Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Der weibliche Frequenzbereich

Hadmut
15.2.2018 23:00

Ui… das ist auch mal eine Aussage.

Ich habe das ja vor einigen Jahren schon mal anhand mehrerer Veranstaltungen beschrieben, dass sich manche Feministinnen beschwerten, dass die (männergemachte) Mikrofontechnik frauenbenachteiligend wäre, weil die Mikrofone immer auf Männerstimmen ausgelegt seien und Frauen dabei kreischig klingen.

Was doppelter Unsinn ist, weil die besagten Damen ohne Mikrofon im direkten Gegenüberstehen genauso kreischig klangen (naja, wenn man halt hyperventilierend kreischt, statt normal zu reden…), und weil zweitens in der Popmusik die Frauen weit erfolgreicher sind und viele Frauenstimmen ja wirklich perfekt aufgenommen wurden.

Inzwischen habe ich mich näher mit Medien- und damit auch mit Mikrofontechnik befasst und bin der Sache etwas nachgegangen. Da bleibt für Mikrofonsexismus kein Raum, denn Mikrofone werden daraufhin konstruiert und gebaut, über einen großen Frequenzbereich, der auch weibliche Stimmen und den hörbaren Bereich voll abdeckt, einen möglichst konstanten Frequenzgang zu haben. Und da ich mir, wie gesagt, die Damen auch persönlich und direkt angehört habe, sehe ich das Problem eher auf Ebene der Psyche und Kompetenz, weil die Damen wirklich oft übel kreischen, weil sie sich nicht beherrschen können, völlig emotionalisiert hingehen, sich ständig im Krieg wähnen (Adrenalin wirkt auch auf Stimmbänder), und nie gelernt und geübt haben, ordentliche Vorträge zu halten.

Zwei Sachen habe ich allerdings festgestellt.

Der erste Punkt ist, dass es mehrere Mikrofontypen gibt, von denen die häufigsten das sogenannte dynamische (Fachbegriff: Tauchspulenmikrofon) Mikrofon ist, das keine Phantomspannung benötigt, weil es selbst ein Signal erzeugt und wie ein Lautsprecher funktioniert, nur eben umgekehrt, und das Kondensatormikrofon (auch: Klein- und Großmembranmikrofon), das einen geladenen Kondensator aus zwei Membranen enthält, die durch Schall bewegt werden und damit die Kapazität ändern, bei dem eine angelegte Spannung zu Landungsänderungen und damit zu einem Wechselstromsignal führt.

Dynamische Mikrofone (meist in Form der typischen Mikrofonkeule) sind einfacher und robuster, und praktisch alle Bühnenmikrofone der Musiker und Sprach- und Konferenzmikrofone sind solche dynamischen Mikrofone. Den großen Durchbruch hatten diese modernen Mikrofone in Keulenform wohl beim berühmten Woodstock-Festival mit dem Shure 565SD (aktueller Nachfolger SM58). Weil diese Mikrofone auf einer bewegten Spule beruhen, gelten sie als etwas niederfrequenzfreundlich und manche meinen, sie würden bei Männern besser klingen.

Kondensatormikrofone sind empfindlich(er), gehen leichter kaputt, sind damit nicht bühnen- oder handeinsatztauglich und typische Studiomikrofone. Sieht man Fotos von Musikern im Studio haben sie praktisch immer Kondensatormikrofone. Weil die Membranen dünn und Kondensatoren hochfrequenzfreundlich sind, gelten diese Mikrofone als eher für hohe Stimmen und Instrumente geeignet.

Die Auffassung mit hohen und tiefen Eignungen gilt aber als veraltet, weil die Mikrofonhersteller dies längst weitgehend ausgeglichen haben. Musiker suchen sich in der Regel ihr Lieblingsmikrofon aus und bleiben dabei, und das ist bunt gemischt, da sind keine echten Präferenzen festzustellen.

Wenn also überhaupt ein Vor- oder Nachteil für Männer- oder Frauenstimmen vorliegt, dann beruht der nicht darauf, dass böse Ingenieure die Mikrofone auf Männer trainiert hätten (was ja auch blödsinnig wäre, weil die bestbezahlten Sänger, die die größten Umsätze machen, weiblich sind und man denen die Mikrofone ja verkaufen will), sondern sie beruhen einfach auf der Mikrofontechnik. Ich habe noch keine Feministin gefunden, die verstanden hatte, wie ein Mikrofon funktioniert. Bemerkenswerterweise erwarten sie alle, dass Männer ihnen Mikrofone bauen, durch die sie dann wie Engel oder Musikstars klingen.

