Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

14:00 – 15:00: Wo sind die Frauen?

Hadmut
30.6.2018 21:02

Und da fand sie doch noch statt, die feministische Jammerveranstaltung bei der Jahrestagung von Netzwerk Recherche.

Annelie Naumann (Investigation Welt), Britta von der Heide (Recherchepool WDR/SZ/NDR), Holger Strak (Investigation Zeit) und Jürgen Dahlkamp (Investigation Spiegel) wunderten sich unter der Moderation von Juliane Schwerin (NDR/Anne Will) gemeinsam darüber, warum in investigativen Teams so wenig Frauen sind. War übrigens derselbe Raum, in dem die Gender-Hyänen von Pro Quote in einer früheren Jahreskonferenz gehetzt hatten, Rainer Brüderle sei ein „alter Sack”.

Um es vorweg zu nehmen: Völlig nutzlos. Ich habe in den letzten 6 Jahren sicherlich so zwischen 30 und 40 solcher Diskussionen mitangehört, und noch nie kam etwas dabei heraus. Noch nie war man hinterher auch nur im Geringsten schlauer als vorher. Man versichert sich gegenseitiger Verwunderung und des Schulterzuckens, sowie der Bemühungen und geht wieder auseinander. Reine Zeitverschwendung.

Oder auch nicht. Vielleicht ist es auch eine Antwort auf die Frage, warum Frauen in investigativen Teams so selten sind: Weil sie solche komischen Podiumsdiskussionen veranstalten, bei denen wirklich gar nichts herauskommt, aber das dann immer wieder. Wer würde solche Leute in ein investigatives Team setzen? Denn wie auch immer man das auslegt, Investigation (was ich für einen entsetzlichen Anglizismus halte, denn von vielen wird das dann Deutsch ausgesprochen) hat im Kern damit zu tun, dass man hinterher irgendetwas mehr weiß als vorher oder das zumindest anstrebt.

Und gleich zu Anfang hat Dahlkamp vom Spiegel so einen Genderscheiß dahergeredet, dass ich so das Gesicht verzogen habe, dass die oben auf dem Podium allein von meinem Gesichtsausdruck her stutzten. Sein großes Rollenvorbild sei Günter Walraff gewesen. Wenn ein großer, erwachsener Mann daherkommt und mir von seinem männlichen Rollenvorbild erzählt, krieg ich Fühlkrätze. (Ich musste da ständig an einen tollen Erzählmirnix-Comic-Strip von Nadja Hermann denken, in dem sich zwei Frauen darüber unterhalten, dass die Männer tolle männliche Wissenschaftler als Vorbild hätten, und die andere so ganz trocken sagt, dass sie sich die einfach auch zu Vorbild nimmt. Was hindert eigentlich eine Frau daran, sich Günter Walraff als Vorbild zu nehmen? Leider habe ich den Strip jetzt auf Anhieb nicht gefunden und deren Blog scheint gerade nicht erreichbar zu sein.)

Ganz im Ernst: Ich halte Leute, die erstens meinen, sie bräuchten unbedingt ein Vorbild, dann aber zweitens bei diesem Vorbild zuerst auf das Geschlecht schauen, für so dämlich und selbstwidersprüchlich, dass ich die auch nicht einstellen würde. Wofür brauchen sie dann überhaupt ein Vorbild, wenn die Hauptsache beim Vorbild das Geschlecht Frau ist? Frau sind sie doch schon.

Und natürlich geht es wieder um das Dornröschen-Syndrom: Frauen bewerben sich nicht. Sie liegen irgendwo herum und warten, das sie „wachgeküsst” (=angesprochen, ihnen die Stelle angetragen wird) werden. Wie’s Frühstück ans Bett gebracht.

Und wie immer sind immer die anderen schuld. Sie fragten, warum in irgendeiner Spiegel-Ausgabe der Anteil der von Männern geschriebenen Texte bei x% liege (ich weiß den Wert von x nicht mehr, irgendwas hohes war es, 70 80 oder 90).

