerste Behausung in Neuseeland. (Wobei ich neulich irgendwo las, dass die keiner mieten wollte und er sie deshalb bekommen hat, weil sie sonst leer stehen würde.)

Also die Gegend ist abseits und ganz sicher nicht der Brüller. Eher so provinziell, vor allem abseits (immerhin versteht man dann, warum der einen Hubschrauber braucht. Augen auf bei der Wohnortwahl.) In der Gegend gibt es auch gewöhnliche Durchschnittshäuser, auch eine ganze Reihe von Reiche-Leute-Villen, meist erkennbar daran, dass vorne an der Straße nur ein Tor ist und das Haus dann weit hinten liegt, große bis riesige Grundstücke. Gerne mit Pool und sowas. Aber: Im Prinzip immer normale Häuser. Schön, groß, aber irgendwie nicht firlefanzig.

Und dann kommt man da um die Ecke und sieht vorher schon kurz auf der Anhöhe dieses Ding da prunken, mit einem absurd übergroßen Grundstück, einer Bollwerkmauer außenrum, vom Stil überhaupt nicht zur Umgebung passend, und was ich am frappierendsten fand: Einige sehr hohe Masten mit Überwachungskamera und Lautsprechern (!) dran, nach außen gerichtet, um Leute an der Straße anzubrüllen. Keine Ahnung, für welche Gelegenheit die gedacht sind.

Irgendwie erinnerte mich das an ein Gefängnis. Wachtürme hätten noch gefehlt.

Das ganze Ding passt überhaupt nicht nach Neuseeland, vom Stil nicht, vom Auftreten nicht, von der Größe nicht.

Ich fand das doppelt kontrastig.

Gestern war ich mit einer alten Stollenbahn unterwegs und kam dabei an einem ehemaligen neuseeländischen Gefängnis für Wirtschafskriminelle vorbei, das man nicht als Gefängnis erkannt hätte, wenn sie es einem nicht extra erklären würden. Sie nannten das scherzhaft „minimum-security-prison”, weil es nur normale Häuser waren und darum ein Bretterzaun, stellenweise nur einen halben Meter hoch. Luxusknast mit Pool und Schrebergarten für Wirtschaftskriminelle mit engsten Beziehungen zur Politik. Einer sei mal ausgebrochen, der habe sich einfach verabschiedet und sei ganz normal zum Vorderausgang rausgegangen, da war nichts abgeschlossen oder so. Pech gehabt: Er hat an der Straße das nächstbeste Auto angehalten und ist eingestiegen. War ein Gefängniswärter auf dem Weg zur Arbeit, der hat ihn dann auch „ein Stück mitgenommen”. Und dann war er wieder drin. Heißt: Es gibt (gab) hier Gefängnisse, die weit weniger gesichert sind, als diese groteske Protzburg.

Der zweite Kontrast war, dass ich gerade an Reichen-Grundstücken im Hafen vorbeigekommen war. Ich hatte neulich in der Reisevorbereitung mal auf einer Immobilienwebseite geguckt, was man in Neuseeland so zahlt, und war auf ein wunderbares kleines Haus gestoßen, von dem ich dachte, das wäre genau mein Ding, wenn’s nicht in der Größenordnung einer Million (NZ$) gekostet hätte. Hab ich nicht. Direkt mit Zugang zum Wasser und eigenem Anleger. Das kann ich mir zwar bei weitem nicht leisten, aber angesehen habe ich es mir mal (soweit das ging, gated community).

Der Punkt ist: Reiche Leute bunkern sich in Neuseeland nicht tief im Wald ein, abseits von allem Leben und auf irgendwelchen verlassenen Straßen, an denen kaum jemand vorbeikommt.

Reiche Leute haben in Neuseeland ein Grundstück am Wasser, mit Boot, und sie sind da, wo man leicht an Läden, Schulen, Leben kommt. Die gehen raus aufs Wasser.

Ein Bauwerk wie ein Pickel in der Landschaft.

Freilich, das Haus an sich ist schon schön, und der kann sich das Riesen-Ding da leisten, und ich mir nicht mal ein Normalhaus in Neuseeland, aber das ändert alles nichts daran, dass das Ding so fremdkörprig aussieht, als wäre da ein Ufo im Wald abgestürzt und von der Polizei abgesperrt worden, und dass ich da im Wald nicht würde wohnen wollen.

Das Ding macht auf mich nicht den Eindruck, als würde man da Leben wollen, sondern als wollte man sich nach außen durch eine Trutzburg darstellen und gibt den Selbstdarsteller an einer Stelle, an der (außer mir vielleicht) keiner zum Gucken kommt.

Update 1: Einige Leser schrieben mir gerade, der wohne da (Chrisco Mansion) schon länger nicht mehr, der lebe jetzt in der Nähe von Queenstown auf der Südinsel. Egal. Er hat sich as zumindest mal als Wohnsitz ausgesucht.

Update 2: Ein Leser meinte, ich sei doch nur neidisch. Kimble habe viel geschafft, ich nicht.

Was Kimble angeht, sehe ich das ganz anders. Ich habe mal vor langer, langer Zeit einen Fernsehbeitrag gesehen, in dem Kimble beim damaligen Rechtsanwalt von Gravenreuth mit einem Laptop und irgendwelchen Anzeigen, die sich mühsam von 0 auf 100% hocharbeiten die Leitung geprüft haben will und dann erklärt, die Leitung sei jetzt sicher. Da dachte ich mir, der eine ist ein Betrüger und der andere hat es verdient, betrogen zu werden. Da kommt bei mir kein Neid auf. Ich vermag die Begeisterung mancher einfach nicht zu teilen, auch wenn ich in der Mailbox einen Leserhinweis auf eine Sendung habe (die ich noch nicht gesehen habe), die ihn wohl von einer anderen, positiven Seite zeige und mit seiner Kindheit erkläre, warum der so protzsüchtig ist. Wird für mich trotzdem nicht angenehmer.

Und Neid ist das falsche Wort. Ich bin nicht neidisch, dass der das hat. Aber ich bin höllenstinksauer auf den deutschen Raubsozialismus (das Wort habe ich kürzlich irgendwo aufgeschnappt, weiß gerade aber nicht mehr, wo), der mir mit absurden Steuerhöhen und massivem Rechtsbruch den Lebenslauf und die Karriere inhaltlich und finanziell massiv beschädigt hat. Unter normalen Umständen wäre ich schon vor 20 Jahren ausgewandert und hätte mir dann auch so ein Haus am Wasser leisten können, das ich kurz vorher noch besichtigt habe, weil ich es auf einer Immobilienseite zum Verkauf gesehen hatte.

Das Haus war schön, aber kein Protzhaus oder luxuriös. Es war sogar eigentlich nur ein Reihenhaus. Lang und schmal, ungefähr ein Dutzend direkt aneinander, auf der einen Seite Eingang und Garage, dann ein kleiner, abgegrenzter Mini-Garten mit Grillecke, Bad, Schlaf- und Wohnzimmer, Terasse zum Wasser und Bootssteg. Im 1. OG noch ein großes Zimmer und eine ganz kleine Gäste-/Einliegerwohnung (Schlafzimmer, Minibad). Sehr schön gelegen.

Mich ärgert nicht, dass ich nicht Kimbles Chrisco Mansion habe, da würde ich nicht wohnen wollen.

Mich ärggert, dass ich dieses kleine aber schöne Reihenhaus am Meer nicht habe. Und das hätte ich mir vor der Preissteigerung hier mit einer Professur oder ähnlichem wirklich leisten können.