Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Der Gott-Kanzler der Presse

Hadmut
9.2.2018 21:01

War wohl nichts.

Es ist sagenhaft, wie die Presse heute auf Martin Schulz eindrischt. Nicht dass es mich störte, es trifft schon den Richtigen, aber bemerken sollte man es schon, denn die Presse ist auch nicht ehrlicher als Schulz.

Die WELT schreibt Wie der Schulz-Zug gegen den Prellbock fuhr, Hoch gepokert, völlig verzockt – das Ende für Martin Schulz, „Ich hab‘s satt“ – SPD zerlegt sich öffentlich, Der hohle Selbstbespiegler.

Die linke TAZ schreibt: SPD auf Schulz-Entzug:

Schulz’ Sätze vom Freitagnachmittag klingen zuerst einmal folgerichtig: Da zieht sich ein Politiker zurück, um den Erfolg seiner Partei nicht zu gefährden. Doch tatsächlich sind sie eine Bankrotterklärung für die SPD, erpresst vom eigenen Vorstand. Eine Bankrotterklärung für die Strategen der Partei, für ihre Mandatsträger, für ihr parteiinternes Miteinander, ihren Umgang mit GenossInnen und nicht zuletzt mit der Öffentlichkeit.

Und: Drama ersten Ranges:

Kann das sein? Kann es sein, dass man Erleichterung verspürt, wenn Martin Schulz seinen Verzicht aufs Außenamt bekannt gibt? Falls, kippt dieses Gefühl umgehend in Ratlosigkeit um. Denn der Rückzug des Ex-EU-Parlamentspräsidenten, Ex-SPD-Spitzenkandidaten, Bald-Ex-Parteivorsitzenden Schulz ist ein Drama ersten Ranges. Für ihn, für seine Partei. Aber auch für dieses Land.

Selten hat man einen Politiker in dermaßen atemberaubendem Tempo aufsteigen und wieder stürzen gesehen. Selten wusste die Öffentlichkeit so viel über die Gefühlslage eines Politikers, über seine Irrtümer und Missverständnisse. Nie zuvor erfuhr man dermaßen irritierende Details aus den Abgründen einer großen alten Partei. Martin Schulz’ Name, das darf man schon heute sagen, steht von nun an synonym für die Ränke und all die Missgunst, die das politische Geschäft zu bieten hat.

FOCUS kommt mit „Stoppt Martin Schulz!“: Interne SPD-Mails zeigen Unmut der Basis

Der Tagesspiegel schreibt Schulz’ Sturz und Gabriels Beitrag

Neun Sätze, verschickt per Mail um 14.14 Uhr am Freitag – so schnöde geht die Karriere eines Mannes zu Ende, den die deutsche Sozialdemokratie vor nicht so langer Zeit als einen ihrer größten Hoffnungsträger feierte. Martin Schulz tritt ab von der großen politischen Bühne. Er, der zunächst „Gottkanzler“ und 100-Prozent-Vorsitzender war, dann gescheiterter Wahlkämpfer und zuletzt nur noch ein Hindernis auf dem Weg in die große Koalition. Am Ende gab es niemanden mehr, der ihn halten wollte.

Und noch besser: Wenn Macht vor Moral geht

Aus und vorbei. Martin Schulz verzichtet, sowohl auf den SPD-Vorsitz als auch auf das Amt des Außenministers. Der Druck aus der Partei sei zu groß geworden, sagt er. Das klingt nicht nach Einsicht, sondern nach Aufgabe. Schade. Selbst seinem endgültigen Abtritt von der bundesdeutschen politischen Bühne fehlt damit jenes Element des Tragischen, das Aufstieg und Fall mitunter groß wirken lässt.

Begleitet wird dieses jähe Ende von Ratlosigkeit. Wie war es möglich, sich in diesem Mann so zu täuschen? Das gilt für die SPD nicht minder als für einen Großteil der Öffentlichkeit. In der Hoffnung überspringt die Seele die Wirklichkeit, heißt es. Vielleicht war es das, Hoffnung.

Was aus Schulz nun werden soll, der vor einem Jahr als strahlender Stern am dunkel-düsteren SPD-Himmel gefeiert wurde, ist unklar. Klar aber ist, dass sich seine Partei am Rande der Selbstzerstörung befindet. Aus den Verhandlungen zur neuen großen Koalition ging sie triumphierend heraus, Inhalte und Ressortverteilungen trugen eine deutlich sozialdemokratische Handschrift. Doch in Rekordgeschwindigkeit wurde alles Erreichte durch eine überflüssige Personaldebatte entwertet. Man fasst es nicht.

Und noch beliebig mehr, irgendwo schimpfen sie auf seine Selbstsucht, und jetzt wird auch thematisiert, dass er als Politiker Millionen verdient bekommen hat.

Wie war es möglich, sich in diesem Mann so zu täuschen?

Die Frage stelle ich seit einem Jahr, ich habe den Schulz-Hype nie verstanden. Bei Schulz hat meine Menschenkenntnis sofort Alarm geschlagen, und ich (und nicht nur ich) habe es vor einem Jahr deutlich und klar gesagt. An dem Mann ist mir sofort aufgefallen, dass er ein arroganter Narziss ist, dem man nicht glauben kann. Und die Digital-Charta war eh das Letzte.