Ja, warum?

Haben die Männer Texte abgegeben und die Frauen nicht?

Sind die Texte der Männer viermal so lang?

Sind sie besser?

Ist was aktuelles passiert und die Männer hatten passende Texte, während die Frau so zeitloses Allgemeinblabla hatten, was man auf Vorrat bunkert und dann einsetzt, wenn man mal nicht genug Inhalt hat?

Waren die Frauen vielleicht einfach nur als Quotenprinzessinnen da, obwohl sie eigentlich nicht schreiben können, was sie noch nicht wissen, weil es ihnen noch keiner gesagt hat, weil sich keiner traut, weil er sonst hingerichtet würde?

Es wäre mal interessant herauszufinden, warum das so ist. Und sich dazu mal die Gesamtheit der zum Zeitpunkt der Erstellung der Ausgabe vorliegenden Texte anzuschauen. Aber sowas macht man nie. Bloß nicht nachschauen. Man will es rein beim Jammern belassen. Und die wundern sich, dass man sie nicht für Investigation-Teams einlädt?

In der Fragerunde hatte ich mal eine Frage aufgeworfen. In der Diskussion nämlich hatten sie den Standpunkt (mit Beifall aus dem Publikum) vertreten, dass Frauen genauso leistungsfähig seien wie Männer.

Ich wies nun darauf hin, dass ich selbstverständlich meine Gender-Hausaufgaben gründlich gemacht und die Hochschulgenderliteratur seit Jahren sorgfältig verfolgt habe, quasi ein Gender-Studies-Experte bin. Die hohen Professorinnen (Unterton: Die anzuzweifeln ich unwürdig und als Mann unbefugt bin) schreiben dort zur Gleichstellung der Frau in MINT-Fächern, dass man jegliche Qualitätsanforderungen entfernen und aufgeben müsse. Männer würden nunmal gerne nächtelang in Labors arbeiten, und Frauen legten Wert auf „Work-Life-Balance” [= Frauen sind einfach fauler als Männer ], weshalb jegliche Qualitätserwartung stets frauenausgrenzend sei und deshalb entfernt werden müsse. Was ja nun offenbar ein Widerspruch zu ihrer Darstellung sei. Wer denn nun Recht habe, sie oder die Gender Studies. (Ich habe bewusst jeglichen eigenen Standpunkt vermieden und es als „Verständnisfrage” gestellt.)

Spontane Antwort: Sie hätten natürlich Recht. (Ich: grinsend)

Etwas verzögert die ausführlichere Antwort einer der Podiumsfrauen: Sie lege auch Wert auf Work-Life-Balance und hätte vier Kinder. Trotzdem würde sie das alles schaffen.

Es ist eigentlich keine Antwort auf meine Frage. Denn Feministen widersprechen sich ja überaus häufig. Je nachdem, wie es gerade passt, behaupten sie mal, sie seien gleich gut wie Männer, oder Qualitätsanforderungen seien zu unterlassen, weil sie Männer bevorzugen und Frauen ausgrenzen. Das verblubbert sich alles in der Beliebigkeit des Augenblicks.

Das könnte aber auch am Raum liegen. An nämlich genau derselben Stelle hatte ich in einer der früheren Konferenzen Protest gegen das damalige Podium eingelegt, weil sie Brüderle als alten Sack bezeichnet hatten, was ja Sexismus, Ageism, Lookism und so weiter wäre, worauf der damaligen Gender-Hyäne Gesichtszüge ebenso wie Orientierung und roter Faden entgleisten. Nachwuchsjournalistinnen schreiben da ja immer so eine Konferenzzeitung, und in der stand das dann so, als hätte ein dummer alter Mann irgendwas geblökt und die Moderatorin dies souverän „weggelächelt”.

Es scheint an diesem Raum zu liegen, dass sie über „Weglächeln” nicht hinauskommen.

Für investigative Tätigkeiten reicht sowas aber nunmal nicht.