Der zweite Punkt ist, dass es zwar teuere, gute Mikrofone gibt, die meisten Mikrofone inzwischen aber aus China kommen und spottbillig sind, und damit auch einfacher. Die klingen nicht mal schlecht (rauschen manchmal), aber bisweilen sehr hart. Also eher überbetont in den hohen Frequenzen. Nicht, weil sie auf Männer geeicht sind, sondern schlicht weil sie spottbillig sind. Ist halt schon ein Unterschied, ob man für ein Mikrofon 10 oder 1000 Euro ausgibt, wobei es Leute gibt, die die Mikrofone unter 100 Euro aus China inzwischen für so gut halten, dass sie das Ende teurer Mikrofone voraussagen. Die typischen Veranstaltungsausstattungen sind halt etwas älter und billig, da geht man nicht mit 1000-Euro-Mikrofonen dran.

Das zentrale Problem bleibt aber eben, in ein Mikrofon ordentlich reinzusprechen und nicht zu kreischen. Wenn man reinkreischt, kommt es auf das Mikrofon nicht mehr an.

Wie ich jetzt darauf komme?

Martin Schulz.

Martin Schulz? Wieso das denn?

Forscher haben mal die verschiedenen Reden von Martin Schulz wissenschaftlich in Bezug auf seine Stimme untersucht, und konnten an Stimmveränderungen zeigen, dass der schon frühzeitig auf der Verliererstraße war. Dazu heißt es bei FOCUS:

Das Ergebnis: Im Wahlkampf hat Schulz drastisch an Ausstrahlung verloren. Deutlich fiel etwa der sogenannte Hammarberg-Index, ein Maß für den Energiereichtum der Stimme. Schulz’ Sprache wurde stockender, das Kompetenz vermittelnde Absinken der Stimme am Satzende seltener. Dafür erreichte Schulz häufiger den weiblichen Frequenzbereich.

Phonetiker Oliver Niebuhr dazu: “Ein höheres Stresslevel schlägt sich in der Stimme nieder.” Wörter könnten darüber hinwegtäuschen – die Stimme jedoch nicht.

Statt Kompetenz vermittelnd häufiger im weiblichen Frequenzbereich. Hähä. 😀

Aber im Ernst: Das ist ein ganz wesentlicher Punkt. Wenn man ordentliche Vorträge hält, senkt man nach einer Aussage auch die Stimme, um den Satz zu beenden, und legt dann auch mal eine kurze Pause ein, damit der Satz ins Hirn sickern kann.

Hört man aber mal auf Politiker, Kampfschwätzer und solche Leute, dann schreien die nicht nur vom Podium, um Leute aufzurütteln, sondern sie zeigen auch zwei Besonderheiten: Falls sie überhaupt noch Pausen machen und Luft holen (viele reden ja unter Sauerstoffabschluss), dann machen sie die in der Mitte des Satzes, aber nicht am Ende. Manchmal haben die Sätze kein Ende, und wenn, wird dicht und sofort der nächste Satz angepappt. Und häufig halten die die Tonhöhe konstant oder heben sie zum Satzende hin sogar – unnatürlich – an.

Warum machen die das?

Kampfrhetorik. Das wird denen von Profis antrainiert, weil das effektiv verhindert, dass einem andere ins Wort fallen. Immer wenn das Hirn einen Abschluss einer Aussage findet, ist das für andere ein Einstiegspunkt, und genau das will man nicht. Deshalb reden die lieber hohl, behalten aber das Wort in Talkshows und Diskussionen.

Der zweite Punkt ist eben das Schreien von der Kanzel, um Emotionen zu transportieren. Siehe etwa den Unterschied in den Parteireden zwischen Martin Schulz und Andrea Nahles. Es vermittelt Emotionen, aber nicht Kompetenz. Bei der SPD passt das, sonst nicht.

Was aber auch wieder mal zeigt: Man sollte keine Reden unter Stress halten. Das kann emotional funktionieren, aber nicht auf Kompetenzebene. Und die Mikrofone können auch nichts dafür.