Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Vom Tod der Fotografie im Allgemeinen und der Kamera im Besonderen

Hadmut
16.10.2018 23:49

Es stirbt.

Ich habe ja nun einige kritische Artikel geschrieben, und ein Leser weist mich nun dazu auf diesen Blogartikel bei Foto-Schumacher in.

Da hat jemand – naja, in vielleicht etwas ausschweifender Gründlichkeit – aufgelistet und belegt, wie, wann und warum es mit dem Kamerabusiness bergab geht.

Passt in vielem oder fast allem genau zu meinen Blog-Artikeln. Besonders auf das miserable Produktmanagement von Nikon geht er ein, wie man da die Kunden verarscht und mangelhafte Produkte auf den Markt wirft. Passt dabei exakt zu dem, was ich schon beschrieben hatte: Nikon macht genau die gleichen Fehler wie einst Nokia. Nämlich eine unüberschaubere Vielzahl von Kameras, die mal diese und mal jene Eigenschaften haben und dann exakt so bleiben, wie man sie gekauft hat, weil man ja immer neue Kameras kaufen soll.

Das hat sogar Nokia das Genick gebrochen, obwohl es bei Handys in gewisser Weise sogar funktioniert hat, weil man da lange die Geräte über die Verträge automatisch bekam und Handys Hand- und Lifestyle-Produkt sind, da will man das neueste.

Der Fehler ist, das auf Kameras zu übertragen. Da funktioniert es noch weniger, weil die Leute eben nicht alle 2 Jahre 2000 bis 4000 Euro oder noch mehr ausgeben, um sich einen neue Kamera zu kaufen, die sich kaum unterscheidet. Und Objektive noch weniger.

Das kann ich bestätigen. Ich habe mir ab 2009 eben mal teure Nikon-Profiobjektive geleistet, die inzwischen ein paar Gebrauchsspuren haben, und die Gummigriffringe muss ich langsam mal austauschen (Ersatzteile habe ich schon beschafft), aber grundsätzlich sehe ich keinen Grund, die nicht noch weitere 5 bis 10 Jahre einzusetzen. Außer leichten Staubteilchen im Inneren, die sich optisch noch nicht sichtbar auswirken, habe ich keine Veranlassung, die auszutauschen. Alle 5 Jahre ein neues Gehäuse, weil die halt doch veralten und sich auch abnutzen. Dabei kommte ich nicht in die Nähe der Lebenszeit, aber ich merke eben, dass die mit der Zeit nicht mehr so scharf sind, weil die sich dejustieren und im Mikrometerbereich verbiegen können (was übrigens der Grund ist, warum ich es vermeide, Kameras mit schwerem Objektiv am Gehäuse zu halten oder gar wie manche Leute am Umhängeband in der Bodenschraube baumeln zu lassen).

Eine Nikon D850 wäre sicherlich eine tolle Sache, sie gilt als eine der besten momentan überhaupt verfügbaren Kameras. Aber meine D800 ist auch nicht schlecht. und der Leistungsunterschied ist nicht so groß, dass ich dafür den hohen Preis ausgeben würde. Freilich ist die D850 deutlich besser, was Videos angeht – nur ist sie dann auch wieder nicht so gut, dass man sie als ernsthafte Videokamera ansehen würde. Das ist bei Nikon immer so wie gekonnt und nicht gewollt. Sie könnten, aber die Produktmanager kastrieren, um in ein oder zwei Jahren die nächste zu verkaufen.

Nur machen die Leute das nicht mehr mit.

Zumal die meisten Leute keine Kamera mehr brauchen, das Handy reicht. Die sind von der Bildqualität nicht so gut wie die Kamera, aber eben ausreichend gut und vor allem den gesamten Workflow abbilden und schnell, leicht, einfach machen, samt mobilem hochladen.

Schaue ich mir an, wie die Netzwerkfunktionen der Kameras aussehen, dann ist das ein Trauerspiel. Das ist richtiger Murks, da läuft fast nichts stabil und zuverlässig. Kameras können sich kaum stabil im WLAN einloggen, und dann soll ich denen allen Ernstes einen FTP-Server zur Verfügung stellen. Auch gerne quer durchs Internet. Alles so amateurhaft, alles so von vor 10 Jahren.

