Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Linke Diskussionen

Hadmut
20.10.2018 1:12

Ein praktisches Beispiel.

Auf Twitter pöbelte mich eine (dem Profil nach) Müncher Studentin, linksaußen, Migrantenvernarrt, namens Frizzy, https://twitter.com/KindofCurly an und bombardierte mich mit Vorwürfen, ich würde mir das nur einbilden, hätte nichts überprüft, würde nur nach Gefühl behaupten, wusste überhaupt nicht, wer ich bin und was ich bisher gemacht habe. Meinte einfach, ich würde mich über Empirie hinwegsetzen, denn „Studien” würden belegen, dass z. B. Migranten weniger kriminell als Deutsche wären und die Kriminalität sinkt.

Zentrales Argument, wie so oft: Ich hätte ihr nicht nachgewiesen, dass meine Meinung richtig und durch Quellen belegt ist.

Mal abgesehen davon, dass Meinungsfreiheit nicht daran gebunden ist, dass man seine Meinung vorher zu belegen oder durch Beweis zu legitimieren, sie quasi erst mal „freizuschalten” hat, fällt mir daran schon wieder ein bestimmter Effekt auf:

Die Leute führen sich auf wie eine selbsternannte Internet-Polizei, so eine Bürgerwehr, selbsternannte Sittenwächter, Religionswächter, Taliban: Die marodieren herum, natürlich ohne Klarnahmen und Impressum (sie verstecken sich fast immmer) und meinen, sie könnten jeden kontrollieren, ob er seine Meinung auch äußern darf. Als würde man sich an die Straße stellen und eigenmächtig Führerscheine bei Autofahrern kontrollieren.

Das ist mir in letzter Zeit mehrmals passiert und deshalb aufgefallen, dass es da einen massiven Anstieg zu geben scheint. Anscheinend ist das eine konzertierte Aktion, da so eine Art Blockwart zu spielen und Leute anzupöbeln, die unerwünschte Meinungen äußern.

Der Punkt ist: Anders als etwa jemand, der auf Steuerzahlerkosten an der Uni „Wissenschaft” betreibt oder ein politisches Amt bekleidet, ist man als Privatperson niemand (außer vielleicht denen, über die persönlich man etwas sagt, aber nicht Dritten gegenüber) nachweis- oder auskunftspflichtig.

Ich sage da immer: Ich bin kein Tanzbär.

Ich bin keine Musikbox, bei der jeder der 80 Millionen Leute in diesem Land oder der 7 Milliarden auf diesem Planeten vorbeikommen und meine Arbeits- und Lebenszeit abrufen kann, um sich eine Privatberatung kostenlos abholen zu können.

Solange ich als Privatperson oder hier im Privatrecht unterwegs bin, muss ich zunächst mal gar nichts nachweisen. Erst wenn mich jemand auf Unterlassung in Anspruch nimmt oder Anklage gegen mich erhoben wird, muss ich in gewissen Fällen etwas gegenüber dem Gericht nachweisen.

Eine Nachweispflicht gegenüber einer Öffentlichkeit habe ich nicht, schon gar nicht gegenüber irgendwelchen dummen Nüssen hinter Pseudonym.

Das hat auch was mit einer enormen Selbstüberschätzung zu tun: Die Leute halten sich als Linke für höherwertig und bilden sich ein, wenn sie kommen und Belege fordern, müsste man alles stehen und liegen lassen, um sie zu bedienen.

Ich persönlich bin schon der Meinung und habe den Anspruch, meine Sichtweisen auch zu erklären und zu belegen. Aber ich habe es ja in inzwischen deutlich über 10.000 Blog-Artikeln (danisch.de und Forschungsmafia, bei danisch.de steht der Zähler gerade bei 9.613 veröffentlichten Blog-Artikeln, bei Forschungsmafia.de 1.257. Weil ich damals aber einige Artikel in das Forschungsmafia-Blog kopiert hatte, kann ich die Zahlen nicht einfach addieren um auf die Gesamtzahl zu kommen, die liegt etwas drunter. Dürfte so ungefähr bei 10.500 liegen.) Viele davon ziemlich lang.

Ich finde das dann immer erstaunlich, wenn Leute erwarten, man solle doch mal die Belege mal zusammenfassen und auf die Schnelle vorlegen, damit die mal drübergucken. So in ein oder zwei Tweets. Ein oder zwei URLs, von denen man einfach mal behaupten kann, das sei Mist, und die Sache ist erledigt.

Diese Leute sind von einer Oberflächlichkeit, einer Dummheit, einer Flachheit, einer völlig vertwitterten Denkweise, sie sind so Neo-Dumme. Erkenntnistransfer wird in ein paar Tweets erwartet.

Das ist einer der zentralen Gründe, warum ich alter weißer Mann die heutigen Geistes- und Sozialwissenschaften so verachte. Sie sind nicht nur dumm und oberflächlich, sie machen die eigene Dummheit zum Maßstab und unterstellen jedem, sich ebenso auf dem Dummenniveau ihres Weltbildes zu bewegen und sein Glaubensbekenntnis in ein paar Tweets abzulegen, und mehr gäbe es nicht.

Ich habe dieser Dame vorhin getwittert, dass ich ihr ja nicht nachweispflichtig sei, und sie keinen Anspruch auf – kostenloses – Abgreifen meines Wissens und meiner Arbeitsleistung habe (man kann ja auch nicht einfach Bücher klauen, obwohl das viele tun). Und dass sie auch keine Meinungspolizistin sei, die herumlaufen und von anderen Belege und Meinungslegitimationen einfordern kann.

Mittendrin gab’s ne Fehlermeldung: Sie hat mich gesperrt, und damit löscht Twitter auch die ganze Diskussion. (Was meines Erachtens ohnehin rechtswidrig ist, denn das verletzt auch meine Rechte.)

Sobald die merken, dass sie mit ihrem Gepöbel nicht durchkommen und Umfang/Tiefe ein Dutzend Tweets überschreitet, ziehen die die Notbremse.

Eine Menge Leute werden sie damit aber kleinkriegen. Die tun dann so, als müsste man jedem, der vorbeikommt, ausführlich darlegen und rechtfertigen (was sowieso nicht geht, weil die Leute Argumenten ja gar nicht zugänglich sind und wie Religiöse ihre Ideologie als einzige Wahrheit ansehen), wie man zu seiner Meinung kam.

Diese Leute sind unbeschreiblich dumm, aber gruppenmäßig auf dieses Verhalten abgerichtet. Da wird ein enormer Meinungs- und Säuberungsdruck ausgeübt.

Ich halte es für wichtig und Teil der Meinungs- und Medienkompetenz, dass man nicht jedem dahergelaufenen Spinner gegenüber nachweispflichtig ist und man sich von solchen Pöbeltruppen nicht beeinflussen lässt. Zumal diese Leute erkennbar strohdumm sind und nur Phrasen abspulen.

Es zeugt aber auch wieder mal von dieser spezifischen Neo-Dummheit der Geistes- und Sozialwissenschaften. Wahr ist für die, wer sich auf eine der anerkannten Autoritäten beruft und zitiert, alles andere ist nicht wahrheitswürdig. Man kann das Versagen dieser Bereiche im hohen Ausstoß an Idioten ermessen. Würde man in deren Fächern etwas lernen, wären nicht so viele davon im Netz unterwegs.