Wie also konnte es um einen solchen Mann einen „Schulz-Hype” geben, man vom „Schulz-Zug” reden? Wie konnte man glauben, dass das funktionieren würde?

Die Antwort ist: Man hat es ja nicht geglaubt. Es wurde einem eingeredet.

Der Schulz-Hype hat in der Realität nie stattgefunden. Das waren Fake-News der Medien. Während man hier ständig „Fake-News” schrie und auf die Russen und die Rechten zeigte, wurde uns ein Stümper als der nächste Kanzler hingestellt und erzählt, alle fänden ihn toll. Die übliche Masche der Presse, Minderheiten als Mehrheiten und Mehrheiten als unbeachtlich hinzustellen. Presse ist heute kein Journalismus mehr, sie ist Aktivismus.

Und wie immer, will es, wenn es schief geht, hinterher wieder keiner gewesen sein. Plötzlich waren es die SPD und die „Öffentlichkeit”, die sich in Schulz getäuscht haben. Nicht, die über Schulz getäuscht wurden. Vom Auftreten der Presse ist plötzlich kein Wort mehr zu hören, kein Presse-Heini will heute Schulz-Fan gewesen sein.

  • Heute findet man schon die Vorstellung unterträglich, dass er Außenminister oder überhaupt irgendein Minister sein könnte.

    Stellt Euch mal vor, die Nummer hätte funktioniert und der wäre jetzt Bundeskanzler geworden. Ein Mensch wie Schulz als Bundeskanzler.

    Das wäre eine Staatsnekrose geworden.

  • Ich habe ja einiges über diese korrupte Clique um das Bundesverfassungsgericht geschrieben. Deren Anführer ist Ex-Bundesverfassungsgerichtsmitarbeiter und Richter am Landgericht Berlin Ulf Buermeyer, und der hat – von der Presse noch vor zwei Wochen eifrig zitiert – ins Spiel gebracht, Martin Schulz solle doch als Kanzler einer Minderheitenregierung antreten.

    Wäre eine ziemliche Minderheit geworden, wenn man sieht, dass ihn selbst die SPD kaum ertragen kann. Es zeigt aber, wie diese Verfassungsclique gestrickt und drauf ist.

  • Man sollte nicht auf die Presse reinfallen.

    Jetzt machen sie alle auf Schulz-Killer und bringen unentwegt die Videos mit seinen Aussagen, die er nicht einhält, aber man muss sich und andere stets daran erinnern, dass Schulz ein Medienprodukt ist, dass die Medien ihn gemacht haben, weil sie Merkel loswerden wollten, und diese ganze absurde Situation von den Medien herbeigeführt wurde.

    Schulz ist fleischgewordene Fake News. Manchmal haben Lügen wirklich kurze Beine.

  • Und wer jetzt auf Schulz zeigt, weil er heute dies und morgen das Gegenteil sagt, der hat zwar völlig recht (Bei den Verhandlungen mit der Türkei hat er sich ja auch innerhalb kürzester Zeit selbst widersprochen), darf aber nicht vergessen, dass die Presse das jetzt auch tut. Gestern Schulz-Hype und Schulz-Zug, heute Schulz-Bashing.

  • Und was auch nur am Rande diskutiert wird: Man ist sich zwar weitgehend einig, dass die SPD gerade ziemlich kaputt und im Absturz begriffen ist.

    Aber man spricht nicht darüber, wie es dazu kam.

    Auch wenn Schulz und Gabriel Männer sind, es hat stark mit dem Feminismus zu tun. Denn eng korreliert mit dem Feminismus und in beiderseitiger Kausalität ist die SPD zu einer Partei der Raffzähne, Täuscher und Betrüger geworden. Leute, die permanent lügen und sich ständig selbstwidersprechen, die keinen Stil, keinen Anstand, keine Würde mehr haben und zu jedem Zeitpunkt beliebig behaupten, wovon sie glauben, dass es ihnen im Moment persönliche Vorteile bringt.

    Schulz ist ein Kotzbrocken, aber er ist kein Einzelfall. Schulz ist symptomatisch und typisch für den Menschenstil, der sich da eingenistet und die SPD übernommen hat. Irgendwo stand heute, dass man aus den Koalitionsverhandlungen berichtet habe, dass Schulz die CDU sehr unfair, sehr dreckig, sehr skrupellos, sehr selbstsüchtig, aber eben auch sehr effektiv erpresst habe. Dass die sich ohne Beachtung ihrer Stimmanteile einfach so viel nehmen, wie sie können.

    Das ist aber nicht Schulz. Das ist SPD. Die SPD hat sich in den letzten Jahren zu einem extrem verlogenen, korrupten, eigensüchtigen, raffgierigen Haufen von Kotzbrocken entwickelt. Und jetzt ist der Pickel eben mal geplatzt. Da wimmelt’s aber von solchen Kotzbrocken. Die sind so. Vielleicht nicht alle in der Basis, aber alle, die da was zu sagen haben und sich die Posten geholt haben.

SPD und Presse. Wie Pest und Cholera. Und sich so ähnlich.