Alles so altmodisch.

Alles so borniert.

Alles so 30%.

Alles so Nokia.

Ja, ich kann mit meiner Nikon verdammt gute Fotos machen (RAW und so). Nein, ich habe nicht die Zeit für die Nachbearbeitung, um diese Bilder aus RAW-Bildern auch zu produzieren. Früher stand man in der Dunkelkammer, dann musste man Stunden, Tage, Wochen am Rechner verbringen. Und keiner guckt’s mehr.

Heute kommt es auf die Qualität nicht mehr an, dafür muss es schnell und viel sein, und es muss wackeln. Video ist gefragt.

Dazu massives Missmanagement, das sich lange Zeit stabil gehalten hat, weil der Digitalmarkt während der Entwicklung der Digitalkameras eben 15 bis 20 Jahre von selbst lief und alles auf Digital sprang. Nu isses passiert und das war’s. Markt gleichzeitig gesättigt, gelangweilt und schrumpfend.

Und das falsche Produkt.

Ich habe auf Reisen inzwischen viel mehr Leute mit Drohnen als Leute mit Stativen gesehen. Vielen Leuten reichen inzwischen eben auch ein Handy und noch eine GoPro.

Auch der Profi-Bereich bricht ein:

Ökonomisch kommt hinzu, dass ganze Medienkonzerne (wie Springer) sich vom Print-Bereich trennen und zu digitalen Medien wechseln. Dies wird auch massive Auswirkungen auf den Profi-Bereich haben, da man zukünftig keine doppelseitigen A3-Fotos in 300 dpi-Auflösung mehr benötigt.

Die Welt geht hin zum Video. 4K ist inzwischen Standard und geht schon mit vielen Handys und fast jeder neuen Kamera, bei den olympischen Spielen 2020 wollen sie mit 8K loslegen. Ich gehe gerne in Museen, überall auf der Welt. Oft ist mir aufgefallen, dass da inzwischen mehr Videos als Fotos gezeigt werden.

Viele moderne Kameras fotografieren gar, indem sie ein 4K- oder 6K-Video drehen und dann einzelne Bilder herausnehmen.

Wesentlich auch das:

Ferner wurde bereits 2016 immer deutlicher, dass nicht nur Profis (selbst der öffentlich-rechtlichen Anstalten, die alles ersetzt und ihre Arbeit lukrativ bezahlt bekommen) Angst haben, mit großer, auffälliger, teurer Ausrüstung in sogenannte No-Go-Areas (in Europa) zu laufen, sondern auch immer mehr Privatpersonen aufgrund zunehmender Gewalt sich keineswegs selbst durch eine Vollformatkamera zum Opfer machen lassen wollen.

Stimmt. In Berlin sind schon Leute wegen ihrer Kamera überfallen worden. Obwohl meine Ausrüstung inzwischen einige Jahre alt ist, käme ich nicht mehr auf die Idee, damit in Berlin öffentlich rumzulaufen.

Es scheint, als sei die Zeit der großen Kameras vorrüber. Zwar schreiben sie alle, der Trend gehe zu großen, teuren Kameras. Das ist aber gelogen, die brechen nur nicht so schnell ein wie das untere, billige Segment.

Und daran hat nicht nur, aber eben auch die inkompetente Produktpolitik der Hersteller einige Schuld.

Letztlich geht es aber auch um eine Verblödung der Massen und den Kulturmarxismus, in dem wir einen Einheitsbrei auf unterem Niveau produzieren. Schon heute verstehen die meisten Leute die Kamera nicht mehr und können die Anleitungen nicht mehr lesen, die Kamerahersteller machen inzwischen Videos, in denen sie jeden einzelnen Knopf erklären. Bei einem Foto muss man denken. Von einem Video wird man mitgenommen, da gibt es nicht viel zu denken.

Im Ergebnis kann das zu Stillstand führen, weil die Kameraverkäufe das Geld nicht mehr einbringen, große Fortentwicklungen zu tragen.