Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die Fake-News-Theorie

Hadmut
21.2.2018 23:23

Das ist überaus interessant.

Und es passt so wunderbar in den Gedankenstrang meines Blogs. (Weshalb man da immer aufpassen muss, nicht in einen confirmation bias zu rutschen – je mehr es einen freut, desto vorsichtiger muss man sein, zumal Heise das Ding mal Theorie, mal Hypothese nennt, und das ist eine ziemlicher Unterschied, der Heise wohl nicht so ganz klar ist.)

Der Heise Newsticker berichtet über eine Theorie, die Psychologen über Fake News aufgestellt haben.

Wieso funktionieren Fake News überhaupt? Wieso funktionieren die?

Falschmeldungen – Fake News – werden demnach von Menschen geglaubt, die ihre politischen Überzeugungen oder ihre Zugehörigkeit zu einer politischen Partei höher bewerten als das Ziel, genau zu sein. […]

Ihre Hypothese stellen sie im Fachmagazin “Trends in Cognitive Sciences” vor. Sie basiert unter anderem auf der Theorie der sozialen Identität, die sich mit Gruppenprozessen befasst. “Eine wirklich hochwertige Nachrichtenquelle ist nicht so wichtig, wenn wir glauben, dass die Menschen, die sie produzieren, einer anderen Gruppe angehören als wir”, erklärt Van Bavel.

Die Forscher führen diese Denkweise darauf zurück, dass in langen Zeiten der menschlichen Entwicklung die Stammeszugehörigkeit des Menschen von entscheidender Bedeutung war. Deshalb werde die Identität mit der eigenen sozialen Gruppe, etwa Mitgliedern einer Partei, als wichtiger eingeschätzt als Werte wie Genauigkeit oder Wahrhaftigkeit.

Und da sind wir wieder genau und mittendrin im Thema Tribalismus und Amygdala. Letztlich das Hinterherrennen hinter der Leitkuh. Ein evolutionär erworbener Mechanismus.

Ich halte das sogar noch für zu kurz gegriffen. Ich glaube, das ist auch der Grund für Religion, Ideologie, Feminismus und ähnlichen Unfug. Deshalb sind die Leute intellektuell auch nicht mehr erreichbar. Das ist Gruppendynamik, Herdenzugehörigkeit, man nennt es auch Group Think.

Es ist mir schon so oft aufgefallen, dass die auf Argumente, Fehlerhinweise oder Gegenbeweise nur mit „Der ist doch Maskulinist” oder Misogynist, Rechts, Rassist, Vergewaltiger, „Braun”, weiß der Kuckuck was ist, was ja immer nur darauf hinausläuft zu sagen „der ist von der anderen Herde, den muss man nicht beachten”.

Im Gegenzug glaubt man Leute aus der eigenen Herde einfach alles, sei es auch noch so dämlich.

Da kommn wir wieder auf das Thema Amygdala und Fremdenablehnung. Womöglich beeinflusst der Teil des Gehirns, der für die „Freund-Feind-Erkennung” zuständig ist, massiv die anderen Gehirnteile, die für Sachprüfung und Intellekt zuständig sind. Ich habe sogar bei Journalisten den sehr starken Eindruck, dass die so ticken, dass die einen extrem starken Herdentrieb haben und alles glauben, was von ihresgleichen kommt, und alles ablehnen, was ein anderer sagt.

Oder anders ausgedrückt: Ein immer wiederkehrender, dominanter, alles bestimmender, extrem häufig zu beobachtender Effekt ist, dass es nicht darauf ankommt, was man sagt, sondern wer es sagt.

Ich habe mich ja auch schon darüber gewundert, warum man in Politik und Fernsehen ständig irgendwelche Promis, meist Sportler oder Schauspieler für irgendetwas eintreten lässt, die dann für irgendein Thema werben – also als sie selbst, nicht in einer Rolle. Obwohl Schauspieler ja nun in praktisch keinem Bereich irgendeine intellektuelle Autorität besitzen, die sind gut im Kurzzeit-Auswendiglernen und Grimassenschneiden. Aber für politische Meinungen sind die hoffnungslos unqualifiziert. Schauspieler sind, beruflich gesehen, strohdoof. Trotzdem gelten sie immer als Autoritäten. Ich hatte das ja neulich zum Thema Iris Berben. Mag sein, dass die hübsch in die Kamera lächeln und mit dem Hintern wackeln kann, aber was um alles in der Welt würde die dafür qualifizieren, dass man seine Meinung nach ihr richten sollte?

Ich habe da einen Verdacht.

Kann es sein, dass das Gehirn Leute, die wir seit Jahren im heimischen Wohnzimmer auf dem Fernseher sehen, vom Hirn als Herdenmitglied und nicht mehr als Fremder angesehen werden und sie deshalb als höher glaubwürdig eingestuft werden?

Kann es in der Folge sein, dass Fernsehen per se, einfach weil es heute groß, in super Bildqualität, stundenlang und vor allem in unseren Privaträumen oft wiederholt dieselben Leute zeigt, uns die als Herden- oder Familienmitglied im Hirn unterjubelt? Dass das überhaupt das Wesen der Prominenz ist?

Ich habe mich mal vor einiger Zeit selbst bei einem Denkfehler ertappt. Auf einer Veranstaltung lief mal jemand an mir vorbei, der häufig im Fernsehen zu sehen war, den man sofort erkennt, während ich mich gerade mit jemandem unterhalten habe. Unwillkürlich, das ist mir so rausgerutscht, bevor ich drüber nachdenken konnte, zumal ich gedanklich gerade im Gespräch war, habe ich den in seinem Vorbeigehen durch Zunicken und Hallo kurz gegrüßt wie einen alten Bekannten und war für einen Sekundenbruchteil angesauert, weil der nicht zurückgrüßte sondern einfach an mir vorbeiging, ohne mich zu beachten. Bis mir eingefallen ist, dass der mich ja gar nicht kennen kann, dass der mich ja von seiner Kamera aus nicht sehen kann, wenn ich auf dem Sofa vor dem Fernseher sitze. Hat mich da genau das reingelegt, dass ich jemanden, dem ich noch nie persönlich begegnet bin, im ersten Moment wie einen alten Freund eingestuft habe, weil ich ihn so oft in meinem Wohnzimmer gesehen habe? Ist das der Grund, warum man für Kampagnen Prominente einsetzt, weil man denen als Pseudoherdenmitglied mehr glaubt?

Und eine ganz andere Frage: Greift man mal auf das Urmuster zurück, wonach die Männer Einzelgänger und auf Jagd sind, während die Frauen in der Gruppe bleiben und Herd und Kinder hüten, was ja auch bei vielen Tierarten zu beobachten ist. Könnte es sein, dass Frauen für diesen Denkfehler aus evolutionären Gründen viel anfälliger sind?