Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Das kulturelle Konzept der Klotür

Hadmut
27.10.2018 1:07

Reisen bildet.

Ich saß vorhin im Flieger.

Und wie es halt unausweichlich so kommt, wenn man da länger sitzt, ich musste mal.

Die meisten Leser werfen wohl vermutlich mit den Flugzeugklotüren vertraut sein. Man geht rein, macht hinter sich die Türe zu (falls das noch geht, weil die Klos manchmal so winzig klein sind) und verriegelt sie mit einem Schieberiegel, der nicht nur die Tür verriegelt, sondern außen die Beschriftung von grün vacant of rot occupied ändert und außerdem innen das Licht von Dämmerlicht auf richtiges Licht hochschaltet. Und im Notfall von der Crew geöffnet werden kann, indem man über der Anzeige eine kleine Klappe anhebt.

Standard.

Ich gehe also zum Klo, und – oh Freude – grün vacant, das Klo ist frei. Dachte ich. Ich mach die Klotür auf, drin ist eine ältere, augenscheinlich indische Frau mit runtergelassenen Hosen gerade dabei, sich zu setzen. Noch bevor ich das richtig gemerkt habe, greift sie von innen die Türklinke und reißt die Tür wütend und energisch wieder zu. Ich dachte schon, gottogott, bekomme ich da jetzt Belästigungsärger? Ich kann doch nichts dafür. Die hat vergessen, die Tür zu verriegeln. Kann man eigentlich nicht vergessen, denn unverriegelt ist drinnen ja nur Dämmerlicht.

Zu meiner Verblüffung verriegelt sie die Tür aber wieder nicht.

Ich stehe da und warte. Mehrere Leute kommen vorbei, wollen auch aufs Klo und frage, warum ich da stehe, ob ich da warte, es wäre doch frei. Ich erkläre den Sachverhalt. Ungläubige Gesichter.

Irgendwann war sie da fertig, man hörte vernehmlich die Spülung, und dann kam sie auch irgendwann raus, finsteren Blickes. Ich versuche freundlich, ihr das zu erkären, wie man die Klotür von innen verriegelt, und zeige ihr das. Ist ja nur so ein Schieber. Will sie nicht einsehen.

Der Frau war das Konzept der von innen verschlossenen Klotür nicht bekannt und sie hatte auch nicht vor, es sich anzueignen.